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Hallo Sternenfreunde,
am Sonntag, dem 3. Februar, haben Bärbel und ich bei wirklich klarem Wetter mal wieder den äquatorial montierten Zehnzollnewton Lord Rosse im Garten aufgestellt, um mal wieder eine schöne und vor allem interessante Sternennacht zu erleben. Mittag bei einem Espresso auf der Terasse im Garten - bei immerhin 12 Plusgraden - haben wir uns schon im Night Sky Observer's Guide eine Liste von Objekten zusammengestellt, die allesamt südlich des Orion liegen und somit nur Ziel einer Nacht sein können, wie sie sich an diesem Tage von der Wetterlage her schon mittags abzuzeichnen begann. Und tatsächlich, die Dämmerung brach praktisch ohne jeglichen Horizontdunst herein, nur bis so etwa 15° über dem Horizont war es - wohl aufgrund Kondensation durch den Temepraturrückgang - doch ein wenig diesiger. Aber immer noch besser als in einer Durchschnittsnacht. Da wir wieder mal alle Objekte sehr genau inspiziert hatten, und auch Skizzen anfertigten, haben wir wie gewohnt nur relativ wenige Objekte besucht, diese aber um so gründlicher. Wo wir überall vorbeigeschaut haben, steht in nachfolgender Tabelle zu lesen:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
3.2.2008 19:30-22:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC1832, NGC1964
Kugelsternhaufen:
M79
Offene Sternhaufen:
NGC2017, IC418, M41, NGC2383, NGC2384, NGC2362
Gasnebel:
M42
Planetarische Nebel:
IC418
Sonstiges:
Saturn
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Das Alignment der Steuerung haben wir als erstes schnell an M42 überprüft, alles 100% OK, und schon gings los zu M79, dem Kugelsternhaufen im Lepus, mit -24,5° Deklination genau in unserem Zielgebiet, das heute deutlich unter dem Himmelsäquator liegt. Bei 44x erkennt man schon einen kleinen, recht blassen, aber doch sehr kugelsternhaufentypischen Nebelfleck. Im 18mm Speers Waler bei 63x fällt er schon deutlich als Kugelsternahufen auf. Er liegt in etwa im Zentrum eines flachen Sternendreiecks. Bei 114x wird der kleine Kulgelsternahufen an den Rändern schon deutlich granulär, in einem Haufendurchmesser fällt nördlich von M79 ein etwas hellerer Einzelstern auf. Im 7,5mm SWA wird auch das Zentrum von M79 schon leicht sprenkelig, der weniger dicht gestreute Randbereich des Haufens erstreckt sich etwa von Zentrum bis 2/3 der Distanz zu dem vorhin genannten Vordergrundstern. Auch Bärbel empfindet das Zentrum dieses Kugelsternahufens deutlich heller als die locker gestreuten Randbereiche.
Als nächstes steht die Galaxie NGC1832 auf dem Programm. Ja, auch Galaxien gibt's in dieser Gegend, wobei NGC1832 mit 11m3 noch zu den helleren Sternenwelten im Lepus gehört (11m3, SB12m5). Sie erscheint direkt westlich eines mittelschwachen Sternchens bei indirektem Sehen als N-S-elongiertes Oval mit einem Achsenverhältnis von etwa 2:3. Vor allem im 18er und 10er SWA erkennbar, bei 44x wegen des helleren Himmelshintergrundes nur erahnbar! Auch Bärbel sieht die Galaxie unabhängig von mir in genau der selben Position und Ausrichtung. Etwa in nord-süd-Richtung gestreckt, am besten bei 114x und bei 78x. Wobei sie im 7,5er SWA (152-fach) sogar am dicksten erscheint, hier kommt die pummelige Ellipsengestalt sogar am besten rüber. Eine interessante Galaxie, aber mit 76,6 Mio. Lichtjahren noch eine eher nahe gelegene Galaxie.
Natürlich hat diese Galaxie unser Interesse an weitern Welteninseln geweckt, und so haben wir uns voll Elan auf NGC1964 gestürzt. (10m7, SB 13m1). Von der Papierform her helligkeitsmäßig ähnlich oder sogar heller wie NGC1832 mußten wir hier aber beide kapitulieren. Von der Galaxie war definitiv und mit keinem Okular was zu sehen. Also haben wir - quasi zur Erholung - ein sehr einfaches Objekt angesteuert, den offenen Sternhaufen NGC2017, eigentlich nur ein Asterismus, bestehend aus 4 hellen blauen Sternen. Bei 44x erkennt man 4 Sterne, steigert man die Vergrößerung auf 114x, so fallen 6 Sterne in recht interessanter Anordnung auf.
