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Hallo Sternenfreunde,
wie in unseren Breiten üblich, beginnt dieser Bericht nicht märchenhaft mit den Worten "Es war einmal" sondern ganz realistisch mit der Feststellung, daß die letzte vernünftig brauchbare visuelle Beobachtungsmöglichkeit schon wieder eine zweistellige Zahl an langen, wolkigen Wochen zurückliegt. Tags zuvor hatte mich Norbert besucht, um mit mir ein wenig Galaxien zu beobachten, doch nach einer Stunde Beobachtung (19:30-20:30) hauptsächlich an M42, aber auch M35 und NGC2158, als der Löwe hoch genug war, reichte es grade noch für eine Schnellsichtung des Leotripletts (die Detailfülle wäre überwältigend gewesen). Wäre deshalb, weil nun, bis wir gegen 23 Uhr frustriert abbauten, dicke Wolken durchzogen, die nichtmal den Blick auf Saturn freigaben.
Der Samstag aber zeigte isch insbesondere nachmittags von seiner allerbesten Seite, kein Wölkchen war am Himmel zu sehen, so daß ich gemütlich in der schon warmen Nachmittagssonne (in einer windstillen Ecke des Gartens) die Rutschkupplung meiner SF1 neu justierte. Wenn die MOntierung nun eh schon im Garten steht, habe ich natürlich gleich die Steuerelektronik angestöpselt, das Gegengewicht dran und den 10"-Tubus drauf, den ich nächtens zuvor mit Norberts formidablen Mattscheibenlaser perfekt kollimiert hatte. Die Kids tollten derweil mit Bärbel am direkt ans Grundstück angrenzenden Spielplatz rum, so daß ich für Montierungsjustage und Teleskopaufbau direkt mal all Ruhe der Welt hatte. Sowas steigert natürlich die Vorfreude, und die konnte sich im Laufe dieser Nacht in ungebremsten Beobachtungsgenuß verwandeln! Der immer wieder auffrischende Wind bließ die Atmosphäre schön sauber, so daß ich auf eine für meinen Garten in guten Nächten typische Grenzgröße von ca. 6mag bis 6mag2 komme; am heutigen Abend waren es wohl 6mag, nachts zuvor wären es - bevor die Wolken kamen - einen guten Tick über 6m gewesen, also etwa 6m2.
So, hier nun eine Kurzübersicht der Beobachtungsnacht:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular:-
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Zeitpunkt:
21.03.2009, 20:00-23:30
Visuelle Grenzgröße:
6m0
Durchsicht:
sehr gut - gut
Seeing:
unruhig, mit hochfrequentem Flirren
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M65, M66, NGC3628, NGC3489, NGC3521, NGC3640, NGC3641, NGC3630, NGC3193, NGC3190, NGC3187, NGC3185, NGC3226, NGC3227, M95
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
Saturn
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Begonnen hat alles mit einem ALignment, welches nicht gerade besonders gut war, ich hatt wohl im ersten Schritt Polaris nicht sauber erwischt. Beim zweiten Versuch war es zwar etwas besser, aber nicht perfekt, wahrscheinlich stand die Polachse nicht perfekt nach Norden, aber ich hatte nur ein kleinräumiges Programm in Leo vor und nach Resynchronisation der Steuerung auf M66, welche gleich auch das Einstiegsobjekt war, war das Alignmentproblem in dieser Nacht keines mehr. M66 also, war bei 63x im 18er Speers Waler etwas kompakter, M65 hingegen ist die länglicher gestreckte Galaxie. NGC3628 ist ein länglicher, schemenhafter Nebel, etwa doppelt so lang wie M65. Um den recht hellen Kern von M66 ist noch ein ovaler Halo zu sehen, der das rundlichere helle Galaxienzentrum umgibt. Weitere Aufmerksamkeit habe ich dem Leotriplett diesmla nicht geschenkt, da ich abseits ausgetretener Pfade durch den Löwen ziehen wollte. Mit NGC3489 (10m3, SB12m2) hatte ich dann gleich die erste Galaxie vor dem Spiegel, mit der ich auch