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Hallo Sternenfreunde,
am 5. und am 6. Juni 2010 waren tatsächlich - nach langer Regenphase - mal wieder zwei richtig schön sternklare Nächte! Tatsächlich war die nur ca. 30° über dem Osthorizont stehende Milchstraße mit dem bloßen Auge schon deutlich granulär zu sehen, nach Mitternacht, in etwa 60° Höhe konnte man unsere Galaxis schon als ein Band, bestehend aus abertausenden von Sternen, erkennen! Sogar die Schildwolke hob sich deutlich vom Südosthorizont ab. Im Südosten habe ich die Grenzgröße bis hin zu 6m2 bestimmen können. Schön gemütlich lau waren die beiden Abende auch, den äquatorialen Zehnzöller hatte ich schon in der Dämmerung in aller Ruhe aufgebaut, und das Alignment der digitalen Teilkreise war an beiden Abenden 100%ig perfekt. Hier aber zunächst in tabellarischer Form eine Zusammenfassung der Beobachtungsbedingungen der beiden Abende und der beobachteten Objekte: Ziel war endlich und seit langem geplant eine etwas ausführlichere Tour zu den Kugelsternhaufen des Ophiuchus, also nordöstlich des galaktischen Zentrums bis hin zum Milchstraßenzentrum.
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
13mm Speers Waler von Antares (88-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
3mm Televue Radian (380-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular:
TS 20x80 Triplett
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Zeitpunkt:
04.06.2010 22:45-01:00
05.06.2010 22:45-01:30
Visuelle Grenzgröße:
6m2
Durchsicht:
sehr gut - gut
Seeing:
ruhig
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Doppelsterne:
-
Galaxien: -
Kugelsternhaufen:
M3, M10, M12, NGC6366, M14, NGC6426, M13, M107, M9, NGC6325, NGC6356, NGC6342, NGC6401
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC6309, NGC6369
Sonstiges:
-
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Am Freitag wie gesagt ging es endlich mal wieder astronomisch zur Sache und endlich gab es mal Kugelsternahufen im Ophiuchus. Da ich aber das Alignment der Steuerung über Deneb und Arkturus durchgeführt hatte, führte mich ein erster Abstecher - um das Alignment zu prüfen und ggf. zu optimieren, zum Kugelsternahufen M3. Dieser war sofort gefunden und zeigte sich schön als grieseliger, recht heller Sternahufen, wenngleich der Himmel noch nicht das Maximum hergab. So nutzte ich das Ende der Dämmerung, um den lauen Abend zu genießen und dabei mit dem bloßen Auge den Sommerhimmel zu erkunden. Wahnsinn, wie weit Leo schon wieder jenseits des Kulminationspunktes ist und wie bald Antares schon sein stets nervös flackerndes Licht über den Horizont schickt. Grade, wenn das Wetter nur in Abständen von vielen Wochen ein vernünftiges Beobachten zuläßt, wird einem drastisch bewußt, wie sich doch der Himmel im Jahreslauf verändert - und wie viel vom Sommer eigentlich schon wieder vorüber ist, bevor er überhaupt richtig hat anfangen wollen. Zwei Wochen später schreib ich diesen Bericht zusammen, draußen regnet es in Strömen und die letzten beiden Wochen war's nicht nennenswert besser. Zurück zu M3: er glänzt zwar noch nicht durch maximalen Kontrast, dazu ist der Himmel noch zu hell, mit dem 3mm Radian lassen sich aber Einzelsterne verschiedenster Helligkeiten bis ins Haufenzentrum auflösen. Der gesamte Kuglesternhaufen wirkt in etwa dreieckig. Nun folgt ein Schwenk ins eigentliche Zielgebiet dieses Abends, über 48° in Rektaszension und 33° in Deklination geht es zu M10, und ja, er sitzt sofort exakt mittig im 18er Speers, ein wundervoller, leicht hingezuckerter, problemlos aufzulösender Sternenhaufen. Dieser Kugelsternahufen zeigt so viele Details und ist so vielschichtig strukturiert, daß ich über eine halbe Stunde mit verschiedensten Vergrößerungen versuche, immer mehr Einzelheiten erfassen zu können. Im 13er Speers- 13er Speers? - wo zum Teufel steckt das 13er Speers? Es wird echt Zeit, daß ich mir einen größeren Okularkoffer baue! Im 13er Speers - nachdem ich es doch noch gefunden habe - zeigt sich, daß die Haufenpopulation nach westen hin dichter und somit das Nord-Süd elongierte Haufenzentrum in westl. Richtung heller wird. Eine Sternkette verläßt den Haufen in etwa nordnordwestlicher Richtung. Bei 114x im 10er Speers manifestiert sich dieser Eindruck, gleichzeitig sind aber noch mehr Einzelsterne erkennbar. im 3er Radian zähle ich rund 20 helle Einzelsterne vor granularem Sternhintergrund, diese Vergrößerung ist an M10 aber tendenziell schon zu hoch. Mit dem 18er Speers surfe ich in der unmittelbaren Nachbarschaft zu M12, der etwas blasser wirkt wie M10. Im 13er bei 88x zeigen sich einige sehr helle Sterne, insbesondere im Randbereich des Haufens, der ansonsten bezüglich seiner Sternendichte recht homogen wirkt . Den Kugelsternahufen NGC6366 meine ich erst, nicht lokalisieren zu können, unter dem Winkel einer L-förmigen Sternenfigur, richtungs des kurzen Schenkels könnte man sich eine leichte Aufhellung einbilden. Auch im 14,5er Erfle bestätigt sich diese Beobachtung, zur Sicherheit habe ich eine schnelle Grobskizze in mein Beobachtungsbuch gekritzelt.

Grobe Handskizze zur Verifikation von NGC6366, 254/1140-Newton bei 63x
Anhand Cartes du Ciel konnte ich an genau dieser Stelle wirklich NGC6366 lokalisieren.
Weiter geht die Beobachtungstour mit dem nächsten Messier-Kugelsternhaufen, M14, den man wenigstens wieder vernünftig sehen kann: ein mittelheller globular cluster, bei dem mir auffällt, daß es keine auffälligen Helligkeitsunterschiede in der Sternenpopulation gibt, alle Sterne im Prinzip gleich hell, so, als ob ja keiner auffallen möchte. Mittlerweile schlägt die Kirchturmuhr Mitternacht, der alte Regulator in unserer Bibliothek stimmt ebenfalls seinen mitternächtlichen Stundenschlag an, was sich bei offener Balkontür hier herunten im Garten richtig gut anhört, passen doch die Tonhöhen wie aufeinader abgestimmt nahezu perfekt zueinander und bilden schöne, gebrochene Dreiklänge, die langsam in der Ruhe der Nacht verhallen. Aufzulösen ist M14 auch im 14,5er Erfle nicht und bei 114x ist mit indirektem Sehen bestenfalls eine leichte Grieseligkeit wahrnehmbar. Einen weiteren Cluster aus dem new general catalogue wage ich noch: NGC6426. Im 18er Speers bei 63x grenzwertig erkennbar: N eines Sterns ein Sternrechteck in N_S_Richtung. Mittig dessen westlichen Sternpaares, knapp ausserhalb des Vierecks ist eine Aufhellung. Im 13er Speers ist die Sichtung relativ eindeutig. Allerdings ist eine typische 11mag-Galaxie einfacher zu sehen als dieser NGC-Cluster. Im 10er geht er nurmehr indirekt, aber doch eindeutig! Zum Abschluß des ersten Abends gönne ich mir noch einen Schwenk zu M13, an dem ich verschiedene Vergrößerungen ausprobiere, und vor allem mein neues 3mm Radian: Bei 380x zeigt M13 neben vielen - unzähligen! - Einzelsternen im Zentrum bereits einige klumpenförmige Bereiche, die auffallend Dunkel, ja fast sterneneleer oder zumindest sehr sternarm sind.
Am zweiten Abend, also samstags, waren die Bedingungen dann fast noch besser. Die Milchstraße - nur etwa 30° über dem Osthorizont - spannte sich als deutlich körniges Sternenband über das Firmament bis in den bereits über den Horizont aufsteigenden Skorpion, wo sie in ausgeprägten Wolkenstrukturen hinter den Hausdächern verschwand. Als ertsen Kugelsternahufen setzte ich die am Vorabend begonnene Ophiuchus-Tour mit wieder einem Messier-Haufen fort, M107. Der Kugelsternhaufen ist relativ blaß, wirkt bei 63x fächerförmig. Er steht in der Mitte eiens Sternenkreuzes. Im 13er, bei etwas höherer Vergrößerung scheint es so, als ob sich der Sternenfächer nach Osten hin zu den beiden nächstgelegenen Sternen des Kreuzes öffnen würde. Bei 114x erkennt man, daß sich genau im Zentrum des Sternkreuzes einige hellere Sterne zusammenballen, hier scheint also das Zentrum des Haufens zu liegen. 152-fache Vergrößerung bringt keine weiteren sichtbaren Details zum Vorschein.
Nun wage ich mich zur Abwechslung an einen planetarischen Nebel, NGC6309, den ich etwas eingehender studieren möchte. Im 18mm Speers erscheint er wie ein länglicher, nicht sauber aufgelöster Doppelstern., geht amn auf 114-fache Vergrößerung, erkennt man einen Stern, südlich dessen ein fächerförmiger, kleiner Nebel im Raum steht. Jetzt kommt mein neu
 erworbenes 3mm Radian zu seinem ersten richtigen Einsatz, habe ich es doch zur Beobachtung von Mond, Planeten und planetarischen Nebeln an meinem 254/1140mm-Spiegel gekauft. Bei 380x sieht man einen Stern, südlich dessen ein leicht nach links gebogener Nebelfächer mit asymmetrischer Helligkeitsverteilung zu sehen ist, die rechte Seite etwas heller. Bei genauer, indirekter Beobachtung erkennt man am der oberen, linken Ende des Fächers ebenfalls eine leicht aufgehellte Kante. Mit UHC-Fuilter wird der Nebel noch einen Tick größer, hier bedarf es aber schon enormer Sehanstrengung, um die feinen Details auch wirklich halten zu können. Ohne UHC hingegen sind die Details gut visuell reproduzierbar, was mich zu nebenstehender Skizze animert hat. Es fasziniert mich immer wieder, welch extrem hohe Vergrößerungen an planetarischen Nebeln machbar sind, und welche Details erst mit wirklich hohen Vergrößerungen sichtbar werden! Hier muß ich einem Artikel aus dem Interstellarum Sonderheft über planetarische Nebel voll uns ganz zustimmen. Vorher wäre ich nie auf die Idee gekommen, hier derart hoch zu vergrößern.
