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Hallo Sternenfreunde,
wieder einmal wurde es Wochenende, und der Sonntag kündete mit seiner Witterung schon sehr vom Frühling! Am Nachmittag dieses wolkenlosen und fast windstillen Tages kletterte das Thermometer auf runde 18°C! Auf dem Adlersberg, wo wir mittags zu Essen waren, war der Biergarten schon gerammelt voll, der Palmator - ein dunkler Doppelbock - floß in Strömen. (Eine Halbe Palmator gönnte auch ich mir, für die Heimfahrt mußte Bärbel ans Steuer...) Abends blieb es entsprechend klar, und so wagten wir uns an eine kleine Galaxientour durch den großen Wagen. M82 hatte ich drei Wochen zuvor auf der Außensternwarte der Volkssternnwarte Regensburg im dort fest installierten, äquatorial montierten 400mm f/6-Newton bei rund 6mag-Himmel derart plastisch und detailreich gesehen, daß dieser Anblick jedes Foto absolut überflüssig macht! Ich hätte nie gedacht, daß zwischen 10" und 16" nochmals so ein drastischer Unterschied ist! Eben diese M82 wollten wir natürlich gleich zu Beginn dieses Abends im Zehnzöller sehen! Wie immer finden sich alle Beobachtungsziele des Abends in folgender tabellarischer Übersicht:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
3.2.2008 19:30-22:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,2mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M81, M82, M108, NGC3726, NGC3893, NGC3953
Kugelsternhaufen:
M79
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
M97
Sonstiges:
Saturn
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Wie bereits geschrieben, waren wir auf das Galaxienpaar M81/M82 in Ursa Major besonders neugierig. Was würde uns der Zehnzöller im Garten auf 353m ü.N.N. im Vergleich zum am Waldrand in der Außenstermwarte stehenden 16"-Newton auf 685m ü.N.N. zeigen? Als erste Galaxie haben wir M81 in Ursa Major besucht. Sie fällt schon bei 44x im Aufsuchokular als ovale, recht große Galaxie mit sehr, sehr hellem Zentrum auf. An der östlichen Spitze der Galaxienellipse befinden sich zwei Sterne, die etwa einen 135°-Winkel mit der Galaxienlängsachse bilden. Bei 63x erkennt man, daß diese beiden Sterne noch im schwachen Glimmen des äußeren Galaxienhalos stehen. Im 14,5er hat man den Eindruck, daß der äußere Halo auf der anderen, der westlichen Seite der Galaxie sich noch weiter, nahezu bis zu einem auffälligen Stern auf der Längsachse der Galaxie erstreckt. Der äußere Halo dürfte also rund den doppelten Durchmesser des inneren hellen Galaxienkerns betragen.
Kommen wir nun zu M82. Bei 63x ist ein die längliche Galaxie quer zur Längsachse durchschneidendes Duneklband erkennbar. Steigert man die Vergrößerung auf 114x, erkennt man einen auffallend ausgefranst wirkenden Rand der Galaxie und es fällt auf, daß das östlichste Drittel der Galaxie signifikant dunkler als die verbleibenden, westlichen zwei Drittel sind. Und der Vergleich zum 16-Zöller? Nun, die Details an M82 waren hier derart dramatisch zu sehen, daß das mit Schwarzweißfotos der Galaxie durchaus konkurrieren kann! Zwischen 10" unter 5m3-Himmel (wie er an diesem Abend war) und 16" unter geschätzt 5m9-Himmel liegen wahrhaft Welten! Als nächstes folgt M108, eine längliche und schmale Galaxie, die bei 78x und indirektem Sehen einige Helligkeitsknoten mitten in der Galaxie zeigt. Bärbel konstatiert: an jedem Spitz der Galaxie findet sich ein Vordergrundstern. [Für Nichtbayern: Spitz, der (m): das spitzwinklige Ende einer kartografischen Formation] Und nun komme ich zu einer - wie ich finde - doch arg seltsamen Beobachtung: da wir als nächstes Ziel den Eulennebel M97 ansteuern wollen, schraube ich den UHC-Filter ins Okular, steck selbiges wieder in den Okualrauszug und wundere mich, daß M108 praktisch in nahezu unverminderter Deutlichkeit im Okular steht! Normalerweise würgt der UHC ja Kontinuumsstrahler gnadenlos ab. Hier drängt sich mir schier die Frage auf, ob M108 im Bereich von H Alpha und OIII deutlich mehr LIcht emittiert als eine "normale" Durchschnittsgalaxie? Schließlich blendet der UHC normale Galaxien ja richtiggehend weg. Nun ging es aber wirklich weiter zu M97, der ganz schön auffallend im Okular steht und auch ziemlich groß ist. Mit UHC bei 44x ist dieser planetarische Nebel eine ganz, ganz einfache Übung. Ein relativ großer, runder, planetarischer Nebel mit einer aussermittigen runden Dunkelstelle.Direkt nördlich von M97 steht ein Einzelstern. Bei 44x ist der Kontrast des dunklen Flecks höher als bei 78x.
