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Hallo Sternenfreunde,
nach wochenlanger sommerlicher Spechtelabstinenz (klare Nächte waren über Wochen kategorisch mit Vollmond verknüpft), ergab sich am 30.8. doch mal eine lohnenswerte Deepsky-Nacht, wenngleich der Himmel mit 5m7 doch hinter den Möglichkeiten zurückblieb, die bei mir im Garten so gehen. Eine Woche später konnte ich mit einem Sternfreund gemeinsam in meinem Garten über die Polsequenz in der Regensburger Dunstglocke bereits 5m8 sicher halten, im Zenith waren es dann so ca. 6m2. Aber diese Nacht war deutlich milchiger, vor allem gegen 23:30 wurde der Himmelshintergrund sogar noch etwas heller, die Grenzgröße ging dann auf geschätzte 5m3 zurück. Die dauernden Gewitter und die damit verbundene hohe Luftfeuchte machen die sich abkühlende Nachtluft nicht unbedingt besonders transparent.
Hier nun erstmal eine kurze Zusammenfassung der Beobachtungsdaten:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
30.08.2008, 22:00-1:00
Visuelle Grenzgröße:
5m7-5m3
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC6703
Kugelsternhaufen:
M15, NGC6934, NGC7006
Offene Sternhaufen:
NGC6791, NGC6940
Gasnebel:
NGC6888, NGC6992, NGC6960
Planetarische Nebel:
M57, NGC6894, M27
Sonstiges:
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Wenn man praktisch 8 Wochen lang nicht mehr beobachtet hat, ist man natürlich ziemlich ausgehungert, und so mußte als Einstieg ein schnell zu findendes, und gut zu beobachtendes Paradeobjekt herhalten: M57, der Ringnebel in der Leier. Der südliche innere Rand des Nebels ist am deutlichsten zu sheen, hier ist das angeregte Gas wohl heller als im übrigen RIng, auch der nördliche Aussenrand ist etwas deutlicher ausgeprägt, so daß der ganze Ring wie ein verdehtes, Möbius'sches Band wirkt. Der südliche AUssenrand hingegen wirkt fast ausgefranst und geht relativ kontinuierlich in den Himmelshintergrund über. Erstaunlich ist, daß diese Details sogar bei gut 300-facher Vergrößerung noch richtig deutlich zu erkennen sind. Ein wunderbarer EInstieg also, der derutlich Lust auf mehr macht. Daher wage ich mich an die beiden Cirrusbögen, NGC6960 und NGC6992, zeigt mit OIII-Filter vor allem im östlich gelegenen Bogen NGC6992 filamentartige STrukturen ohne Ende, wobei die Kombination aus 26mm Superplössl und OIII-Filter aufgrund des Gesichtsfeldes von 1,25° das beste Resultat liefert. Allerdings lassen sich bei 78x im Erfle mit OIII die Filamente von NGC6992 wirklich en detail studieren. Der westliche Bogen wirkt hingegen weniger zerrissen, sonder wie ein kompakter eingefrorener Blitz am Himmel.
Weiter geht die Reise zu einem ringförmigern planetarischen Nebel im Schwan, NGC6894. Dieser blasse, kleine Ring (Kommentar von Bärbel: Meinst Du das graue runde Ding da links von der Mitte im Okular?) ist in dem Sternengewimmel mitten in der Milchstraße relativ leicht zu übersehen, am besten ist er im 10er Speers Waler mit UHC zu sehen, mit OIII-Filter wird das Nebelchen dann schon etwas zu blaß. Am besten jedoch erkennt man NGC6894 im 14,5ere Erfle mit UHC bei 78x: hier zeigt die blaßgraue Scheibe ein deutlich schwärzeres Zentrum: ein ringförmiger Nebel!
