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Hallo Sternenfreunde,
vor einer Woche ist unsere zweite Tochter, Antonia, zur Welt gekommen. Dummerweise hats Bärbel dann gleich mit einer Grippe und 40° Fieber voll erwischt, so daß ich - Gott sei Dank hab ich Urlaub - ganztags mit Synchronwickeln von Antonia und Fiona eingespannt war. In den Wickelpausen mußte dann Bärbel mit was Eßbarem versorgt werden, wobei die Zutaten hierzu auch noch besorgt werden wollen... Ach ja, nebenbei noch Fionas Unordnung wegräumen (so ca. 12-15 mal am Tag) und das Haus halbwegs in Schuß halten, nach dem Arzt-Hausbesuch noch was in der Apotheke besorgen... Man könnte es als hasumännischen Mehrfrontenkrieg bezeichnen. Und dabei ein strahlend sonniger Wintertag, eher mild wie kalt und natürlich blieb es sternklar mit Anbruch der Dunkelheit. Eigentlich war ich ja fix und foxy nach diesen Tagen, aber der klare Himmel... Nach Wochen von abwechselndem Vollmond oder Nebel... Fiona war im Bett, Antonia nuckelte selig bei Mamma, also stellte ich den Zehnzöller raus, mit schweren Beinen von der vielen Lauferei der vorangegangenen drei Tage. Beim Alignen der Steuerung dachte ich mir noch: das wird heut nix recht gescheites. Und dann wurdens doch einige Objekte sogar mit Skizzen, da die Nacht minütlich transparenter wurde und mit dem Dunst auch meine Müdigkeit mehr und mehr dahinschwand. Hier also erstmal in Kurzform, was mir so alles vor Spiegel und augen gekommen ist:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
14. Dezember 2006, 20:30-00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
mäßig
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
M37, M36, M38, NGC1907, NGC1664, NGC1857,
Gasnebel:
NGC1931, M42, M43
Planetarische Nebel:
NGC2392, IC2149
Sonstiges:
Saturn, Bolide
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Das erste Objekt des Abends war der offene Sternahufen M37 in Auriga, der bei 44x als schon relativ großer, reicher und dicht gestreuter Sternhaufen ins Auge sticht, lauter neutral weisse, etwa gleich helle Sterne. Im 18er Speers Waler bei 63x eine Pracht, die Sterne so reich an Zahl, daß man mit Zählen gar nicht anzufangen braucht. Mittig in M37 erscheint ein Stern etwas rötlicher als alle anderen, die alle weißlich erscheinen und dieser rötlichere Stern ist auch etwas heller als der Rest der Haufenpopulation. Ein Blick durch das 10er Speers Waler ist gigantisch, hier füllt M37 etwa 40°-50° des 82° messenden Okulargesichtsfeldes aus, ein irrisinniger Anblick. Spätestens jetzt war alle Müdigkeit von mir abgefallen. Im Garten war es eine angenehme Nacht: sehr ruhig, klar, etwas waberiges seeing, nicht zu feucht und trotz klaren Himmels mit 0°C auch nicht sonderlich kalt, da die Luft auch relativ mild war. Kurzum, es waren Bedingungen, bei denen man auch im Winter gerne in den Garten rausgeht.
Natürlich hab ich Bärbel erstmal von M37 erzählt, im Schlafzimmer einen Hallo-Wach-Espresso getrunken, und dann gings gleich wieder raus. Auf dem Weg zum kleinen Gasnebel NGC1931 kommt man erstmal direkt bei M36 vorbei, bei 44x fällt ein kompakter Sternhaufen auf, der sich aus relativ hellen Sternenketten zusammensetzt. Im 18er Speers Waler wird M36 dann so richtig beeindruckend: mehrere schnurgerade Sternenketten kreuzen sich teils schief- teils rechtwinklig, dazwischen schwächere Haufensterne. Ein wundervoller Anblick, den ich versucht habe, zeichnerisch festzuhalten:
M36, Newton 254mm/1140mm bei 63x und 114x
Dann ging es weiter zu NGC1931. Bei 44x sieht man um einen Stern im rechten Schenkel einer V-förmigen Sternenestruktur ein leicht aufgehelltes Nebelfähnchen. Ob er das schon ist? Bei 78x wird es eindeutig, ja es muß der Reflexions- und Emissionsnebel sein. Ein Stern des rechten Schenekles des V ist mit einem fächerförmigen Nebel umgeben:
NGC1931, Newton 254mm/1140mm bei 78x
Ich greif kurz in meine Anoraktasche, hole das 7,5mm Speers Waler raus, da! Mit dem Schlag der Kirchturmuhr 22:00h fliegt ein sehr heller Bolide (so ca. -4mag bestimmt) und fliegt langsam innerhalb von ca. 2 Sekunden von genau der Position von Castor zu Prokyon, wo er lautlos verlischt. Die Nacht wird immer interessanter!