Bärbel vom Klavier weg in den Garten locken konnte. Mit einer Radialgeschwindigkeit von 677km/s ergibt sich eine relativ geringe Distanz von lediglich 30Mio. Lichtjahren. Die Galaxie ist klein, aber erstaunlich hell und liegt unterhalb des Schwerpunkts eines gleichseitigen Sternendreiecks, welches bei 63x einen Großteil des Bildfeldes füllt. Bei 114x wirkt der Galaxienkern fast unregelmäßig gesprenkelt, wie ein Häufchen Einzelsterne. Im 7,5er SWA bei 152x sieht man unweit SW der Galaxie ein kleines Sternchen aufblitzen, welches 13mag4 Helligkeit hat. Um den Galaxienkern erkennt man bei dieser hohen Vergrößerung den in etwa 1:3 elongierten, in Ost-West-Richtung verlaufenden schwachen Schein des Galaxienhalos. Bärbels Kommentar: länglich, wie ein liegendes Osterei... Trotz des immer wieder frischen Windes, durch den es recht kalt wirkte, habe ich mich zu einer Skizze dieser doch sehr detailreichen Galaxie hinreissen lassen:

NGC3489, 254/1140mm-Newton bei 63x
Liegt NGC3489 nur gut 3° westlich des Leotripletts, so findet sich unsere nächste Galaxie, NGC3521 (9m0, SB 13m6) , einige Grad südlich des Leotripletts. 35Mio Lichtjahre ist diese Welteninsel von uns entfernt. Bereits im 26er Superplössl, bei 44x ist diese Galaxie eigentlich schon auffälliger wie beispielsweise M65 oder M66, eine absolute Vorzeigegalaxie. Hein heller Kern ist umgeben von einem 1:3 elongierten, elliptischen Halo, der in etwa Nord-Süd-Richtung gestreckt ist. Steigert man die Vergrößerung auf 114x, erkennt man erst, wie groß die Galaxie tatsächlich ist. Bei 152x, im 7,5er Speers Waler, vor allem bei indirektem Sehen, habe ich den Eindruck, der stellare, sehr helle Nukleus der Galaxie befände sich dezentral ziemlich am Rand des Halos, und zwar an der westlichen Längsseite, an der die Galaxie auch sehr abgeschnitten wirkt. Auch Bärbel findet diese große Galaxie bei 152x am Detailreichsten und bestätigt die assymetrische Lage des Galaxienkerns relativ zum Halo. Auch hier griff ich trotz bereits vom Fokussieren klammer Finger wieder zu den Bleistiften:

NGC3521, 254/1140mm-Newton bei 152x
Vier Grad nordnordöstlich dieser Galaxie befindet sich NGC3640 (10m4, SB13m5), eine kleine, runde, aber ebenfalls sehr gut sichtbare, eher hellere Galaxie. Sie ist relativ klein, daher gibt sie auch bei 114x nicht mehr an Details preis. Im 7,5er erkennt man eine weitere, sehr sehr schwache, runde Galaxie: NGC3641 (13m2, SB 13m2): bildet man eine Linie zu dem nächsten, etwa südl. von NGC3640 stehenden Stern, und läuft von der Galaxie aus 30° gegen diese Gedachte Linie versetzt Richtung SSO, so erkennt man indirekt diesen runden Lichtfleck; er ist von der Galaxie NGC3640 etwa halb so weit entfernt wie oben erwähntes Sternchen. Da NGC3640 55Mio Lichtjahre von uns entfernt ist, NGC3641 aber sogar 77Mio Lichtjahre, handelt es sich aber hier nicht um Galaxien, die in irgendeiner Weise wechselwirken, sie stehen nur auf der annähernd gleichen Sichtlinie.
Mittlerweile war uns aufgrund des leicht böigen, kalten Nordwindes doch schon ziemlich kalt und so legten wir erstmal eine Aufwärmpause im Wohnzimmer ein: bei einer heissen Tasse Tee suchten wir dann ein paar weitere Galaxienkandidaten aus. Warum aber in die Ferne schweifen? Unmittelbar südlich von NGC3640/NGC3641 steht ja noch NGC3630! (11m9, SB 11m9) Die Galaxie ging noch schnell vor der Teepause, sollte sie doch gleich zu finden sein. Und ja, prompt war das Nebelchen im Okular zu bewundern: Sie ist SE-NW elongiert, etwa 1:3 gestreckt und bildet mit 3 nördlich stehenden Sternen eine flache, Ost-West-gespannte Raute.
