Hallo Sternenfreunde,
dieses Frühjahr meint es gut mit den Galaxienbeobachtern! Nach einer ausgiebigen Nacht in den Jagdhunden, in der man 13mag-Galaxien nur so vom Himmel pflücken konnte, die ich aber nachlässigerweise nicht dokumentiert hatte, wollte ich die folgenden Galaxientouren etwas detaillierter beschreiben, daher wird dieser Bericht wohl etwas länger ausfallen und mit einigem an Zeichnungen illustriert werden. Begonnen hatten wir, Norbert und ich, den Beobachtungsreigen am Donnerstag, den 16. April 2009 bei mir im Garten mit meinem äquatorial montierten 10" f/4.5-Newton samt digitaler Teilkreise, sowie Norberts 10" f/4.8-Newton auf der EQ-6. Beeindruckend schaun sie ja schon aus, die beiden Zehnzollspiegelteleskope auf ihren deutschen Montierungen und beeindruckend war auch mal wieder die Himmelsqualität: ca. 6m0 am Donnerstag, am Sonntag dürften unsere beiden Zehnzöller dann sogar 6m2 vor den Spiegel serviert bekommen haben! Es war darüberhinaus nicht besonders kalt, am Sonntag (Um 3 Uhr Montag morgens zeigte das Aussenthermometer immer noch 12°C!) sogar noch einen Tick milder als am Donnerstag, wo das Thermometer doch auf +7°C gefallen war. Auch der tagsüber recht steife Ostwind ließ mit einsetzender Dämmerung immer mehr nach, flaute dann mit einsetzender Dunkelheit komplett ab und erlaubte auch von dieser Seite angenehme Beobachtungsbedingungen. Standesgemäß wurde jede der beiden Beobachtungsnächte mit einem starken Espresso begonnen, bevor es dann in medias res gehen sollte. Bevor ich mit meinem Bericht nun ebenfalls in medias res gehen werde, zunächst - wie gewohnt - eine tabellarische Zusammenfassung:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular:
TS 20x80 Triplett
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Zeitpunkt:
16.04.2009, 22:00-1:00, 19.04.2009 22:00-3:30
Visuelle Grenzgröße:
6m0 - 6m2
Durchsicht:
sehr gut - gut
Seeing:
unruhig, mit teils hochfrequentem Flirren
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M66, M65, NGC3628, NGC3842, NGC3626, NGC3646, NGC3245, NGC3254, NGC5248, M95, NGC3636, NGC3637, NGC3511, M104,
NGC4782, NGC4783, NGC4792, NGC4517, M64, NGC4725, NGC4889, NGC4874, NGC4921, NGC4911, NGC4298, NGC4302, NGC6207, NGC6166
Kugelsternhaufen:
M13
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
Saturn
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1. Donnerstag nachts
Das Leotriplett. M66, M65, NGC3628. Altbewährt, immer wieder schön, und vor allem: ein ideales Objekt, um das Alignment der Teilkreise sowie die Sichtbedingungen zu taxieren. M66 wirkt im 18er Speers bei 63x fast wirbelig, leicht einseitig, wohingegen M65 eher schlank und lang gestreckt, mit ovalem hellen Kern und feinem Halo erscheint. NGC3628 ist erstaunlich groß, ein langer, dunkelgrauer Lichtstreifen, welcher nach Norden hin scharf abgeschnitten ist. Es drängt sich einem der Eindruck auf, die Galaxie sei der länge nach durch ein Dunkelband geteilt. Bei 78x hingegen wirkt die Galaxie schon ein wenig blaß für die Wahrnehmung von Details.
NGC3842 (11m8, SB12m0), Mitglied des Leo-Galaxienhaufens Abell 1367, und damit 290 Mio. Lichtjahre entfernt, ist eine sehr schwache, runde Galaxie mit angedeutet stellarem Kern.
