|
Hallo Sternenfreunde,
eigentlich ließ es sich am Montag, dem 24. Juli, gar nicht so gut an, war es doch ein wenig diesig. Da es aber eine praktisch mondlose Nacht werden sollte - schließlich war es 1 Tag vor Neumond - habe ich doch den Zehnzöller in den Garten gestellt. Sowohl Bärbel als auch ich waren eigentlich recht müde von dem Tag, so daß Bärbel nur beim ersten Objekt dabei war und dann ins Bett ging. Es wurde später aber doch erstaunlich transparent und meine Müdigkeit war dementsprechend schnell verflogen, so daß mir doch noch einige Beobachtungen gelangen, die das Aufschreiben wert sind. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA (30-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
|
Zeitpunkt:
24. Juli 2006, 21:45-23:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5mag
am Horizont ca. 4mag
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
mäßig
|
Doppelsterne:
Epsilon Lyrae, Ny Scorpionis
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
NGC670
Offene Sternhaufen:
M11, NGC6709, NGC6755
Gasnebel:
Planetarische Nebel:
M57, NGC6781, NGC 6772, NGC6804, M27
Sonstiges:
-
|
Das Alignment der Starfindermontierung war in dieser Nacht wirklich perfekt, so daß ich keines der Objekte wirklich suchen mußte. Nun, unser erstes und einziges gemeinsames Ziel diesen Abends war M57; der Ringnebel bedarf zwar nicht der digitalen Teilkreise, war aber gleich ein erster Test für die Qualität des Alignments. Ja, der ovale Ring ist immer wieder faszinierend anzusehen, unmittelbar südöstlich steht ein schwaches Sternchen. Der Nordrand ist eindeutig heller, und zwar auf der Seite, wo auch im Südosten das Sternchen steht, also auf der Ostseite des Nordrandes. Grade bei 152-fach kann man besonders schön die Details in M57 auf sich wirken lassen, werden doch bei längerer Betrachtung immer mehr Helligkeitsunterschiede offensichtlich.
Etwas weiter nördlich in der Leier findet sich der allseits bekannte Doppel- nein Vierfachstern Epsilon Lyrae. Dies ist natürlich für einen Zehnzöller alles andere als eine Herausforderung, auch wenn heute Feuchte in der Luft und das seeing die Sterne etwas aufblasen. Klar getrennt auch schon bei 91-facher Vergrößerung. Spannender wird hier schon n Scorpionis, erstens steht dieser auf fast -20° Deklination und zweitens ist seine schwächere Komponente ein Doppelstern mit 4m4, 5m4 und 1,4" Separation. Und er konnte getrennt werden, wenn auch nur sehr sehr knapp; die hellere Hauptkomponente konnte da mit 2,6" Separation schon deutlicher aufgelöst werden. Wie gesagt, das seeing war alles andere als gut, und in Horizontnähe eher noch bescheidener.
Nach so einem anstrengenden Doppelstern gibt's erstmal ein Tässchen Espresso, und danach geht es wirklich in deep sky Regionen. Die Nacht ist sehr lau, Bärbel hat die Balkontür im Schlafzimmer offen stehen, so daß ich ihr vom Teleskop aus immer wieder mal erzähle, welche Objekte ich grade anfahre. Wie als nächstes den Wildentenhaufen M11. Man sieht eine rautenförmige Anhäufung unzählbarere Sterne, von denen einer besonders hell strahlt; er ist auffallend orange. Im 10er SW zerfällt M11 in Puderzuckereinzelsterne ohne Ende. Das 7,5er SW zaubert auch noch wolkige Hintergrundsterne hervor! Die 3 Speers Waler mit ihren 82° Gesichtsfeld sind von Kontrast, Transmission und Randschärfe absolut geniale Deep-Sky-Okulare.
Weiter geht die Entdeckungstour zu NGC6709 im Adler, einem wunderbaren offenen Sternhaufen: helle Sterne bilden einige im Fünfeck angeordnete Ketten, auf denen sich auch Hintergrundsterne zusammenballen. Die südöstliche Ecke des Fünfecks wird von drei Sternen markiert, von denen einer auffallend orange ist. Bei 114x sind deutlich über 100 Sterne sichtbar: sehr lohnenswert, sicher auch für kleine Fernrohre! Der offene Sternhaufen NGC6755 ist relativ lichtschwach und besteht aus zwei Anhäufungen schwacher, feiner Sterne (18mm SW).
Besonders erstaunt hat mich der Kugelsternhaufen NGC6760. Bereits bei 44x ist er erstaunlich deutlich zu sehen als typischer Kugelsternhaufen, schön zum Zentrum hin konzentriert. Im 18er wird er blasser, keine Anzeichen von Auflösung, Einzelsternen o.ä. Im 14,5er Erfle schwebt er wunderschön im Raum und im 10er und 7,5er SW ist er eindeutig nicht wie zum Beispiel eine Galaxie, sondern ein grieseliger Schwarm Sterne, wenn man denn indirekt draufschaut. Ein zwar schwacher, aber dennoch höchst interesanter Kugelsternhaufen! Da dieser Kugelsternhaufen doch ein paar Details gezeigt hat, wagte ich mich mit NGC6781 an einen flächigen planetarischen Nebel, ebenfalls in Aquila. Es handelt sich um einen grauen, scheibchenförmigen Nebel. Im 14,5er Erfle bei 78-fach mit UHC-Filter ist die südliche Kante des Scheibchen eindeutig besser definiert. Nach Norden hin läuft das Scheibchen eher kontinuierlch sanft in den Weltraum aus. Höhere Vergrößerungen bringen nichts mehr. Ein weiterer planetarischer nebel in Aquila ist NGC6772. Er ist nur mit 44x und UHC bei indirektem Sehen zu erkennen. Sehr schwach, etwas kleiner als NGC6781. Im 18er bei indirektem Sehen leicht tropfenförmig, wirkt nach Westen hin etwas breiter.
NGC6804, ebenfalls ein planetarischer Nebel im Adler, fällt bei 44x mit UHC sofort mittig zwischen zwei Sternchen als leicht fluoreszierendes Nebelscheibchen auf. Auch bei 78x im Erfle noch gut zu sehen, aber es sind kaum Details erkennbar. Ich merke, daß mich die Müdigkeit doch einholt. Einen letzten Blick will ich noch zu M27 riskieren. Im 18er SW wie auf einem Foto! Glühend hell steht der Nebel im Sternenmeer Im 10er mit UHC ist er fast beängstigend groß und hell, zeigt Strukturen, Helligkeitsunterschiede, Sterne im Nebelschleier, einfach wunderbar und kaum mit Worten beschreibbar.
Es ist nun gut für diese Nacht, mit einigen tollen neuen Eindrücken im Kopf baue ich alles ab, verstau es im Gartenhäuschen. 10 Minuten später liege ich - bei offener Balkontür - in einer lauen Nacht ebenfalls im Bett, schaue noch ein wenig zu den Sternen und schlafe glücklich ein...
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
|