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Hallo Sternenfreunde,
diesmal möchte ich von einer Mainacht erzählen, der ein so schöner Tag vorausging, daß es wahrlich an der Zeit war, endlich mal wieder Lord Rosse, den äquatorial montierten 10"-Newton zu aktivieren. Schon am zeitigen Abend, während der Grill hochheizte, habe ich das Teil zum Austemperieren im Garten aufgestellt, was meinen Nachbarn Christian zum Einen zu einer staunenden Bemerkung hinriß, ihn zum Anderen für den gesamten Abend die Jalousien zu unserem Garten hin geschlossen halten ließ, und auch keine Außenbeleuchtung zeigte sich...
Nach gegrillten Rindersteaks und Bratwürstln war es dann bereits soweit dunkel, daß ich die Zweiachsensteuerung alignen konnte, was wieder mal auf Anhieb recht gut klappte: Jedes angefahrene Objekt - egal wo am Himmel - war immer gut mittig im Okular zu finden. Eine praktische Sache, grade bei der Galaxienjagd! Die kleine Fiona war schon zeitig im Bett "verstaut" worden, und so waren Bärbel und ich schon mächtig neugierig auf die nächtliche Himmelsreise.
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA (30-fache Vergrößerung)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Dienstag, 02. Mai 2006, 22:00-00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
mäßig
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M51, NGC5195, M104, M64, NGC4565, M100, NGC4312
Kugelsternhaufen:
M3
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
Jupiter
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Nun, während Bärbel zur Stärkung erstmal einen Espresso kochte, habe ich schonmal das erste Objekt eingestellt, da ich es schon kaum erwarten konnte, endlich mal wieder mit dem großen Newton zu beobachten. Der Kugelsternhaufen M3 in den Jagdhunden war das Objekt der Begierde, dieser kleine Wattebausch zeigte sich beim Anfahren am Rande des Gesichtsfeld des 26mm-Superplössl. Also das Ding zentriert, der Steuerung gesagt, daß M3 in Wirklichkeit HIER sitzt, und für den Rest des Abends war die Aufsuchgenauigkeit mehr als gut genug! Nachdem die Dämmerung schon tief über den Garten hereingebrochen war, und M3 bereits im 26mm-Okular verheissungsvoll leuchtete, wollte ich mal den Panoramaeffekt testen und hab mein 2" TS WA mit 38mm Brennweite in den Okularauszug gehievt. 70° Eigengesichtsfeld bei nur 30-facher Vergrößerung sind natürlich eine tolle Sache. Bei meinem 102/500er Refraktor mit f/5 ist dieses Okular zum Rand hin absolut unbrauchbar, umso erstaunter war ich, daß am 10" Newton mit f/4,5 der Effekt der Randunschärfe deutlich gemäßigter ist, nd man das Okular für den Panoramablick sogar brauchen kann. Ursprünglich angeschafft hatte ich das Okular als Übersichtsokular für meinen 6" f/8-Refraktor. Wunderschön also schwebt M3 im weiten Weltraum im Zentrum einer Dreiergruppe von Sternen. Bereits bei dieser niedrigen Vergrößerung wirkt M3 leicht grieselig, so als wolle er uns auffordern: "erforscht mich doch ein wenig genauer!" Natürlich ließen wir uns das nicht zweimal sagen, über 18mm, 14,5mm 10mm bis hin zum 7,5mm Okular werrden immer mehr Einzelsterne im Zentrum sichtbar. "Links unten" erkennt Bärbel eine gebogene Sternenkette zu einem etwas helleren Nachbarstern, die so aussieht, als hätte M3 da ein paar Sterne verloren. Im sehr hellen - fast weissen - Zentrum blitzen bei 163x viele einzelne, besonders helle Sterne auf, die der ganzen Szenerie den Anschein geben, als schwebten diese Einzelsterne vor der glitzernden Sternhaufenkugel.
Derart motiviert von einem fast bildfüllenden Kugelsternhaufen in schönster Detailpracht begannen wir dann unsere Galaxientour, die wir mit dem Jagdhundgalaxienpaar M51 und NGC5195 eröffneten. Dank der Steuerung ist das "Aufsuchen" im Zenith kein Problem mit Halsverrenken, ruck zuck erfreuen die beiden einträchtig nebeneinander schwebenden Nebelkerne den Betrachter durch das 26mm Okular. Die Galaxie verträgt Vergrößerungen bis 114x, der Himmel ist nicht so gut, wie er bei uns im Garten sein könnte, ich erkenne - wieder mal links unten - im Halo von M51, abgewandt von der kleineren Nachbargalaxie, einen helleren Klecks im Halo. "Wohl ein Stern", wie Bärbel konstatiert.
