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Hallo Sternenfreunde,
mitte Juli war es derart klar, daß ich die erste Nacht, in der der Mond erst um Mitternacht aufging, sofort nutzte, um die wirklich gigantische Horizontsicht mit null Dunst auszunutzen. Bei uns im Garten war - man stelle sich das vor - sogar der vierte und unterste "Scherenstern" des Skorpion mit bloßem Auge leicht und direkt zu erkennen: r Scorpionis mit einer Helligkeit von 3m9 bei einer Deklination von -29° also grade mal 12° über dem Horizont. Beste Bedingungen also, um mit dem 10"-Newton in den südlichen Bereichen der Sommermilchstraße auf die Deep-Sky-Jagd zu gehen. Auch Bärbel war natürlich gespannt, was es bei derartigen Bedingungen zu entdecken gibt. Hier nun erstmal eine kurze Zusammenfassung aller beobachteten Objekte:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA (30-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
17. Juli 2006, 22:00-00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,7mag
am Horizont ca. 4mag
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M4, NGC6144,M M22, M54, M69, M70
Offene Sternhaufen:
M6, M7, M21
Gasnebel:
M8, M20, M16
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
Jupiter
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Als erstes in der Dämmerung haben wir Jupiter ins Visier genommen, der im 7mm Ortho bei 163x gestochen scharf im Okular stand. Zwischen dem NEB und dem SEB konnte man deutlich drei schräge, bläuliche Verbindungsstrukturen erkennen, nach den Polen hin sind die Hauptbänder leicht ausgefranst, und auch die Polkalotten erscheinen deutlich quergestreift. Auffallend ist, daß die Farben der Wolkenbänder sehr blaß sind, vor ein, zwei, drei Jahren waren diese noch deutlich kräftiger gefärbt. 228-fache Vergrößerung ist für den doch recht tiefen Jupiterstand dann doch zu viel. Erstaunlich doch, wie der relativ kleine Vergrößerungssprung von163x auf 228x doch restliches Seeing deutlich hervortreten läßt.
Nun, so aligne ich schnell die Steuerung und nach dem dies mit maximaler Genauigkeit geklappt hat, stelle ich M4 ein und warte, bis es dunkel genug wird,und sich der Kuglsternhaufen immer deutlicher vom Himmelshinterrund abzeichnet. Die Teleskopsteuerung sagt 22:34 Uhr, M4 ist als blasser Schimmer, bestehend aus scheinbar unzählig vielen Sternen, bereits bei 44x im Okular erahnbar. Im 18er SWA fällt sofort ein Sternenband auf, welches M4 in Nord-Süd-Richtung teilt. Ja, Rho Scorpionis ist mit 3m9 rechts unterhalb Anatres eindeutig zu sehen, und bei solchen Bedingungen wird M4 zu einem der interessantesten Kugelsternhaufen schlechthin! An seinem Südrand bilden 4 Sterne ein auffälliges Parallelogramm. Aufgrund des zentralen Sternenbalkens und des aufgelösten Sternenhalos und der umgebenden Sterne wirkt M4 bei 10" Öffnung und hoher Vergrößerumg im Weitwinkwlokular (7,5mm SWA, 82°) fast wie ein besonders dichter und strukturierter offener Sternhaufen. So flau M4 unter Kleinstadthimmel wirkt, so detailreich erscheint er bei guter Horizonttransparenz unter einem guten ländlichen Himmel. Einfach phantastisch! Wir sind begeistert, es scheint sich hier eine absolut traumhafte und laue Sommersternennacht anzukündigen.
Als nächstes suche ich unmittelbar NW von Anatares den Kugelsternhaufen NGC6144,: der Leitstern westlich von Antares und 2 nördlicher gelegene Sterne bilden eine äquidistante Sternenkette, unmittelbar östlich des nördlichsten Sterns dieser Dreierkette wäre eine Aufhellung erkennbar. In Cartes du ciel kann ich dies so nachvollziehen, so daß ich wohl den schwachen, strukturlosen NGC6144 als ebenfalls gesehen betrachten kann.
M6 ist wunderbar, bei bei 44-facher Vergrößerung nahezu formatfüllend, bestehend aus lauter hellen, blauen Sterne. Etwa 60 weißlichblaue Sterne bilden die Schmetterlingsgestalt, im nördlichen Flügel sitzt ein besonders heller, antares-roter Stern. Den Anblick dieses offenen Sternhaufens kann man nicht beschreiben, man muß M6 echt gesehn haben, vergleichbar den Plejaden, nur eben viel reicher strukturiert.