Zufrieden wende ich mich wieder dem 7,5er Okular und NGC1931 zu: Hier zeigen sich drei im Dreieck angeordnete Sterne, umgeben von einem Nebelfächer. Der UHC bringt kaum Detailgewinn; immerhin kann man erkennen, daß die Spitze des Nebelfächers in Richtung der Spitze des oben gezeichneten Sternen-V zeigt. Für eine zeichnerische Darstellung bleiben die Details bei der hohen Vergrößerung leider zu undeutlich. Weiter geht die Reise zum nun nicht mehr weit entfernten offenen Sternhaufen M38. Diesen finde ich besonders interessant, ist er doch ein Mittelding aus M37 und M36: zum einen besteht er aus lauter ähnlich leuchtkräftigen, mittelhellen Sternen - eben wie M3 - zm anderen - und das verbindet ihn mit M36 - sind diese Sterne in auffallenden Ketten angeordnet. Allerdings gilt mein besonderes Interesse heute dem etwa ein halbes Grad südlich stehenden offenen Sternhaufen NGC1907, ein sehr kleiner und dichter offener Haufen. Im 7,5er Speers Waler erkenne ich einen runden Haufenm der durch eine Dunklezone in zwei Hälften geteilt ist, ähnlich einer geöffneten Walnuß. Mit 2x Barlow und dem 7,5er (304-fache Vergrößerung) erkennt man 6 Sterne in der westlichen und 7 in der Östlichen Haufenhälfte. ICh habe versucht, NGC 1907 halbwegs detailliert zu zeichnen:

NGC1907, Newton 254mm/1140mm bei 152x
Die Anwendung solch hoher Vergrößerungen erinnert mich irgendwie an die Beobachtung planetarischer Nebel, dementsprechend schwenke ich mein Teleskop nun zu NGC2392, dem Eskimonebel in den Zwillingen. Bei 152x erkennt man den Zentralstern, umgeben von einem grieseilig grünlichen runden Halo, bei 304x erscheint es so, als sein neben dem Zentralstern noch ein zweites, helles Zentrum neben dem Stern selbst, der Halo ist nicht genau rund, sondern zeigt etwas flachgedrückte Seiten. Der UHC bringt - das mag vielleicht auch an der guten Himmelstransparenz liegen - heute so gut wie keinen Gewinn.
Als besondre Dröhnung - nachdem ich mich bei einem Täßchen Tee im Wintergarten aufgewärmt habe - gönne ich mir den Orionnebel M42. Im 32mm TS WA einfach traumhaft. Vom Schwanz der vogelförmigen Nebelfigur läuft eine Sternenkette weg, durch die der Nebel wie ein Drache an einer Schnur wirkt. Mit 152x und 304x im Zentrum von M42 zu schnorcheln, ist besser wie auf Fotos, wo dieser Bereich meist drastisch überbelichtet ist. Wie in einem Fraktal werden bei hoher Vergrößerung am Rand der Huygensbucht neue, kleine Einbuchtungen sichtbar. Strukturen, hellere Filamente, Dunkelgebiete, alles ist wunderbar in mattgraugrün im Okular zu bewundern. Der Nebelvorhang der Flügel reicht hinunter bis zum "Schwanzende" von M42 - einfach wunderbar!
Durch diese überwältigenden Eindrücke mit neuem Elan versorgt, setz ich mich wieder in den Wintergarten. Von einen Planzenspot drehe ich zu Spechtelabenden immer die Birne raus und einen roten 25W Paulmann Discospot rein - das taucht den Bereich in schwaches, tief rotes Licht, ideal, um im Night Sky Observer's Guide zu blättern. Denn für diese Nacht brauche ich noch Ziele. Mit NGC1664 habe ich auch gleich ein solches gefunden. Der ca. 20' große offene Sternahufen besteht aus relativ schwach leuchtenden Mitgleidern, die ein H mit etwas verbogenen senkrechten Strichen formen. Am Südostende des H steht ein heller Stern. Im 18mm SW erkennt man ihn gut abgehoben vom Hintergrund, wenngleich er aufgrund seiner geringen Konzentration vor allem dadurch auffällt, daß hier schwächere als die durchschnittlich weit verteilten helleren Umgebungssterne ein paar Sternketten bilden. Er wirkt fast wie ein Mini-Herkules mit nach hinten gebogenen Armen. Der nächste offenen Sternhaufen NGC1857 fällt bei 44x zunächst gar nicht auf, ein größeres Dunkelgebiet im Sternfeld beinhaltet zwei hellere Sterne - das war's. Zunächst ist da also eher nix als ein offener Sternhaufen. Im 18er erkennt man aber um die beiden helleren Sterne einige sehr schache Sternketten. Der ostsüdöstliche der beiden Sterne ist orange und steht im Zentrum des Sternhaufens.Alles in allem zähle ich etwa 20-25 der schwächeren Haufensterne.
Ein besonderes Kapitel ist der planetarische Nebel IC2149. Ich dachte, er bildet mit 3 Sternen ein flaches Y, jedoch, je genauer ich nach Details suchte, desto flauer ward das ganze. War ich schon zu müde? Nein! Ganz unmerklich hat sich vom Nordwesthorizont - zunächst durchs Haus nicht sichtbar - eine Nebelschicht herangeschlichen, die nun mittlerweile die Zwillinge und kurz danach auch Orion erreicht hatte, so daß eine wunderbar entspannende Sternennacht zu Ende ging.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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