Deutlich näher, nämlich "nur" 70 Millionen Lichtjahre entfernt, ist die Galaxie NGC3626 (11m0, SB 12m5), eine fast runde Galaxie mit hellem Kern, aber kaum Halo. Bei 114x wirkt die Galaxie, als hätte sie einen leicht unruhigen, wie doppelt wirkenden, stellaren Kern. Etwa 3° weiter nördlich befindet sich die Galaxie
NGC3646 (11m1, SB 13m1) mit einer Entfernung von immerhin 187 Mio. LJ. Sie erscheint bei 44x schwach, E-W-elongiert. Bei 78x zeigt sich auch nicht mehr an Detail, hier wird die Galaxie schon fast zu schwach und schwieriger zu beobachten.
Die nächste Galaxie, NGC3245 (10m8, SB 12m5) führt uns in das selten besuchte Sternbild Leo minor, den kleinen Löwen. Es handelt sich um eine längliche Galaxie, die in etwa NNW-SSE elongiert ist mit einem Seitenverhältnis von etwa 1:3. Auch höhere Vergrößerung bringt leider keine weiteren Details zum Vorschein. Mit 58 Mio. LJ Entfernung ist diese Galaxie schon fast in unserer Nachbarschaft, ähnlich weit entfernt wie der Virgohaufen.
NGC3254 (11m7, SB 13m7), ebenfalls im kleinen Löwen, ist eine westlich zweier nah beisammen stehender Sterne zu findende, schwache, längliche, aber relativ große edge-on-Galaxie. Sie ist 60Mio. Lichtjahre entfernt.
NGC3254, 254/1140mm-Newton bei 63x
NGC5248 im Bootes wäre eine relativ helle, ovale, etwa 2:3 elongierte Galaxie gewesen, wäre da nicht eine weisse Wolkenbank durchgezogen, die mehr oder weniger plötzlich die Galaxie aus dem Gesichtsfeld entschwinden ließ.
2. Nächtliches Intermezzo
Was soll's? Wir beschlossen, die Nachführung laufen zu lassen, ein wenig im NSOG zu schmökern und um 00:30 noch einen Nachtabschaltungsespresso zu trinken, um fit zu sein, wenn um eins die Straßenlaternen abgeschaltet werden. Doch - kurz vor eins war es komplett dicht und so bauten wir alles ab, und bis mein Zehnzöller im Gartenhäuschen und Norberts Zehner im Auto verstaut war, war es wieder - aber klar doch - komplett klar! Und die Straßenbeleuchtung aus! Und somit der Himmel planetariumsmäßig glitzernd, schön gewölbt über unseren Köpfen. Zu schade, um aufzuhören. Aber, jetzt wieder aufbauen? Um eins? Nein!
Ich ging also wieder ins Gartenhäuschen, Norbert tappt fragend hinterher. Ich hol zwei Liegestühle und stell sie in den Rasen, vereschwinde kurz drinnen und hol mein neues TS 20x80 Triplett-Bino. Ein Mordsgeschoß, aber wenigstens ein Bino, mit dem man wirklich was sieht! M104 beispielsweise, eine leicht gefundene Beute, eine schöne, fast waagrecht liegende zigarrenförmige Galaxie. Mit einigen Rückfragen gelingt es Norbert, mich zum, "großen T" in der Virgo zu bugsieren, in dem er die beiden Messier-Galaxien M99 und M100 gesehen hatte. Ja, die beiden Galaxien gehn wirklich! Vor allem M99 ist besonders deutlich.
Ein Sprung zu den Jagdhunden zeigt problemlos M51/NGC5195 als doppeltes Nebelfleckchen, und östlich des Mercedessterns im Comasternhaufen Melotte 111 ist die edge-on-Galaxie NGC4565 ebenfalls in Reichweite des Fernglases. M13 haut einem trotz "nur" 80mm Öffnung bei nur 20-facher Vergrößerung richtiggehend von den Socken, so groß ist das Teil. Das beidäugige Sehen macht sich hier wirklich stark bemerkbar.
Da nun auch der Skorpion schon über die Nachbardächer emporsteigt, statte ich auch dem locker gestreuten, wenig dichten, aber großen Kugelsternahufen M4 einen kurzen Besuch ab. Der Liegestuhl ist die ideale Basis für Beobachtungen mit so einem Großfernglas ohne Schrägeinblick und erstaunt hat uns, daß aufgrund des nicht zu hohen Gewichts des Glases freihändige Beobachtungen doch ganz passabel möglich sind.