M7 befindet sich leider noch hinter dem Nachbargiebel, wei er ein paar Grad südlich von M6 liegt, und so entschließen wir uns zu einem Abstecher zu M8, dem Lagunennebel. Er ist bei 44x wunderbar zu sehen, der runde offene Sternhaufen, daneben ein zweigeteilter Gasnebel, der mit UHC einen Wahnsinnskontrast bietet, es zeigt sich nördlich noch ein dritter Nebelkomplex. Der westlich neben der Lagune gelegene Nebellappen zeigt am Südende einen hellen Bereich. Das ganze wirkt wie Lungenflügel mit einer dunklen Wirbelsäule dazwischen.
M21 ist ein schöner kleiner offener Sternhaufen. Im 7,5er bei 152-fach eine L-förmige Struktur aus Sternen, daneben ein kreisrunder Ring - Bärbel findet ihn -typisch Frau - wie einen Smaragdring von 14 Sternen. (4 Sterne von Süden, 6 von Norden, dazwischen ein heller und zwei geisterhafte Leuchtaugen.) Jaja, die Phantasie...
Bei M20 - dem Trifidnebel schlägt nun Bärbels Stunde. Zunächst erkennt man - bei niedriger Vegrößerung und ohne Filter - einen Stern mit etwas Nebel drumrum, wobei der Nebel in Ost-West-Richtung wie abgeschnitten wirkt. Im 18er SWA und im 14,5er Erfle - mit UHC - erkennt Bärbel ganz klar die Dreiteilung, zwei schwarze, große "Adlerschwingen" und ein etwas kleinerer, weniger auffälliger Dunkelbereich, die eine dunkle Schwinge geht genau nach Norden in Richtung zweier Sterne. Der Zentralstern ist wohl ein Doppelstern. Am besten erscheint M20 im 18mm Okular, im 10er ist er zwar größer, aber etwas flauer, wogegen die Dunkelbereiche ob der größeren Abbildung für mich im 10mm SWA besser auszumachen sind.
Weiter geht es zum nächsten Highlight, welches wirklich fast schon unglaublich imposant ist, für mich - bei guten Bedingungen - eigentlich das beeindruckendste Messierobjekt: der Kugelsternhaufen M22. M13 ist da ja eine fade Nummer dagegen. Schon im 18er SWA Sterne, Sterne, Sterne! Je mehr man die Vergrößerung hochzieht, desto deutlicher sieht man, wie unterschiedlich hell die Sterne sind, die sich in M22 versammelt haben. Auf der Westseite läuft von Nord nach Süd ein etwas sternenärmerer Bereich. Dieser Kugelsternhaufen ist wirklich eher mit Omega Centauri denn mit M13 zu vergleichen! Im 7,5er Speers Waler samt 2x Celestron Ultima Barlow (entsprechend 304-facher Vergrößerung!) kann man im Zentrum zwischen den Sternen hindurchschauen. Dieser Kugelsternahufen ist wirklich eines der sehenswertesten Objekte am gesamten Nordhimmel.
M54 ist klein, hell und sehr kompakt. Auch bei 114x und bei 152x ist er nicht auflösbar, nur am Rand etwas ausefranst. M70 ist sehr schwach, recht klein, neben einer geraden Sternenkette. M69 ist etwas größer wie M70, und auch deutlicher zu sehen. Im 18er SWA ist er deutlich als kleiner Globular Cluster erkennbar.
Mittlerweile ist -nach einigen Fehlversuchen, die in den Dachziegeln des Nachbarhauses gelandet sind - auch M7 zwischen zwei Häusern erkennbar. Hier - auf -35° Deklination - ist so ziemlich das Ende in meinem garten erreicht, weiter komme ich nicht nah Süden. Wenn ich bedenke, daß im Garten unserer Wohnung zu vor wegen eines Häuserblocks nach Süden die minimale Deklination -18° war (M41 z.B. ging schon nicht mehr), so ist dies - mit einem Grenzgrößenzuwachs von gut und gerne 0,5m schon ein deutlicher Gewinn. ca. 17 Sterne bilden ein tanzendes H, eine lange, gerade, Nord-Süd gerichtete Sternenkette geht quer durch den Haufen 5 Sterne befinden sich am Ostrand des Clusters.
M16 ist ein offener Sternhaufen in einem zarten Nebelkomplex. Für weitere details sind wir aber beide zu müde, gab es doch vieles und das sehr detailreich zu beobachten.
Während ich alles abbaue und im Gartenhäusl verstaue, lassen wir noch etwas unsere Blicke über den funkelnden Sommerhimmel schweifen. Epsilon Sagittarii (1m8), -35° Deklination) ist da sogar noch freisichtig erkennbar. Es war ein toller Abend, mit sehr sehr vielen Eindrücken. Genau eine Woche später habe ich mit Lord Rosse wieder eine Spechteltour unternommen, und zwar zu einigen planetarischen Nebeln - vor allem im Adler. Aber das ist eine andre Geschichte und die erzähl ich im nächsten Beobachtungsbericht.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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