Weiter geht es zur eigentlichen Überraschung des Abends: NGC6888. Die Beschreibung im Night Sky Observer's Guide beginnt mit der 12"/14"-Klasse und verheißt dort wirklich nichts gutes. Aber dennoch, ich wage den Schwenk zum Crescent-Nebel. Ich sehe im ersten Ansatz einen elliptischen Nebel, ca 30 Bogenminuten Durchmesser, an einem hellen Stern zeigt sich ein gebogener, besonders heller Nebelfetzen (Auf der Nordseite der Ellipse). Die Südseite des Ellipsoids wirkt von der Nebelmasse breiter, aber nicht so hell, da die Mitte der Ellipse deutlich dunkler erscheint, wirkt das ganze Objekt wie eine große Nebelblase, so meine und Bärbels Wahrnehmung. Das Foto im NSOG hingegen zeigt nur eine sichelförmige Nebelfigur, nämlich den von uns als hellsten Nebelfetzen beschriebenen Nordrand der Blase. Von Gasblase also keine Spur. Haben wir uns getäuscht? Wir vergrößern - mit OIII-Filter auf 78x, hier wirkt der Nebel mit der zentralen Dunkelblase fast turbinen- oder schneckenförmig - es muß eine Gasblase sein. Also haben wir den PC hochgefahren und siehe da, die Fotos, die wir hier von NGC6888 sahen, zeigten ganz klar die blasenförmige Struktur, der schmale helle Rand im Norden, der breitere, weniger helle gegenüber, genau so, wie wir es gesehen hatten! Selten, daß man an einem Objekt visuell einen besseeren Eindruck bekommt als auf so manchen Fotos, fanden sich doch auch im Netz genügend Bilder, die nur den sichelförmigen, hellsten Nebelteil wiedergeben. Erst länger belichtete Aufnahmen zeigten das, was wir auch visuell deutlich sehen konnten! Einbildung durch vorher gesehene Bilder kann ich definitiv ausschließen, da mir der Crescent-Nebel bis dahin nichtmal vom Namen her ein Begriff war. Derartige Erlebnisse ermutigen selbstverständlich, und so wagten wir als nächstes den Versuch, eine Galaxie in der Lyra aufzuspüren. NGC6703 (11m3, SB 13m0) ist zwar die hellste Galaxie in der Leier, aber von den Helligkeitsdaten nicht mehr ganz so einfach. Sie bildet mit zwei auf der einen Seite und einem auf der gegenüberliegenden Seite eine Struktur, die einer leicht gebogenen Vierersternenkette ähnelt, bei der einer der Sterne nicht ganz scharf ist. Es handelt sich um eine recht kleine, runde Galaxie. Auch bei 114x bestätigt sich, daß NGC6703 nicht elongiert ist, sonder ein blasser, kreisrunder Nebelhauch. 109 Millionen Lichtjahre ist diese Galaxie von uns entfernt.
Der offene Sternhaufen NGC6791 hingegen ist ein sehr sehr grenzwertig zu erkennender Hintergrundglow, die Galaxie NGC6703 war eindeutig besser erkennbar! 9m5 Helligkeit auf 15x15 Quadratbogenminuten verteilt ergibt doch nurmehr 15m5 Flächenhelligkeit...
Weiter geht es zu NGC6940, einem ebenfalls offenen Sternhaufen mit etwa 1/3° Durchmesser. Bärbel fällt etwas Nebeliges auf, und tatsächloch wirkt es um die Haufensterne mit OIII-Filter deutlich nebelig, vor allem im Südteil des Sternhaufens. Eine Bildrecherche im Internet zeigte jedoch keinerlei Anzeichen von Gasnebel in NGC6941. Komisch, eigentlich, denn der OIII ist ja doch sehr sehr schmalbandig. Wie dem auch sei, das nächste Highlight wartete schon auf unsrer Liste, der Kugelsternahufen M15. Im 18er Speers Waler zeigt sich ein sehr kompakter Kern, umgeben von locker gestreuten Einzelsternen, doch bei genauem Hinsehen wirkt der Kernbereich bereits bei dieser niedrigen Vergrößerung von 63-fach deutlich klumpig. Im 14,5er Erfle bei 78x läßt sich der Kugelsternhaufen noch näher zum Zentrum hin in Einzelsterne auflösen, dadurch wird der helle kompakte Kern kleiner und man erkennt, daß er etwas azentrisch im Sternhaufen liegt und leicht fächerförmig wirkt. Im 10er Speers Waler bei 114x ist der Sternhaufen bis ins Zentrum aufgelöst wie Puderzucker.