Nach diesem Ausflug ins Reich der eigenen Milchstraße ging es aber wieder weiter mit fremden Galaxien! NGC3726 (10m4, SB 13m6) befindet sich, genau wie die beiden nachfolgend noch beobachteten Galaxien, in der 55Mio-Lichtjahre entfernten Ursa major cloud. NGC3726 ist bei 44x ein blasser, nur bei genauem Hinsehen wahrnehmbare, runder, aber recht großer Galaxienhalo. 1/4 Grad südlich liegt ein Sternendreieck. Bei 78x und indirektem Sehen erscheint die Galaxie als geisterhaftes Glimmen, am N-ende der Galaxie scheint ein Stern zu sitzen. Der Westrand des runden Galaxienhalos scheint marginal kontrastreicher zu sein, hier aber von einem Helligkeitszentrum zu sprechen, wäre übertrieben.
Die nächste Galaxie ist NGC3893 (10m5, SB12m8). Schon von den Helligkeitsdaten müßte sie deutlich besser erkennbar sein. Und in der Tat! Sie ist kleiner, aber etwas heller als die vorher besuchte Welteninsel, und sie sitzt direkt nörlich eines Sterns, der das Ende eines der Äste eines nach Osten geöffneten Y aus Sternen markiert. Sie wirkt sowohl bei 78x als auch bei 114x leicht gemottelt, ein wenig "kurvig", wie Bärbel es empfindet.
Die letzte Station unserer Galaxienreise, bevor der MOnd aufgehen wird, bildet NGC3953. (10m1, SB 13m1) Sie fällt bereits bei 44x als kleine, runde Galaxie auf, wirkt aber wie ein (natürlich unscharfer) Stern aus einer von 2 parallel verlaufenden Sternenketten. Rund? Bei 63x zeigt sich eine Art Helligkeitsbalken, der in etwa 45° zu den beiden parallelen Sternenketten geneigt ist. Auch bei 78x manifestiert sich dieser sprunghaft wechselnde ANblick, ein rndlicher Halo und ein länglicher Helligkeitsbalken. Bärbel bringt's wie immer mal wieder auf den Punkt: manchmal Strich, manchmal Kugel!
Es war mal wieder interessant, an einem solch lauen Spätwinterabend auf Galaxienjagd zu gehen; vor allem die NGC-Galaxien ausserhalb des Standardrepertoires sind wirklich die Mühe wert, etwas detaillierter beobachtet zu werden. Beim Zuklappen des NIght Sky Observer's Guide stoße ich noch auf das Sternbild Bootes und beschließe, meine erste richtige Frühjahrsgalaxiennacht nicht Coma Berenices, Virgo oder dem Löwen zu widmen, sondern im Bootes auf NGC-Pirsch zu gehn!
Da es noch nicht mal 22 Uhr ist, werfe ich einen Blick auf Saturn, ob es sich lohnen würde, noch mit der Webcam einige Videos am Zehnzöller zu drehen. Allerdings ist das seeing derart schlecht (Kein Wunder, bei dem rasanten Temperaturanstieg die letzten zwei Tage), daß ich alles einpacke und den Abend oben in der Bibliothek bei einem Glas irischen Whiskey gemütlich ausklingen lasse.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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