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Hallo Sternenfreunde,
am sonntag, dem 2. Oktober 2011, haben Bärbel und ich - bei wirklich schönstem Spätsommerwetter - mal wieder mit dem Zehnzöller Lord Rosse den Herbsthimmel unsicher gemacht, nachdem ich die letzten Tage kräftig Belichtungszeit in M31 investiert hatte. Schließlich darf neben der Astrofotografie auch der visuelle Genuß nicht zu kurz kommen.
Als Programm hatten wir uns ein paar Galaxien in Pegasus zurechtgesucht und noch das ein oder andere Milchstrassenbobjet zum Einsehen.
Der Abend war mit knappen 20°C für Anfang Oktober extrem mild, nur die Durchsicht war nicht so perfekt, wie es bei uns im Garten sein kann. Das war wohl der starken Tauneigung geschuldet, als auch dem wohl derzeit in der Atmosphäre vorhandenen Saharastaub. Ich denke, besser als so 5m8 wird der Himmel wohl nicht gewesen sein. Schön war's aber trotzdem.
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
38mm TS WA 2" (30-fache Vergrößerung)
32mm TS WA 2" (36-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler von Antares (63-fache Vergrößerung)
13mm Speers Waler von Antares (88-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
6mm Televue Radian (190-fache Vergrößerung)
5mm Televue Radian (228-fache Vergrößerung)
3mm Televue Radian (380-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
5x-Barlowlinse, Televue Powermate
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular:
TS 20x80 Triplett
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Zeitpunkt:
02.10.2011 20:30-22:15
Visuelle Grenzgröße:
5m8
Durchsicht:
gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M31, M32, M101, NGC7479, NGC7743, NGC7814, NGC7331, NGC7332, NGC7339
Kugelsternhaufen:
M15
Offene Sternhaufen:
NGC654
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
M27
Sonstiges:
-
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Begonnen haben wir nach dem Alignment des Teleskops erstmal schön gemütlich am Hantelnebel M27. Es ist immer wieder erstaunlich, wie groß und auch hell dieser planetarische Nebel im Zehnzöller erscheint, und das schon im Übersichtsokular bei 63x. Zieht man die Vergrößerung höher, so lassen sich Stufe für Stufe mehr Details ausmachen, bei mittleren Vergrößerungen so um 100-fach erkennt man schon problemlos die Ohren des Nebels, die die Taille der Hantel seitlich so verbreitern, daß der Nebel eigentlich breiter wie hoch erscheint.
Nach diesem Einstieg gab's erstmal eine schöne, heisse Tasse Espresso, um für den kommenden Abend auch fit genug zu sein, und als nächstes Ziel näherten wir uns eh schon dem Gebiet des Pegasus, in dem wir verstärkt nach Galaxien Ausschau halten wollten, allerdings zunächst zum Kugelsternhaufen M15. Schon im 18er Speers waren - vor allem bei indirektem Sehen - Einzelsterne bis ins Zentrum des Clusters auszumachen. Je höher wir die Vergrößerung wählten, desto mehr konnte man in ein Meer nadelfeiner Sterne eintauchen, was bei einem formatfüllenden Anblick im 3mm Radian gipfelte, was immerhin 380-fache Vergrößerung bedeutete. Vom Seeing her war das zwar schon ein klein bisschen zu viel, aber vom Eindruck her einfach nur gigantisch. So gigantisch, daß Bärbel sich entschied, bevor es zu den Galaxien geht, erstmal noch einen offenen Sternhaufen anzupeilen, den in der aktuellen Interstellarum beschriebenen NGC663. Wie ich am nächsten Tag anhand von Fotos in besagtem Artikel feststellen mußte, hatten wir aber irrtümlicherweise dem Nachbarsternhaufen NGC654 einen Besuch abgestattet: Er steht bei einem hellen, orangefarbenen Stern, und weist im 18er Speers bei 63x gut ein Dutzend eng beieinander stehender Sterne auf. "Wie ein Monster, das einen mit zwei Glühaugen angrinst" konstatierte Bärbel fachmännisch. Bei höheren Vergrößerungen liessen sich noch weitere, feine Sternchen erhaschen, doch mittlerweile war es echt an der Zeit, sich mal um die ferneren Welteninseln zu kümmern...
Da bot sich als erstes M31 mit ihren beiden Nachbargalaxien M32 und M101 an. M31 konnte ich eine Woche zuvor an der Aussensternwarte der Volkssternwarte Regensburg mit einem 80cm (!) - Dobson beobachten, bei dem ich zunächst die schwache Begleiterin M101 für M31 selbst gehalten hatte, bis ich bei einem etwas weiteren Schwenk die Andromedagalaxie selbst blendend hell beobachten und mal ganz bequem die Staubbänder und Dunkelgebiete abfahren konnte. Von alledem ist natürlich mit 10" und 5m8-Himmel nichts zu sehen, nur der helle Kern, ein weit ausladender Halo und die beiden Galaxien M32 deutlich, und M101 als grosser, runder, aber doch etwas blasserer Galaxienfleck.
