|
Zwei frühlingshafte Galaxiennächte mit dem 152mm-Refraktor
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
32mm Clestron Plössl (38-fache Vergrößerung bei 52°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
|
Zeitpunkt:
14.04.2004 22:00-00:00
16:04.2004 21:30-00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,9 mag am 14.4.
ca. 5,0 mag am 16.4.
Durchsicht:
gut
Seeing:
befriedigend
|
Doppelsterne:
Iota Leonis, Alpha Comae Berenices
Galaxien:
M51, NGC5195, M94, NGC4490, NGC4485, M65, M66, NGC3628,
NGC2903, M105, NGC3384, NGC3389, M95, M96, NGC4710, NGC4689, NGC4494, NGC4565
Kugelsternhaufen:
M3, M53, M13
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
Sonstiges:
Jupiter
|
Hallo Sternfreunde,
mittlerweile habe ich meinen neuen Refraktor Segafredo II schon seit Mitte Februar und die meiste Beobachtungszeit habe ich ausschließlich Webcamaufnahmen von Saturn, Jupiter und dem Mond gemacht, mal ausgenommen von einer kurzen Spontanspechtelung Anfang März. Schändlich eigentlich, und somit stand fest: die nächste sternklare Gelegenheit wird mal wieder für vernünftiges Beobachten genutzt! Am 14. April wars dann soweit, und so wurde Segafredo II schon rechtzeitig in aller Ruhe im Garten aufgebaut:
Begonnen zu spechteln haben wir dann nach dem Abendessen und einem Kännchen Tee bei Erreichen der wirklichen Dunkelheit, nachdem zwischen 19 Uhr und 21 Uhr nochmals Wolken durchgezogen waren. Die Grenzgröße dürfte bei etwa 4mag9 gelegen haben, also 0,5 Magnituden schlechter als die besten Nächte bei uns im Garten.
Trotzdem sollte das erste richtige Objekt die Whirlpool-Galaxie M51/NGC5195 sein. Bei 37x sieht man zwei Galaxienkerne mit einem großen (M51) und einem deutlich kleineren Halo, bei 83x schön beide kerne, und, wie Bärbel treffend meint, einen einhüllenden Nebel in Form einer 8. Bei 120x im 10er SW WA wird das Galaxienduo fast schon zu dunkel, wenngleich besonders bei M51 der Halo schon etwas grieselig und unregelmäßig wirkt - vor allem bei indirektem Sehen. Aufgrund der mit 4mag9 doch nur bescheidenen Himmelsqualität geht's gleich schnurstracks zu einer helleren Galaxie - M94. Die steht bei allen Vergrößerungen blendend hell im Okular, schon bei 37x erkennt man den nahezu exakt runden Galaxienkern, der umgeben ist von einem hauchzarten, leicht 2:2,5 elliptisch elongierten Halo, welcher in etwa O-W-gestreckt ist. Am beeindruckendsten wirkt das helle Galaxienkerlchen bei 160x im 7,5er SW WA - der tolle Kontrast des Refraktors modelliert um den jetzt scheibchenförmigen hellen Galaxienkern wunderbar den zarten transparenten Haloschleier - ein schier wunderbarer Anblick, von dem man sich kaum losreissen kann. Die längliche, mittelhelle Galaxie NGC4490 zeigt direkt auf Beta CVn, sie ist bei 37x ein mittelgrauer, länglicher Galaxienkörper. Etwas nordwestlich liegt noch ein kleiner Nebelknoten - NGC4485. Bei 83x sind eindeutig beide Galaxien zu sehen, NGC4485 allerdings recht schwach und eher beim indirekten Sehen, aber eben doch eindeutig zu halten. Bei 120x reichts nicht mehr für NGC4485, und auch die Konturen von NGC4490 sind nicht mehr so gut definiert wie bei 83x.
M65 und M66 sind zwei parallel gerichtete Galaxien, sie sind bereits bei 37x nicht zu übersehen, besser aber bei 83x, die östliche Galaxie ist die hellere von beiden. Ledier ist der Himmel im südlichen Löwen heute recht dunstig, so daß an diesen beiden Galaxien kaum Details zu erkennen sind und auch die dritte im Bunde, NGC3628, geht nur andeutungsweise und schemenhaft.
Also gab es zum Abschluß des ersten Spechtelabends noch einen Kugelsternhaufen, M3 bietet sich da gut an, steht er doch gegen Mitternacht schon gut hoch am Himmel. Ein wahnsinnig heller Bursche, der schon bei 37x in den Randbereichen deutlich sprenkelt. Bei 83x erkennt man schon einzelne Sterne bis ins Zentrum des Haufens, der Rand ist aufgelöst in feinen Puderzucker. Bei 120x werden die hellsten Einzelsterne im Zentrum noch deutlicher sichtbar, bei 160x beginnt ganz eindeutig die Auflösung bis in die Mitte des Haufens, an M3 kann so ein Sechszöller schon gut punkten.
Weiter gings dann am Freitag Abend, wo sich der Himmel ein ganzes Eck besser zeigte, stieg doch die Grenzhelligkeit in manchen Himmelsgegenden bis immerhin 5,2mag an, was für Galaxienbeobachtung schonmal nicht schlecht ist! Bis es aber dunkel wurde, wollte ich erstmal ausgiebig bei Jupiter vorbeischaun, war laut Kosmos Himmelsjahr hier heute doch einiges geboten: Gegen 21 Uhr beginnt ein Europa-Durchgang und tatsächlich, zu Anfang des Spektakels, als der Mond Europa schon mit der Jupiterscheibe verschmolzen war, konnte man Europa selbst noch als silbrige Scheibe vor Jupiter sehen, und zwar an der Innenkante des Äquatorialbandes. Ihm eilt ein ein Jo-Schatten voraus, der deutlich als schwarzer Punkt erkennbar ist. Dank Chromacorr ist das Ganze wunderbar farbrein, nur leider wird das seeing zusehends schlechter und matschiger.
Also gings an diesem über 12° lauen Frühlingsabend auf eine umfassende und wundervolle Galaxientour. Um 21:20 ist es zwar noch nicht so besonders dunkel, trotzdem aber ist NGC2903, die westlichste heute beobachtete Galaxie, schon ganz gut zu erkennen. Sie ist in N-S-Richtung etwa 2:3 gestreckt, ein relativ großer Galaxiennebel. Bei indirektem Sehen scheint zentral ein Stern aufzublitzen, sicher der innerste Kernbereich der Galaxis. Bei 83x erkennt man sehr schön den kompakten hellen Kern und meint, auch Bärbel erwähnt das aufgeregt unabhängig von mir, im Halo eine NS-verlaufende Dunkelstruktur im E und im W des Halos zu erkennen. Ob es sich hier um den Ansatz von Spiraligkeit handelt?
Nun gings weiter zu M105. Aber bereits im 32er Okular finde ich zwei Galaxien, eine südwestlich und eine etwas schwächere nordöstlich, beide erscheinen sie zunächst rund. Bei 83x erkennt man, daß die zweite, etwas schwächere Galaxie, es handelt sich um NGC3384, leicht länglich ist, M105 dagegen rund. Bei indirektem Sehen kommt eindeutig noch eine dritte Galaxie dazu, die von der Längsachse her direkt auf M105 hinzeigt - NGC3389. Bei dieser handelt sich um eine Galaxie mit lediglich 12mag Helligkeit und 13mag Flächenhelligkeit. Sie bildet mit drei benachbarten, in einer Linie stehenden Sternen ein flaches T. Ach was, viel besser ist es, ich zeichne meinen Eindruck im 14,5er Erfle:
M105 (links unten), NGC3384 (oben ) und die 12m-Galaxie NGC3389 (rechts) im 152mm-Refraktor bei 83x.
