|
Hallo Sternenfreunde,
die Herbstnächte in letzter Zeit waren - trotz eines oftmals vorangehenden schönen, klaren und wolkenlosen Tages - meist relativ dunstüberzogen und diesig, so daß zwar alle Sternbildr zu erkennen waren, die Grenzgröße jedoch selten über 4mag anstieg. So nutzte ich am 17. abends den diesmal deutlich weniger dunstigen Himmel, der die Grenzgröße auf etwa 5m2 bis 5m3 ansteigen ließ, für einige herbstliche Beobachtungen. Leider war es eben keine Nacht zur herbstlichen Galaxienjagd., aber immerhin zeigte sich ein abwechslungsreicher Reigen interessanter Objekte:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA (30-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
|
Zeitpunkt:
17. Oktober 2006, 20:45-23:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3mag
Durchsicht:
befriedigend
Seeing:
mäßig
|
Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC672, M33, NGC1023
Kugelsternhaufen:
M15
Offene Sternhaufen:
Collinder 21, NGC1528, NGC1444, NGC957
Gasnebel:
NGC1491
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
-
|
Da derzeit arbeitsmäßig relativ viel auf dem Terminplan steht, wollte ich nur einen kurzen Spechtelabend machen, so von halb neun bis halb elf, elf. Begonen hatte ich damit, die Polhöhe meiner Starfindermontierung mal an die tatsächlichen Gegebenheiten meiner Wiese im Garten anzupassen, und siehe da: das Alignment meiner Zweiachsensteuerung war präziser denn je. Wunderbar. So legte ich frohen Mutes los, erstes Objekt war der hinlänglich bekannte Kugelsternhaufen M15 im Pegasus, den ich in erster Linie zur Überprüfung des alignments benutzte und aufgrund noch nicht optimal dunklen Himmels nur bei 114-fahcer Vergrößerung etwas genauer ansah, wo er sich doch schon deutlich ufzulösen begann.
Mein erstes Ziel sollte aber die Galaxie NGC72 im Sternbild Triangulum sein. (vB:10m9; SB: 13m8) Die umgebende Sternenumgebung konnte ich eindeutig identifizieren, aber Galaxie war keine zu sehen. Nun ja, fast 14mag Flächenhelligkeit bei dem Himmel von nur 5m2... Ein Blick auf M33 bringt die Gewissheit: auch bei M33 ist nur der innerste Kern (0,25° Durchmesser) als schemenhafter runder Nebel grade eben so erkennbar. Ich nehme eine Espresso, vielleicht ists ja in einer Viertelstunde etwas dunkler geworden... Aber nein, auch dann nach längerem Suchen kein Erfolg bezüglich der Galaxie. Allerdings stolpere ich beim Suchen nach NGC672 auf einen schönen offenen Sternhaufen, den ich (leider) anhand des Night Sky Observer's Guide sofort als Collinder 21 identifiziere. Mist! Wieder keinen eigenen Sternhaufen entdeckt! Der Sternhaufen ist sehr charakteristisch geformt, bei 78x zähle ich rund ein Dutzend Sterne, im Wesentlichen in der Anordnung eines großen C. Der südlichste Stern ist am hellsten und orange gefärbt, auch die anderen Mitglieder sind orangefarbenen, kühlere Sterne.
Da ich am Gartenhäuschen unterm Dachüberstand ein Klapptischchen angebaut habe und heute eine dimmbare Rotlichtlampe in den Dachüberstand integriert habe, habe ich versucht, eine Zeichnung zu erstellen. Das ist dabei rausgekommen:
Collinder 21, Newton 254mm/1140mm bei 78x
Nachdem mittlerweile Triangulum höher gestiegen ist, versuche ich nochmals NGC672, aber wieder ohne Erfolg. Der Himmel ist für solch schwache Galaxien heute einfach nicht gut genug.
Zum Trost schwenke ich auf die Galaxie NGC1023, welche immer wieder einen Besuch wert ist. Bei 44x ist die kleine Galaxie schon wunderschön in eine Sternenkette eingebettet zu sehen. Die Galaxie ist im spitzen Winkel zur Achse der ebiden nächsten Sterne der Kette ausgerichtet, etwa 30°. Sie ist lnglich und ist deutlich in Kern und Halo zu trennen. Im 18er SWA ist die Galaxie allerdings immer noch recht klein. Steigert man die Vergrößerung auf 114x, so wird die Helligkeitsabstufung zwischen Galaxienzentrum und den Randausläufern noch deutlicher, bei 152x kann mn mit indirektem Sehen den Halo noch weiter in den Weltraum reichen sehen. Dies ist eine Galaxie, die einfach immer wieder schön ist.
Als nächstes habe ich mir einen Emissionsnebel ausgesucht, nämlich NGC1491. Bei 44x - ohne UHC- ist lediglich um ein singuläres Sternchen ein Schimmer erahnbar, 78x mit UHC erkennt man einen zwar blassen, aber deutlich dreieckig geformten, fächerförmigen Nebel.Das Dreieck öffnet sich nach Westen, wo der Nebel besonders hell wirkt. Reduziert man die Vergrößerung auf 44-fach mit UHC, erscheint der Nebel noch kontrastreicher, das Fächerdreieck scheint leicht gerundete "Ecken" zu haben.
Weiter geht es zu einem offenen Sternhaufen, NGC1528, eine ganz besonders schöne Sternengruppierung: etwa gut 50 Sterne verschiedener Helligkeiten sind auf etwa 1/4 Grad Durchmesser verteilt. Die helleren Sterne bilden eine Art "Gerüst" im Sternengewimmel. Im östlichen Bereich von NGC1528 erkennt man ein in E_W-Richtung liegendes Strichmännchen aus Sterrnen, ähnlich wie die Sock-Figur bei h+chi Persei. Bei 114 fällt auf, daß um und zwischen den helleren Sternen Hintergrundsterne in regelrechten Klumpen angeordnet sind: einer der interessantesten offenen Sternhaufen, die ich kenne. NGC1444 hingegen ist eine unspektakuläre Ansammlung weit auf 1° hingestreuter, schwacher Sternpünktchen, hebt sich eigentlich nicht von der Umgebung ab. NGC957 ist ein kleiner offener Haufen, eingebettet zwischen 2 helleren Sternen, länglich. Die helleren Sterne sind in E-W-Richtung ausgerichtet, direkt nördlich davon etwa 20 schwache Sternchen.
Mir fällt auf, daß es ganz schön frisch geworden ist, außerdem bin ich müde, auch von einem anstrengenden Arbeitstag. Also baue ich meine Sachen ab, lösche meine Astro-Lesebeleuchtung am Gartenhäuschen und gesell mich zu Bärbel ins bereits vorgewärmte Bett. Trotz der nicht optimalen Bedingungen war's wieder eine wundervolle Sternennacht.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
|