Die letzten Tage hatte ich aus der Kuppel heraus mit dem 200mm-Teleobjektiv M31 zu fotografieren versucht, was durch Widrigkeiten immer wieder mehr oder weniger schwierig war: Erst mit ISO1600 und 3 Minuten Einzelbelichtungszeit hatte ich nur 8 frames gemacht, viel zu wenig und von der Belichtung etwas zu knapp. Am nächsten Tag ISO800 und 5 Minuten war schon deutlich besser, nur leider wurden von den 28frames ab frame 8 einer nach dem anderen immer matschiger: Tau auf dem Objektiv.
Also in der dritten Nacht 10 Mintuen eingestellt, die Linse alle Stunde mal vorsichtig abgefönt und tatsächlich habe ich 20 frames erhalten: nur hatten diese alle schon einen deutlich sichtbaren Nachführfehler, so daß ich die Bilder nicht wirklich in meiner Deep-Sky-Galerie veröffentlichen wollte. Allerdings, wenn man den Nachführfehler in Photoshop etwas reduziert und das Bild deutlich verkleinert, sieht M31 dann doch halbwegs so aus, wie sie aussehen sollte:
M31, M32, M110, 20x600sec @ ISO 800, Pentax K200D,SMC Pentax DA 1:4-5,6 50-200mm ED @ 200mm f/7.1
Nun ging es aber endgültig in den Pegasus, um hier etwas abseits ausgetretener Pfade weitere Galaxien zu erhaschen. Als erstes war NGC7479 (10m8, SB 13m,4) an der Reihe, welche im 18er Speers gerade eben so zu sehen war, ein länglicher, schwacher Balken, der auf einen benachbarten Stern hinzeigt. Im 13er blitzt auch auf der dem Stern gegenüberliegenden Spitze der Galaxie ein - aber deutlich schwächeres - Sternchen auf. Bei 114x im 10mm Speers kommt zwar der zweite Stern noch deutlicher heraus, die Galaxie selbst zeigt aber keine weiteren Details. Trotzdem Bärbel ablästert, daß es sich ja nur um ein faint fuzzy handele, fahre ich trotzdem die Galaxie NGC7743 (11m5, SB 12m9) an, die von der Papierform her nicht mehr verspricht.
Die Galaxie ist sehr schwach zwischen zwei Sternen zu sehen, im 13er Speers, so auch Bärbels Eindruck, läßt sich die Galaxie zwar einen Tick besser erkennen, bleibt aber trotzdem sehr blaß.
Mittlerweile hat Bärbel im Night Sky Observer's Guide die nächste Galaxie ausgesucht: sie rät mir zu NGC7814, denn bei der sollte man wenigstens was sehen. (10m6, SB 13m4). Obwohl von den Helligkeitsdaten nur unwesentlich heller als NGC7479, gibt NGC7814 deutlich mehr her: ein fingerabdruckgroßer Galaxienkern wird bei indirektem Sehen von einem etwa 1:6 elongierten, schmalen Halo umgeben. Leider bringt das 13er Speers an dieser Stelle keine verbesserung: irgendwie ist der Himmel nicht so richtig dunkelschwarz. Weder das 13er noch das 10er zeigen mehr Details.
NGC7331 (9m5, SB 13m3) zeigt bereits im 18er Speers schon deutliche Helligkeitsmodulationen zwischen Kern und Halo. Allerdings wollte ich versuchen, Stephan's Quintett mal live vor den Spiegel zu bekommen. Allerdings konnte ich von den Galaxien mal wieder nichts sehen: da sieht man ganz deutlich, daß die Herbstnächte an kristallklare Frühlingsnächte einfach nicht rankommen.
Zum Schluß ging es noch zu dem Galaxienpärchen NGC7332 (11m1, SB 13m4) und NGC7339 (12m2, SB 12m9). Die beiden edge-on-Galaxien sind wunderbar zu sehen, NGC7332 recht hell und scharf begrenzt, wohingegen NGC7339 blasser und nur bei indirektem Sehen scharf begrenzt ist. Im 10mm Speers erscheint mir NGC7339 sogar einen Tick länger zu sein als die hellere NGC7332. Eigentlich wollte ich ja eine Skizze machen, mußte aber feststellen, daß ich diese Galaxiengruppe bereits schon mal gezeichnet habe und da mein Eindruck genau dieser Skizze entsprach, stelle ich sie einfach nochmal ein:
NGC7332 (links) und NGC7339 (rechts), 254/1140mm-Newton bei 78x
Da es nun doch schon zehn Uhr durch war, und ich eigentlich - genau wie Bärbel - müde war, checkte ich nurmehr kurz das seeing an Jupiter, welches nicht wirklich berauschend war und verwarf den Gedanken, noch in die Kuppel zu gehen und Jupiterfotos zu machen, zugunsten des verlockend weichen und warmen Betts.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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