Ein weiter Schwenk über den halben Himmel bringt uns zu unserem nächsten Ziel, die Sombrerogalaxie M104 in der Virgo. Diese - wie Bärbel findet - "schnittige" Galaxie macht echt was her, schon im 38er Okular liegt sie stromlinienförmig in ein abwechslungsreiches Sternfeld gebettet. Im selben BIldfeld bilden 3 Sterne eine Reihe, die Bärbel an die Gürtelsterne im Orion erinnert. M104 ist sehr schmal, langgestreckt, mit einer sehr hellen mittigen Ausbeulung, die bei 114x besonders schön im Okular steht. Da der Anblick der Sombrerogalaxie immer wieder faszinierend ist, habe ich mir die Muße genommen, die lauen Temperaturen für eine kleine Skizze zu nutzen.
M104, 114x, 254mm-Newton, f=1140mm
Noch besser war an diesem ruhigen Abend M64 zu sehen! Die Galaxie ist oval, der sehr helle Kern scheint mir aussermittig nach links unten (Nordwesten) versetzt zu sein, so zumindest der Anblick bei 44x. Geht man auf das 18er Speers Waler, so erkennt man etwa nordöstlich des hellen Kerns ein scharf abgegrenztes Dunkelgebiet. Höhere Vergrößerungen bringen nur ein verwascheneres Bild ohne Detailgewinn. Auch hier habe ich mich wieder an einer Zeichnung versucht.
M64, 63x, 254mm-Newton, f=1140mm
Nun, ganz so kaffebohnig wie auf dem Foto ist sie nicht, der Dunkelbereich geht eigentlich nur rechts des hellen Kerns, die Teilung oberhalb des Kerns ist im Dunkeln mit dem Bleistift irgendwie nicht rauszuarbeiten gewesen. Ich muß mir wohl mal ein paar gute Zeichenstifte zulegen.
NGC4565 ist unser nächstes Ziel, es ist eine sehr lange, in etwa N-S gerichtete Nadel. Bei 114x ist E des Zentrums der Galaxie ein Stern zu sehen, das W des Sterns gelegene Galaxienzentrum ist etwas unterhalb (N) der Höhe dieses Sterns besonders deutlich ausgeprägt und zu dem Stern hin wolkig abgeschnitten - das Staubband? Mit wechselnden Vergrößerungen versuche ich, mehr an Details zu erhaschen. Da aber der Bereich rechts des Staubbandes bei keiner Vergrößerung zu sehen ist und die Begrenzung eben nicht wolkig sondern geradlinig ist, wie ein Blick auf ein Foto der Galaxie zeigt, reicht es heute eindeutig nicht für die Sichtung des Staubbandes.
Weiter geht es zu M100, eine große, lichtschwache Galaxie, bei der es schier übertrieben wäre, von Details zu sprechen. Zum Zentrum hin wirkt die Galaxie bestenfalls leicht fleckig. Die südlich gelegene Galaxie NGC4312 kann grenzwertig erkannt werden, daneben befinden sich in paralleler Ausrichtung zwei Sternchen.
Da auch bei mir langsam Müdigkeit aufkommt, gönne ich mir noch einen abschließenden Blick auf Jupiter, bei dem man feststellen muß, daß die Wolkenbänder und der große rote Fleck verdammt blaß geworden sind.
Einige Tage später habe ich mit dem 6"-Refraktor bei mittelmäßigem Seeing dieses Bild von Jupiter hingekriegt, zwar leider nicht berauschend, aber man erkennt immerhin was...
Jupiter, 152mm-f/8-Refraktor mit Chromacorr II. ToUCam 2, 800 frames mit Giotto gestacked
Es war mal wieder eine herrliche Nacht unter freiem Sternenhimmel, bei den vielen Wolken der letzten Monate wieder eine reine Wohltat. Und komisch: man kommt zwar spät, aber glücklich und erfült ins Bett und ist am nächsten Tag munterer und besser drauf als normal.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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