Mit diesen sehr erfreulichen Eindrücken war diese erste Galaxiennacht nun doch nicht so jäh beendet, wie es die Wolken erst befürchten ließen, und die Wetterprognose und vor allem die unter Tags vorherrschende östliche Windrichtung ließen Hoffnung aufkeimen, daß die nächsten Tage noch was gehen könnte in Richtung Galaxienbeobachtung.
3. Der absolut sternklare Sonntag
Und tatsächlich wurden unsere Hoffnungen nicht enttäuscht. Als Norbert am Sonntag um halb neun eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang bei mir ankam, zeigte sich das Abendrot dunstfrei bis runter zum Horizont, die relative Luftfeuchte und auch der Taupunkt lagen sehr niedrig und es war mit einer wirklich richtig transparenten Nacht zu rechnen, mit einer Nacht, die uns in feinste Galaxiendetails und weit in die Tiefen des Weltalls eintauchen ließ.
Nachdem wir beide Zehnzollnewtons aufgebaut hatten und ich meine Steuerung aligned hatte, konnte auch schon die Beobachtung begonnen werden. Zunächst war Saturn ein gutes Ziel, bis es richtig dunkel wurde. Das seeing war zwa, wie oft bei sehr transparentem Himmel, nicht besonders berauschend, aber einige Bänder waren immer zu sehen, wohingegen die Cassiniteilung nur blickweise möglich war. Trotz der Seeingbedingungen ist es einfach wunderbar, den Ringplaneten bei gut 160-facher Vergrößerung in aller Ruhe etwas genauer zu studieren. Mittlerweile war der Himmel fast schon dunkel genug, um mit M95 (10m0, SB 12m0) die erste Galaxie anzusteuern. Da der Kontrast aber im Teleskop noch zu wünschen übrig ließ, haben wir erstmal drei Espressi aufgesetzt, für Norbert, für mich und für Bärbel, die heute auch mal wieder ein paar Galaxien sehen wollte, nachdem sie Donnerstag abends dem Orgelspiel Üben den Vorzug gegeben hatte.
Nach dem Espresso war es dann wirklich dunkel genug und M95 noch brav im Okular. Bei 44x wirkt sie recht schwach und rund, ein etwas hellerer Kern ist umgeben von einem wirklich hauchzarten Nebelhalo. Auch bei 78x bleibt diese Messiergalaxie relativ blass und zeigt nicht wirklich besonders viele Details. Also mache ich mich auf zu neuen Zielen, im Sternbild Crater, dem Becher, finde ich das Galaxienpärchen NGC3636 (12m4, SB 13m7) und NGC3637 (12m7, SB 13m7). Beide Galaxien sind recht schwach zu sehen, erst ab 114-facher Vergrößerung werden sie dann deutlich sichtbar. Sie bilden mit einem orangefarbigen Stern einen 120°-Winkel. Die obere, südliche der beiden Galaxien ist etwas kleiner und näher an dem Stern, die untere, größere Galaxie ist etwa doppelt so weit von dem Stern entfernt wie ihre Nachbarin. Die obere Galaxie ist nicht perfekt rund, sondern leicht in Richtung des bereits erwähnten Sterns elongiert. 76 nzw. 82 Mio. Lichtjahre sind die beiden von uns entfernt.