Für dieses denkwürdige Beobachtungsereignis mußte als Belohnung natürlich erstmal eine große Kanne schwarzer Tee gebrüht werden, bevor es dann zu profaneren Galaxien ging - Bärbel wollte unbedingt das klassische Leo-Triplet sehen! Doch zunächst lagen M95 und M96 näher. Beides sind zwei runde Galaxien, wobei M96 etwas heller ist, M95 aber etwas mehr Details offenbart - einen hellen runden Kern und einen helligkeitsabgestuften Halo. Dann wurde aber endlich Bärbels Wunsch erfüllt, es ging zum Leotriplett. Irgendwie bin ich erstmal um einen Stern verrutscht und hab mich gewundert, daß da nichts ist. Denn eigentlich findet man die ja nun wirklich ohne Karte. Also, nochmal durch den 8x50-Sucher und dann waren sie denn auch im Bildfeld des Übersichtsokulars. Grade also nochmals der Blamage entgangen! M65 und M66 zwei parallele ovale Galaxien, ähnlich wie zwei Tage zuvor, auch wenn sie Bärbel besonders gut gefielen, heute. NGC3628 war wieder nur schemenhaft zu erkennen, zwar etwas deutlicher als am Mittwoch, aber auch ein Blick zum Himmel zeigte es: vor einer halben Stunde noch war der Comahaufen Melotte 111 mit bloßem Auge noch besser zuerkennen. Die Transparenz am Südhimmel hatte etwas nachgelassen. Wahrscheinlich beginnt in der kühler werdenden Nacht in den höheren Luftschichten Feuchtigkeit auszufallen. Iota Leonis, ein Dopplestern mit 2mag5 Helligkeitsunterschied und 1,7" Separation konnte nur blickweise wegen des stark flatternden Seeings mit deutlich Abstand getrennt werden, die schwächerer Komponente steht östlich des Hauptsterns.
Nachdem nun - es war 23 Uhr - Bärbel ins Bett abschwächelte, um ihr lädiertes Kreuzband zu schonen, widmete ich mich einem etwas schwierigeren Objekt, der Galaxie NGC 4710 in Coma Berenices, eine edge-on-Galaxie mit 11mag. Nach einem ausgiebigen Starhop von a Comae aus ging sie mir dann auch vor die Linse, eine schwache, aber doch deutlich auch bei direktem Sehen zu beobachtende, fast N-S-gestreckte Galaxiennadel. Bei 83x ist sie besonders gut und eindeutig zu erkennen. Unmittelbar östlich der Galaxie in deren Mitte liegt ein schwaches Sternchen, laut Night Sky Observer's Guide 13mag schwach. Wohlgemerkt, der Refraktor hat nur 6 Zoll Öffnung. Bei 120x kann man die Nadel immer noch gut visuell halten, das benachbarte 13m-Sternchen kommt jetzt durch den nochmals dunkleren Himmelshintergrund noch deutlicher zum Vorschein.
Es ist einfach schön, an so einem sternklaren, relativ lauen Abend im Garten bequem am Refraktor zu sitzen und ab und an im Wohnzimmer bei Schummerlicht ein Tässchen Tee zu schlürfen, Notizen zu machen und im Himmelsatlas "neue" Objekte rauszusuchen.
Die Stelle, an der die Galaxie NGC4689 liegen sollte, habe ich zwar eindeutig identifiziert, aber ausser zwei Sternchen war da nix zu sehen, was auch nur annähernd nach Galaxie ausgeschaut hätte. Den kurzen Schwenk in den 400 Millionen Lichtjahre entfernten Comagalxiehaufen hätte ich mir auch schenken können. Sind halt doch bloß sechs Zoll, wenn die auf der Montierung bei dem hohen Stativ auch mächtig beeindruckend im halbdunklen Garten stehn.
Zum entfrusten gabs dann in Coma den Kugelsternhaufen M53, der aber irgendwie net auflösbar ist, der scheint richtig weit weg zu sein, der bleibt einfach nur ein Nebelbällchen. Auf dem Weg zu NGC4565 hielt ich mich kaum bei NGC4494 auf, die aber relativ leicht zu sehend als runde Nebelkugel im All schwebt. Die lange Nadel NGC4565 zeigte bei 83x und bei 120x den verdickten Bauch sowie in den streaks eine wolkige Helligkeitsverteilung. Der Doppelstern Alpha Comae (5m1;5m1;0,4") war aber beim besten Willen nicht ansatzweise zu trennen. Als Betthupferl gönnte ich mir dann noch einen mitternächtlichen M13. Bei 120x zeigt er Einzelsterne bis hin ins Zentrum, wobei man hier schon verschieden helle Exemplare unterscheiden kann. Bei 160x beginnt ganz eindeutig die Auflösung in Sterne bis in das Zentrum von M13, von wo aus sich 4 gebogene Sternenarme bis in die äussersten Randbereiche erstrecken. Mit diesen wundervollen Eindrücken des kommenden Sommerhimmels ließ ich dann denn Beobachtungsabend ausklingen und ließ mich genüsslich in den Schlaf sinken, einem entspannten Wochenende entgegen...
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
|