NGC2017, 254/1140mm-Newton bei 152x
Weiter geht's zu einem planetarischen Nebel, IC418. Dieser fällt schon bei 44x auf, wenn man schon öfters kleine aber flächenhelle planetarische Nebel beobachtet hat, da er zum Einen nicht ganz so scharf wirkt wie die umgebenden Feldsterne und zum anderen eine doch etwas eigenwillige Farbe hat. Im 14,5er Erfle ist er schon eindeutig als unscharfer, von einem kleinen Nebelpelz umgebener Stern zu erkennen. Selbst bei 228-facher Vergrößerung ist der planetarsiche Nebel noch brutal hell, ein unscharfer, ausgefranst umrandeter kleiner Blender!
Als nächstes geht es weiter zu einem der bekannteren Highlights am winterlichen Sternhimmel, demm prachtvoleln offenen Sternhaufen M41 südlich von Sirius. Dieser Haufen ist wirklich eine Pracht, Bärbel vergleicht ihn spontan mit h und chi im Perseus. Der mittlerste Stern strahlt auffallend golden. Im 18er SWA - 63-fache Vergrößerung bei 1,3° Gesichtsfeld - tut sich regelrechtes Raumschiff-feeling auf! Man fühlt sich, als würde man inmitten des Sternhaufens schweben. Beide empfinden wir, daß M41 relativ viele glebe und ornage Sterne beherbergt, ein Indiz dafür, daß der offenen Haufen M41 wohl schon eher einer der älteren Sternhaufen ist? Im Internet finde ich die zahl von 240 Millionen Jahren - für einen offenen Sternhaufen doch schon Einiges, im Vergleich z.B. mit den Plejaden, die grad mal 60-80 Mio.Jahre auf dem Buckel haben. Das Licht, das wir heute aus der Galaxie NGC1832 gesehen haben, ist also seit der Entstehung der Plejaden zu uns unterwegs! Wahnsinn, kann ich da nur sagen...
Als nächstes standen die beiden offenen Sternhaufen NGC2383 und NGC2384 auf unserer Beobachtungsliste, ein doppelter offener Sternhaufen. NGC2383 stellt sich als ein flaches, breit gezogenes T an Sternen mit schwacher Hintergrundnebulosität an dichten Sternen dar. NGC 2384 besteht aus einer Sternenkette, welche mit einem weiteren Stern ein rechtwinkliges L bildet. Genau gegenüber diesem rechten Winkle steht ein weiterer, aus 3 Sternen gebildeter rechter Winkel.
NGC2383 (links) und NGC2383 (rechts), 254/1140mm-Newton bei 114x
Als nächstes folgt in Canis major der wundervolle Sternhaufen NGC2362. Ein nach Süden gerichtetes Sternendreieck, das relativ länglich ist, und leicht nach innen gebogene Kanten hat, umrahmt einen hell und gleißend funkelnden, blauen Stern. Ein absolut sehenswerter Sternhaufen und für uns mit das Schönste, was der Winterhimmel zu bieten hat.
NGC2362, 254/1140mm-Newton bei 114x
Langsam begann sich der Beobachtungsabend doch dem Ende zuzuneigen, da es doch anstrenend ist, die Objekte alle so an detail zu studieren. Aber als Abschluß mußte einfach noch M42 begutachtet werden. Nunja, was soll man sagen: der graugrüne Nebel ist einfach überwältigend! Im 18er Speers Waler bei 1,3° Gesichtsfeld (Das Okular hat ein Eigengesichtsfeld von 82°) ziehen sich die Schwingen des Nebels quer über das gesamte Bildfeld! Die Schwingen schließen sich auf der Rückseite des Nebels fast schon wieder. M43 steht ebenfalls ganz deutlich vor dem samtschwarzen Himmel, der gesamte Nebel ist überreich strukturiert, ein sich satt sehen ist fast nicht möglich. Aus einem meiner Fotos habe ich versucht, durch Verkleinern und Schwarz-weiß-Komversion und Kontrastreduzierung in etwa den visuellen Eindruck nachzuarbeiten, den iwir im Zehnzöller hatten.
M42/M43, 254/1140mm-Newton bei 63x
Zum Schluß gab es dann noch Saturn, dessen Ringsystem mittlerweile verdammt eng steht. Vor der Planetenkugel erscheint der Ring nurmehr als ganz fein ziselierter Strich. In Momenten ruhigen Seeings ist auch die Cassiniteilung recht schön zu sehen. Die Farbe der Saturnkugel erscheint mir in den dunkler gebänderten Bereichen nicht mehr so ins olivgrüne changierend wie die letzten Jahre. Vielemehr empfinde ich Saturn als blasser, elfenbeinfarbener als die Jahre zuvor.
Insgesamt war das wieder eine sehr, sehr lohnende Nacht und nachdem wir abgebaut hatten, gab es noch einen kleinen genußvollen Rundumblick in die weite des Alls, einfach nur nochmals das Auge übers glitzernde Firmament schweifen lassen. Und dem Himmel eine gute Nacht wünschen...
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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