NGC3636 (mitte oben) und NGC3637 (mitte unten), 254/1140mm-Newton bei 152x
Bei NGC3511 (11m0, SB12m7), ebenfalls in Crater gelegen, auf -23° Deklination, biß ich mir die Zähne aus. Da ging definitiv nichts. Ist vielleicht das Alignment nicht perfect? SYNC auf M104 zeigt, daß hier alles paßt. Bereits im 18er Speers Waler steht die Galaxie blendend hell im Okular, dementsprechend handelt sich Bärbel mit ihrem Kommentar "faint fuzzy" ziemlich dicke Minuspunkte ein, was darin gipfelt, daß sie nachher zur Strafe wirkliche faint fuzzies serviert bekommt. Aber zurück zur Sombrerogalaxie. Bei 114x wirkt sie im Süden scharf abgeschnitten, bei 152x ist dies noch deutlicher zu sehen. Bei 180x scheint es oberhalb der Galaxie, also südlich der Dunkelstruktur, noch schwach zu glimmen. Diese Glimmen ist etwa so hoch (in N-S-Richtung) wie 30% der sichtbaren Galaxienbreite der Spindel. Das Galaxienpaar NGC4782/4783 (11m7, SB 12m8/11m5, SB 12m6) in Corvus zeigt sich bereits bei 44x im Aufsuchokular als länglicher Nebelknoten! Im 18er Speers bei 63x sieht man zwei runde, sich berührende, mittelhelle Galaxien. Bei 114x im 10er Speers wirkt die untere, also nördlicher stehende Galaxie etwas heller. Aber, was ist da noch im Okular? Sowohl Norbert als auch Bärbel können bestätigen, da ist noch ein sehr schwacher Lichtschimmer, vor allem indirekt zu sehen. Zweifelsfrei handelt es sich um die Galaxie NGC4792. Mit einer Helligkeit von 15m0 und einer Flächenhelligkeit von 13m1 ist diese 199 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie nun wirklich ein faint fuzzy!
Auf Bärbels besonderen Wunsch steuerte ich nun die spindelförmige Galaxie NGC4517 (10m4, SB 13m1)an. Es handelt sich hierbei schon wieder um einen relativ schwachen faint fuzzy, also eine ideale Galaxie für Bärbel. Im Okular zeigt sich, auf den zweiten Blick und vor allem bei indirektem Sehen eine sehr schwache edge-on-Nadel. Bei 63x recht gut, bei 78x fast schon zu lichtschwach, die Galaxie ist in etwa E-W-elongiert.
Als nächstes gibt es mal wieder eine etwas heller Galaxie, nämlich die Blackeye-Galaxie M64. Natürlich ist diese Galaxie schon bei 44x sehr sehr hell. Bei 63x sieht man, daß der sehr helle, fast stellare Kern leicht asymmetrisch nach oben hin versetzt im Galaxienhalo sitzt. Die Dunkelstruktur ist bei 114x, noch besser bei 152x in Richtung des hellen, der Galaxie benachbarten Feldsterns zu sehen. es fehlt eine bohnenförmige Struktur im Halo, wie ausradiert. Natürlich habe ich von dieser Paradegalaxie eine Zeichnung angefertigt:
M64, 254/1140mm-Newton bei 152x
Als nächstes steuern wir die ebenfalls in Coma Berenices gelegene Galaxie NGC4725 (9m4, SB 14m1) an. Bereits bei der Aufsuchvergrößerung von 44-fach sieht man deutlich einen großen, hellen Kern, umgeben von einem schwächeren, elliptischen Halo. Bei 63x blitzt oberhalb des Kerns, rechts im Halo ein Sternchen auf. 114x zeigt keine weiteren Details. Bei 152x erstreckt sich der Halo der NE-SW-elongierten Galaxie fast bis zu einem Stern direkt nördlich der Galaxie. Ein wirklich fantastischer Anblick!
