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Hallo Sternenfreunde,
und schon wieder eine Nacht, wie sie klarer nicht sein könnte. Zwar wird es erst nach elf Uhr so richtig dunkel, dann aber zeigt sich die Milchstrasse nicht nur grieselig, sondern fast schon aufgelöst mit bloßem Auge; Klumpen, Sternverdichtungen, Dunkelbereiche, fast dreidimensional wöbt sich unsrere Heimatgalaxie schier über den Himmel.
Daß eine derartige Nacht - ich schätze die Grenzgröße so auf ca. 6m4 - förmlich danach schreit, daß man etwas exotischere Objekte beobachtet, ist nicht weiter verwunderlich, und so widem ich den sehr milden, lauen Sommerabend unter anderem einigen Galaxien in der Leier. Aber der Reihe nach. Folgende Daten leigen dem Abend zugrunde:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
13mm Speers Waler von Antares (88-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Televue Radian (228-fache Vergrößerung)
3mm Televue Radian (380-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular:
TS 20x80 Triplett
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Zeitpunkt:
27.06.2011 23:00-01:15
Visuelle Grenzgröße:
6m4
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC6703, NGC6702, NGC6745
Kugelsternhaufen:
M71, Palomar 10,
Offene Sternhaufen:
NGC6791
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
M57, NGC6765, NGC6886
Sonstiges:
-
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Nachdem ich um 22:45 die Steuerung aligned hatte, zeigte ein Blick durch das 18mm Speers Waler um M57 zwar noch einen eher mittelgrauen, denn einen schwarzen Himmel, aber immerhin: die Ringform war so klar zu erkennen, als wäre der planetarische Nebel ans Firmament gemalt worden. Das Innere des Rings läßt sich ebenfalls schon als etwas heller ausmachen, als es der umgebende Himmel ist. Besonders schön am Anblick bei 63x: Mit 1,3° Feld kommt die wunderbare Sternenumgebung von M57 so richtig schön zur Geltung, was den Anblick wirklich traumhaft schön macht. Aber natürlich wollte ich viel mehr an Details rauskitzeln, und so ließ ich mir Zeit, genoß den Anblick fünf, zehn, fünfzehn Minuten, genoss es, wie der Himmelshintergrund im Okular langsam aber stetig dunkler wurde und sich der Ring immer besser abzeichnete.
Die nahe Kirchturmuhr schlägt 23 Uhr. Da jetzt auch langsam der nahe bei M57 stehende 12mag-Stern sichtbar wird, wechsle ich mit dem 13er Speers auf die nächst höhere Vergrößerung von 88x. So werden schon erste Helligkeitsunterschiede im Ring des Nebels sichtbar. Ich genieße den Anblick noch eine Zeit lang und wechsle dann in zügiger Folge die Okulare, bis ich letztendlich im 3mm Radian bei 380x schier in Details baden kann: Die Nordseite des Rings ist eindeutig am hellsten, wohingegen auf der Südseite des Rings helle, fast punktförmige Speckles zu sehen sind. Der helle äußere Streifen auf der Nordseite schlägt an der Anse des Nebels, wo sich der Stern befindet, auf die Innenkante des Rings um. Bei indirektem Sehen zeigen sich zwischen den Speckles der Südseite von M57 dunklere, irisartige Filamentstrukturen.
Nach dieser doch sehr beeindruckenden halben Stunde versuche ich mich - in der Lyra bleibend - an dem offenen Sternhaufen NGC6791. Im 18er Speers scheint es sich um eine dreieckig wirkende Ansammlung von sehr schwachen Sternchen zu handeln, die in der an mittelhellen bis hellen Sternen doch sehr reichen Umgebung vorallem dadurch auffällt, daß es sich um sehr schwache Sterne handelt. Im 13er Speers manifestiert sich dieser Eindruck, aber von einem ausgeprägten oder gar sehenswerten Sternhaufen zu sprechen, wäre zumindest für den 10-Zöller und 6m4-Himmel deutlich übertrieben.
Auch mit dem nächsten Objekt habe ich es wohl übertrieben. Der planetarische Nebel NGC6765, mit 38 Bogensekunden nicht gerade groß und mit 12m9 nicht gerade hell, hat sich trotz aller Versuche mit und ohne UHC- oder OIII-Filter standhaft jeglicher visueller Wahrnehmung entzogen. Da werde ich wohl eine ganz genaue Aufsuchkarte ausdrucken müssen.
Weiter geht es in der Leier diesmal mit etwas exotischerem, nämlich Galaxien! Als erstes ziele ich auf NGC6703 (11m3, SB 13m0), die hellste Galaxie in Lyra. Es handelt sich um eine runde Galaxie mit hellem, stellaren kern, die schön gelegen ist in einer leicht gebogenen 3er-Sternenkette. Etwas weiter nördlich fällt mir eine Galaxie auf, die vor allem indirekt ins Auge springt, wenn man sich eigentlich auf NGC6703 konzentriert. Es handelt sich dabei um NGC6702 (12m2, SB 13m2). Sie ist vom Durchmesser her ein wenig größer als 6703, dafür aber deutlich blasser und kommt von daher am besten bei indirektem Sehen rüber. Dies zeigt sich besonders im 10er Speers bei 114x, wo - trotz oder grade wegen - nur indirekter Sichtbarkeit NGC6702 größer als ihre hellere, ebenfalls runde Nachbarin erscheint. Ein stellarer Kern wie bei 6703 ist an 6702 nicht auszumachen.
Eine weitere Galaxie fahre ich noch an: NGC6745. (12m3, SB 12m1). Bei 114x ist die Galaxie recht schwach. Links von ihr 2 Sterne, rechts eine Vierergruppe, die ein Dreieck mit Schwerpunkt andeutet. Dazwischen liegt blass und irgendwie leicht irregulär die längliche Galaxie. Und jetzt kommt die große Überraschung: Bei indirektem Sehen wird die Galaxie richtiggehend groß und nimmt deutliche Gestalt an. Sie erinnert an einen Delphin, welcher aus dem Wasser springt. Da ich mein Zeichenbuch nicht zur Hand hatte, habe ich schnell eine Skizze in die Beobachtungskladde strichliert:
NGC6745, 254/1140mm-Newton bei 114x
Nachträgliche Recherche ergab, daß dieses wechselwirkende Galaxiensystem (Die Delphinschnauze ist wohl der Überrest einer kleineren Galaxie, mit der die Hauptgalaxie mal kollidiert ist) über 200Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Beim Schwanz des Delphins handelt es sich um PGC200362/ PGC200361.
Die Milchstrasse leuchtet förmlich vom Himmel, zerbröselt senkrecht über mir im Zenith schier in einzelne Sterne, so möchte man meinen. Wolken, Klumpen, dunkle Einbuchtungen ziehen sich bis weit gegen den Südhorizont.
Da das Sternbild Sagitta grad so schön halbhoch im Südosten steht, fahre ich ertsmal, um das Alignment auch für diesen Himmelsbereich sicherzustellen, M71 an. Kugelsternhaufen oder open Cluster? Betrachtet man M71 mit 10" im 5mm Radian bei 228-facher Vergößerung, würde man sich vom visuellen Habitus her eindeutig für einen offenen Sternhaufen entscheiden: zu wenig dicht, keine Konzentration zum Zentrum hin, nahezu auflösbar und der Westrand nahezu gradlinig abgeschnitten: so schaut eigentlich kein globular cluster aus.
Der nächste Versuch galt dann dem Kugelsternhaufen Palomar 10. Immer wieder fuhr ich das Zielgebiet an, traf immer die selben Sternmuster, allerdings konnte ich bei keiner Vergrößerung ansatzweise irgendwas wahrnehmen, was einem Sternhaufen entsprochen hätte. Auch keine Aufhellung, nichts. Hier muß ich wohl mal mit einer ganz detaillierten Aufsuchkarte ran.
Zum Schluß versuche ich mich noch an dem planetarischen Nebel NGC6886. Er ist sehr schwer von den beiden Sternen zu unterscheiden, mit denen er ein spitzwinkliges Dreieck bildet. Es ist definitv nicht die Spitze, sondern der nördliche Stern an der Basis des Dreiecks. Im 5er Radian mit OIII ist er immer noch sehr hell zu sehen, allerdings wirkt er nicht wirklich flächig, ist also ein relativ schwieriges Objekt.
Da es mittlerweile 10 nach eins ist und ich müde bin, baue ich ziemlich zügig ab und hole mir meinen wohlverdienten Schlaf, schließlich ist morgen wieder ein anstrengender Arbeitstag.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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