Die nebenstehende Zeichnung zeigt NGC6309 am 254/1140mm-Newton bei 380x
Was mir bei diesem Planetary auffällt ist, daß keinerlei Rotationssymmetrie (auch nicht in perspektivisch verzerrter Form, also oval oder torusförmig) erkennbar ist, wie diese sonst normalerweise bei planetarischen Nebeln vorherrschend ist.
Weiter geht die Tour mit einem Kugelsternhaufen aus dem Messierkatalog, nämlich M9. Ein mittelheller, kleiner und recht kompakter Kugelsternhaufen, der bei 63x nicht auflösbar ist. Bei 88x im 13er Speers wirkt der an den Rändern recht zerzauste Wattebausch schon etwas grieselig. Steigert man die Vergrößerung auf 114-fach, so blinken bei indirektem Sehen schon erste, hellere Sternklumpen auf. Noch höhere Vergrößerungen offenbaren hingegen keine weiteren Einzelheiten.
Der benachbarte Kugelsternhaufen ist mal wieder nicht im Messier-Katalog vertreten, es handelt sich um NGC6356. Dieser ist zwar kleiner als M9, erscheint aber trotzdem ein wenig heller und strahlender als sein prominenterer Nachbar. Bei 114x erkennt man, daß der hellere Gesamteindruck nur auf die etwas höhere Flächenhelligkeit zurückgehen mag, auffallende Einzelsterne oder Sternagglomerationen zeigt dieser Globular Cluster jedenfalls nicht. Laut meiner Aufsuchkarte aus Taki's 8.5m Star Atlas befindet sich genau auf der gegenüberliegenden Seite von M9 ein weiterer Kugelsternahufen aus dem NGC, NGC6342. Man merkt hier schon die Nähe zum Zentrum unserer Galaxis, nimmt hier doch die Räumliche Dichte an Kugelsternhaufen enorm zu. Um alle weiteren Globulars in dieser Ecke abzugrasen, wären wohl einige Beobachtungsnächte vonnöten. NGC6342 also ist sehr klein und wenig hell, wirkt aber grieselig und zeigt den typischen Habitus eines weit entfernten Kugelsternhaufens. Im 13er Speers rückt der unmittelbar am Cluster stehende Feldstern etwas von Haufen ab, der Haufen selbst wirkt aber blaß und unaufgelöst. Mit NGC6325 hingegen habe ich einen globular cluster aus dem NGC, der wirklich nicht zu sehen ist. Also wage ich mich an den nächsten planetarischen Nebel: NGC6369. Du meine Güte, ist der im ersten Moment schwach! N eines etwa 0,1° entfernten Sternchens. Hier hilft nur meine Transmissionswunderwaffe, das 14,5er Erfle. Jetzt ist der fleck in der Tat deutlich zu sehen. Mit UHC - oh Wunder - wirkt er wie ein Scheibchen - nein!- eher ein Ring! Kann das sein? Mit dem OIII-Filter bleibt die Helligkeit erhalten und ich habe den selben Eindruck: eine Nebelscheibe mit einem stockdunklen "Punkt" oder Loch in der Mitte, quasi ein dickwandiger Ring. Bei 114x bleibt mit OIII der Eindruck; hinzu kommt, daß der Außenrand des Rings im MW-Segment besonders hell zu sein scheint. Auch 152x mit UHC bestätigt das Gesehene: erstaunlich, bis zu welcher Vergrößerung der planetarische Nebel die Helligkeit hält, zumal er ohne Filter im Übersichtsokular - trotz sehr dunkelm und transparentem himmel - kaum aufgefallen ist. Sogar im 3er Radian ohne Filter zeigt sich die linke untere (NW) Aussenkante des Rings heller. NGC6401 wiederum ist ein Kugelsternhaufen, zwar blass, aber im 18er Speers schon gut zu sehen. Bei 114x fällt östlich versetzt noch im oder direkt am Haufen ein hellerer Einzelstern auf.
Nachdem es mittlerweile halb zwei Uhr ist und schon die zweite Nacht intensiven Beobachtens in Folge, fallen mir fast die Augen zu und ich baue schnell ab und schau, daß ich mich ins warme Bett kuschle...
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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