Wir genießen die spätsommerliche Ruhe im nächtlichen Garten, das Band der Milchstraße zieht sich zweigeteilt hoch über unseren Köpfen quer durch den Zenith. Kein Laut ist zu vernehmen, nur ein Igel schnaubt und scharrt ab und an im Gebüsch. Ein kleiner, starker, schwarzer Espresso gibt uns ein bißchen Wärme und Energie, die Nacht ist zu solch vorgerückter Jahreszeit zwar erstaunlich mild, aber doch schon deutlich kühler als im Hochsommer, auch wenn noch immer das Konzert der Grillen zu vernehmen ist. Vega, mittlerweile schon über ihren Kulminationspunkt hinaus läßt einen immer schmerzlich erahnen, daß der Sommer nun endgültig Abschied nimmt, die im Nordosten stehenden Plejaden bestärken dieses Gefühl.
Wieder am Teleskop statten wir dem Hantelnebel M27 einen Besuch ab, grade mit dem OIII-Filter wird sehr deutlich, daß der Nebel quer zu seinem Hantelförmigen Barren sehr deutliche "Ohren" zeuigt und damit breiter ist wie hoch. Und noch eines wird mir bewußt: Seit einem Jahr habe ich M27 nicht mehr beobachtet, von den Gasnebeln im Schützen oder den tollen Sternhaufen im Skorpion ganz zu schweigen. Irgendwie ging dieser Sommer vorbei, ohne daß es so richtig klare Nächte mit guter Gelegenheit für vernünftige Beobachtungen gab. Meist reichte es nur für ein paar spontane Planetenfotos. Umso entspannender und bereichernder ist es nun, endlich mal wieder ohne Frameraten, Belichtungszeiten, Laptop und Kamera einfach nur mit dem Auge auf Reise in die Weiten des Alls zu gehen.
Im Delphin gibt es mit g Delphini nicht nur einen der schönsten Doppelsterne am Himmel zu sehen, dessen eine Komponente ein grünlich leuchtender Stern ist, auch einige schöne Deep Sky - Ziele hat der Delphin zu bieten. Da wäre zum Einen der planetarische Nebel NGC6905 zu nennen, der im 10er Speers mit OIII als graue Scheibe direkt südlich eines Sternchens zu sehen ist. Bei 152x mit UHC bietet sich einem das Bild zweier unterschiedlich heller, nicht ganz zentrisch übereinander gelegter Nebelschalen. Zum Anderen bietet der Delphin auch Kugelsternhaufen, zum Beispiel NGC6934, ein heller, ebenmäßiger kleiner Kugelsternhaufen, der mich spontan an M79 im Lepus erinnert. Im 10er Speers bei 114x wird bei indirektem Sehen bereits der Randbereich grieselig. Bei 304x, im 7,5er Speers Waler mit Barlowlinse, ist der Kugelsternhaufen durchgesprenkelt bis ins Zentrum, der Südost-Rand des Sternhaufens wirkt etwas abgeflacht. Auch NGC7006 bietet eindeutig das Bild eines Kugelsternhaufens, aber nur mittelhell und nicht mehr auflösbar. Auch bei 152-facher Vergrößerung wirkt der dreieckige Kugelsternahufen lediglihc leicht unruhig, aber noch nicht körnig oder grieselig.
Da sich leider im Laufe der Nacht der Himmelshintergrund etwas aufgehellt hat (durch die nAbkühlung kam es wohl zu hohen Dunstschichten), hat meine abschließende Suche nach der ein oder anderen Galaxie im Delphin leider nicht mehr zum Erfolg geführt. Trotzdem war dieser Beobachtungsabend mal wieder wundervoll und eine würdige Entschädigung dafür, daß es in diesem Sommer eindeutig zu wenig Chancen für einen Blick zu den Sternen gegeben hat.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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