Während unserer Teepause haben wir dann noch ein richtiges Highlight ausgegraben: eine kleine, wundervolle Gruppe von Galaxien! Im Hals des Löwen gelegen, in etwa 3° nördlich von Algieba, g Leonis, befinden sich die drei relativ auffälligen Galxien NGC3193 (10m9, SB 12m7), NGC3190 (11m2, SB 13m0) und NGC3185 (12m1, SB 12m8). Das schwächste Mitglied dieser Gruppe wäre NGC3187 (13m4, SB 14m9), die wir allerdings nicht sehen konnten. NGC3193 fällt sofort als kleiner, symmetrisch runder, hell leuchtender Wattebausch unmittelbar oberhalb eines Sternchens auf, schräg oberhalb liegt dann die längliche, etwa 2:3 elongierte NGC3190 mit etwas weniger Flächenhelligkeit einen Tick weniger auffällig als NGC3193. NGC3185 hingegen ist deutlich schwächer als ihre beiden Nachbargalaxien, wenngleich vor allem bei indirektem Sehen der erstaunlich große Halo dieser Galaxie auffällt. Ob es wirklich benachbarte Galaxien sind? Eine kurze Recherche ergab folgende Objektdistanzen:
NGC3190 ~57Mio LJ
NGC3193 ~62Mio LJ
NGC3185 ~55Mio LJ
NGC3187 ~69Mio LJ
Alle Galaxien also in einer ähnlichen Entfernung und auch die angulare Distanz von nur 17' zwischen den am weitesten entfernten der 4 Galaxien zeigt, daß quer zur Sichtachse nur 0,3 Mio LJ Versatz zwischen den Galaxien liegen, legt den Schluß nahe, daß es sich hier tatsächlich um eine Galaxiengruppe handelt. Weitere Recherche ergab: Es ist tatsächlich so, es handelt sich um die Galaxiengruppe Hickson 44. Hier noch eine Skizze der drei helleren Galaxien des Quartetts:
Die Galaxiengruppe Hickson 44, 254/1140mm-Newton bei 63x
Nach diesem sehr spannenden Exkurs ging ich nochmals alleine - Bärbel war mittlerweile müde und ins Bett verschwunden - auf die Pirsch, nur 3° südlich dieser Galaxiengruppe stieß ich auf ein wunderschönes Galaxienpaar, nämlich NGC3226 (11m4, SB 13m6) und NGC3227 (10m3, SB 14m1). Erstere ist eine längliche, erdnußartig gebogene Galaxie mit einem hellen, stellaren Kern. Sie berührt mit einem Ende fast die kleine, runde Galaxie NGC3627, die ebenfalls einen sehr hellen Nukelus zeigt. Ein absolut traumhaftes Vorzeigeobjekt! Auch bei 114x ist das Pärchen noch deutlich, auch wenn hier die Form des Halos langsam zu verschwimmen beginnt, daher ist heir die beste Vergrößerung bei 78x im 14,5mm Erfle. Beide Galaxien sind ca. 60 Mio. LJ entfernt und stehen tatsächlich in gegenseitiger Wechselwirkung.
Das Thermometer zeigt -0,5°, doch aufgrund des immer wieder auffrischenden Windes fühlt sich das recht unangenehm kalt an. Trotzdem möchte ich zum Abschluß noch ein Messier-Objekt anfahren, die Balkenspiralgalaxie M95. (9m7, SB 13m5) SIe ist rund, mittelhell und zeigt, wie die anderen Messiergalaxien im Löwen auch, weniger Details als die meisten heute beobachteten NGC-Galaxien in diesem Sternbild. Erstaunlich ist es schon, daß bei 11mag-Funzeln mehr Details erkennbar werden als bei vielen oftmals beobaschteten Messier-Galaxien, die teils über doppelt so hell sind! Es lohnt sich also mehr als man denkt, ausgetretene Pfade zu verlassen und sich in einem kleinen Himmelsareal etwas genauer umzusehen!
Bei 152x wirkt der Kern von M95, der von einem schwachen runden Halo umgeben ist, nicht stellar-punktförmig, sondernrund, aber eindeutig flächig. Nachdem es aber jetzt auch mir zu kalt wurde, und die Augen nach 15 intensiv beobachteten Galaxien dann doch müde werden, ließ auch ich es bei diesem schönen Erlebnissen bewenden und baute gemütlich alles ab.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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