Mittlerweile geht es auf ein Uhr zu, dem Zeitpunkt, wo bei uns die Straßenbeleuchtung abgeschalten wird. Um die kurze Zeitspanne zu überbrücken und etwas auszuruhen, beschließen wir, uns nochmals mit einem Espresso zu dopen; dabei bei Rotlicht im Wintergarten im Night Sky Observer's Guide schmökernd, beschließe ich, die absolut glasklare Nacht mit wirklichem deep sky fortzusetzen, es geht in den Coma Galaxy Cluster, Abell 1656, rund 400 Millionen Lichtjahre weit draußen in den Tiefen des Alls. 400 Millionen Lichtjahre Entfernung, das bedeutet natürlich auch einen Blick 400 Millionen Jahre in die Vergangenheit: ein Blick ins Paläozoikum, als gerade die ersten Lebewesen der Erde begannen, das Land zu erobern. Die Dinosaurier traten erst sehr, sehr viel später auf den Plan. Und in der Tat, man sieht etwas da draussen, und das gar nicht mal zu knapp: NGC4889 (11m5, SB 13m3) ist die hellste Galaxie des Comaclusters und geht bereits bei 44x bei Aufsuchvergrößerung eindeutig zu sehen, sie ist relativ groß und oval. Daneben befindet sich die marginal schwächere Galaxie NGC4874 (11m7, SB 13m4), ebenfalls relativ deutlich erkennbar. Steigert man die Vergrößerung auf 63x, was im 18mm Speers Waler rund 1,25° wahrem Gesichtsfeld entspricht und für den Comacluster recht ideal ist, wird auch NGC4921 (12m2, SB 13m6) als großer, runder Lichtschein im selben Gesichtsfeld erkennbar. Noch ein wenig schwächer, aber immer noch ganz gut zu sehen, ist NGC4911 (12m8, SB 12m8), welche nahe einer von NGC4889 weglaufenden Sternenkette liegt. Diese wahnsinnig interessante Galaxiengruppe bietet sich optimal für eine Zeichnung an, und so kramte ich nachts um halb zwei nochmals die Bleistifte und den Skizzenblock in der Finsternis hervor. Mit hilfe einer schwachen Rotlichtlampe entstand folgende Zeichnung:

Abell 1656, 254/1140mm-Newton bei 152x:
Von links nach rechts: NGC4874, NGC4889, NGC4911, NGC4921
Weiter geht es nun zu den Galaxien NGC4298 (11m3, SB 12m8) und NGC4302 (11m6, SB 13m0). NGC4298 ist ei9ne ovale Galaxie, am besten bei 63-facher Vergrößerung zu sehen, wohingegene NGC4302 im selben Gesichtsfeld nur indirekt zu sehen ist. Da M100 nur etwa ein Grad nördlich steht, schaue ich auch hier noch vorbei. Sie zeigt einen sehr hellen, stellaren Kern, welcher von einem gemottelten Halo umgeben ist, welcher sich auf der Südseite der Galaxie bis hin zu zwei benachbarten Sternen erstreckt. Von einer visuell erkennbaren Spiralstruktur zu sprechen, wäre aber doch stark übertrieben, vielmehr ist die Lichtverteilung im Halo ungleichförmig und etwas unruhig.
Eigentlich wollten wir die Nacht jetzt, um 2 Uhr, so langsam beschließen und uns als Finale noch im Sternenmeer des Kugelsternhaufens M13 baden, doch die unmittelbar nördlich von M13 gelegene Galaxie zog meine Blicke magisch auf sich, die Klarheit und Transparenz dieser Nacht war einfach wie geschaffen für Galaxien. Also wurde M13 nur peripher genossen und schon gings galaxiengierig zu NGC6207 (11m6, SB 12m8). Die längliche Galaxie ist etwa 1:3 elongiert. Bei 152x vermeint man zu sehen, daß der helle, kleine punktförmig leuchtende Kern etwas zum Westrand der Galaxie versetzt ist. Die Galaxie ist übrigens Nord-Süd elongiert, nicht wie im NSOG gezeichnet in Ost-West-Richtung. Zu allerguter Letzt gab es dann noch eine Abell-Galaxiengruppe, den Hercules-Supercluster Abell 2199. DIe hellste Galaxie dieses Haufens ist NGC6166 (11m8, SB 13m1). Trotz 11m8 Helligkeit ist aber die runde Galaxie nur als ganz schwacher Fleck mit indirektem Sehen zu erkennen. Sie befindet sich im Zentrum eines Sternenbogens, der in etwa an Corona Borealis erinnert.
Nun war's halb drei und das Beobachten vieler Galaxien hat doch sehr angestrengt. Aber nach zwei derartigen Nächten baut man sein Equipment gerne ab und erinnert sich mit Freude an das Gesehene.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus