Hallo Sternenfreunde,

diesmal habe ich mich einem Sternbild gewidmet, in dem ich noch recht wenige Objekte beobachtet habe. Vor allem vor 3 Jahren in Bornholm, mit dem 70mm-Refraktor, habe ich im Cepheus einige Objekte besucht (Siehe dieser Bericht) und nun wollte ich Einiges mehr im Cepheus erkunden, einem Sternbild, von dem man zu Unrecht  ziemlich wenig hört. Zusammenfassend kann ich sagen, die Tour hat sich mehr als gelohnt, König Cepheus hält einige wundervolle und interessante Schätze bereit!

Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
Zeitpunkt:         
Montag, 06. September 2004, 22:45-01:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3mag
Durchsicht:
gut bis sehr gut
Seeing:
-
Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC6946, M31, M32, M110
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
NGC6939, NGC7510, NGC7419, NGC7235, NGC7261, NGC7129/NGC7133, h+chi
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC7354, NGC40
Sonstiges:
-

Begonnen hatte ich an diesem spätsommerlichen Abend mit einem offenen Sternhaufen, nämlich  NGC6939. Dieser Haufen fällt zum Einen durch seinen Sternenreichtum, zum Anderen aber durch seine recht niedrige Flächenhelligkeit auf, fast wie hingehaucht erscheint dieser bei 78x dreieckig wirkende Sternenteppich, und irgendwie zart, transparent und zerbrechlich... Bei 120x  zeigen sich die Einzelsterne bereits besser aufgelöst und im Hintergrund wird leicht klumpige Nebulosität erkennbar, das Markenzeichen so vieler reicher Milchstrassensternhaufen. Besonders bei 152x ist die dreieckige Form wundervoll zu erkennen, und die von Dunkelgebieten durchzogenen Hintergrundsternwolken.
Ein weiteres Karkoschka-Objekt findet sich direkt nebenan, die Galaxie  NGC6946. Bei 44x ist sie kaum, mit Skyglow jedoch tendenziell besser zu erkennen als strukturlose, schwach graue Aufhellung nördlich eines Sternendreiecks. Bei 78x wird NGC6946 etwas besser erkennbar, hier wirkt sie eher in Ost-Westrichtung gestreckt denn ganz rund. Auch bei 120x kann man sie noch indirekt halten, jedoch offenbaren sich auch bei dieser Vergrößerung keine weiteren Details. Für ein Karkoschka-Objekt ist diese Galaxie mit sehr niedriger Flächenhelligkeit von 14m2 schon eine äußerst harte Nuß, nachfolgend kommen jetzt genügend Nicht-Karkoschka-Objekte zur Beobachtung, die es allesamt in sich haben.
Da die recht ruhige, stille Montagsnacht noch recht mild war, bot sich natürlich die Gelegenheit, in aller Ruhe etwas genauer auf die Objekte zu schauen, also entschied ich mich anhand des Night Sky Observer's Guide für einen weiteren offenen Sternhaufen, NGC7510, der auch auf dem Foto schon sehr vielversprechend aussah. Und wirklich: ein kleiner, recht intensiv heller und pfeilförmiger offener Sternhaufen lacht einem da entgegen, der für jede vergrößerung ein Paar Details bereithält. An der östlich gerichteten Spitze der Sternengruppe blitzt ein besonders heller Stern auf. Bei dem anschließenden Espresso im nur schummrig spechtelbeleuchteten Wohnzimmer beschließe ich, eine Zeichnung anzufertigen und wende mich also nochmal dem Okular zu:

    NGC7510 im 254mm-Newton bei 114x


Der nächste offene Sternhaufen, NGC7419, ist ein kleiner, sehr schwacher, länglicher Sternenhaufen, der am besten bei hoher Vergrößerung zur Geltung kommt, wo bei 152x immerhin schon einige Einzelsterne aufblitzen.
Besonders interessant aber ist das nächste Ziel, der planetarische nebel NGC7354. Mit mehr als 20 Bogensekunden Durchmesser und 12m2 visueller Helligkeit sollte da bei 10" Öffnung locker etwas zu machen sein. Und in der Tat: Bereits bei 44x läßt sich einer der Sterne im Okulargesichtsfeld nicht scharf stellen und kommt bei Einsatz des UHC-Filters noch besser zur Geltung. Ganz klar der planetarische Nebel!  Bis 152x kann man die Vergrößerung hochtreiben, und hier zeigt sich - mit UHC - eine schöne, runde graue Nebelscheibe, ein wirklich lohnenswerter Nebel! Auch hier hab ich wieder zum Zeichenstift gegriffen, das Anhängsel am nebel habe ich visuell so wahrgenommen:

    NGC7354 im 254mm-Newton bei 152x

Ein besonders lohnenswerter offener Sternhaufen wiederum ist NGC7235. Bei 44x erkennt man eine nach Osten hin sich öffnende, fächerförmige Sternenfigur,wie eine Miniaturausgabe des Sternbildes Skorpion mit seinen Scheren. Bei 78x zeigt sich etwa ein Dutzend Sterne vor etwas Hintergrund nebel, der Haufen hat etwa 0,1° Durchmesser. Bei 120x ist der Anblick besonders detailreich, bei 152x hingegen wirkt die Sternengruppe schon wieder so locker, daß der Haufencharakter etwas verlorengeht.
NGC7261 ist ein locker gestreuter Haufen von etwa 0,2° Größe. Bei 120x zähle ich etwa 15 Sterne in Form einer asymmetrischen, nach Norden hin extrem spitz zulaufenden Raute.
NGC7129 ist ein Sternenparallelogramm mit "abgeknicktem Schwanz", im Sternenparallelogramm ist es eindeutig neblig, der Reflexionsnebel NGC7133.

    NGC7129 im 254mm-Newton bei 120x

Zum Abschluß gabs dann noch einen wundervollen planetarischen Nebel: NGC40. Bereits bei 44x ist dieser Nebel auffallend hell, das wäre absolut ein Kandidat auch für kleine Fernrohre und prädestiniert für die nächste Auflage des Karkoschka. Vor allem ist bei 78x ohne UHC deutlich auch der Zentralstern zu sehen, ebenso bei 120x, wo ohne UHC der Zentralstern sehr deutlich ist mit etwas umgebenden Nebel. Mit UHC ist hauptsächlich die rundliche leuchtende Gashülle zu sehen. 176x mit UHC trennt sehr schön den Zentralstern und den umgebenden Nebel - ein Objekt, bei dem man sich eine ganze Zeit lang mit diversen Vergrößerungen und auch dem Bleistift beschäftigen kann:

    NGC40 im 254mm-Newton bei 152x

So ging eine wundervolle und einigermaßen milde Spätsommernacht dem Ende entgegen, mit einigen Highlights wie den drei Galaxien M31, M32 und M110 in der Andromeda oder dem Doppelsternhaufen h + chi im Perseus habe ich dann den Abend ganz ganz genüßlich ausklingen lassen...

Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,

Markus