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Frühlingsnächte - Teil II: Sommerliches Intermezzo
Hallo Sternfreunde,
endlich wars mal wieder eine Nacht klar, wobei der Himmel sogar eine Grenzgröße von fast 5m5 erreichte, gute Voraussetzungen also, mal etwas Exotisches im Hercules zu begutachten: Die drei (!) dort beheimateten Kugelsternhaufen und einige Galaxien. Hier also kurz die Daten der Beobachtung im Telegrammstil, bevors richtig los geht...
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
32mm Clestron Plössl (38-fache Vergrößerung bei 52°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
07.06.2004 22:30-00:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3 mag
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
My Bootis, Zeta Herculis
Galaxien:
NGC6207, NGC6482
Kugelsternhaufen:
M13, M92, NGC6229
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
-
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Die Nacht war sogar mal einigermaßen mild, fast schon ein Wunder in diesem verregneten Sommer, und so beschlossen Bärbel und ich, mal wieder ein bißchen zu spechteln. So baute ich also in der Abenddämmerung erstmal den 152mm-Refraktor Segafredo II auf und dann gabs einen schmackhaften und starken Espresso, bei dem wir die Dunkelheit hereinbrechen ließen. Da wir natürlich schon ganz ungeduldig waren, begannen wir vor der richtigen Dunkelheit - also gegen 22:30 - mit dem Doppelstern m Bootis. Er ist eindeutig in Nord-Süd-Richtung orientiert, auch der südlciche Stern ist doppelt, bei 172x mit mords großem Zwischenraum. Die nördliche Einzelkomponente ist grünstichig. (7m0, 7m6, 2,3"). Den Doppelstern z Herculis (2m9, 5m5, 1,6") konnte ich allerdings auch bei 240x nicht trennen.
Mittlerweile war es dann auch dunkel genug, so daß unsere kleine deep-sky-Reise beginnen konnte. Ausgangspunkt war der berühmte Kugelsternhaufen M13, der bereits bei 46x helle Einzelsterne und auch kleinen, eindeutig sternengepunkteten Hintergrundstaub zeigt. Bei 83x setzt sich die Auflösung noch weiter fort, und noch höhere Vergrößerungen fördern immer mehr Details zu Tage. Faszinierend, was bereits ein Sechszöller leistet, wenn der Himmel einigermaßen gut dunkel ist! Die benachbarte Galaxie NGC6207 ist bei 83x bereits deutlich zu sehn! Bärbel fällt auf, daß sie mit den beiden östlich und einem südlich stehenden Sternchen ein Trapez bildet. Ein netter Anblick. Die Längsachse der Galaxie zeigt ziemlich genau auf das Zentrum von M13. Interessant ist natürlich ein Vergleich mit dem viel seltener aufgesuchten, ebenfalls im Hercules, aber deutlich abseitiger im Norden gelegenen Kugelsternhaufen M92. Bereits bei 46x fällt uns auf, daß M92 deutlich konzentrierter ist als sein berühmter Bruder, der Kern wirkt aber nicht nur kompakter, sondern auch heller, was sich bei 83x dann deutlich bestätigt. Auch bei 120x zeigt M92 einen gegenüber M13 dichter gedrängten Kern, der nach Bärbels Meinung dafür aber deutlich heller strahlt als der von M13. Nun gehts aber ans Eingemachte, unser nächstes Ziel ist eine Premiere für uns: im Night Sky Observer's Guide hab ich Tags zuvor von einem weiteren Kugelsternhaufen im Hercules gelesen, und den wollten wir natürlich unbedingt sehen, NGC6229. Er wird mit einer visuellen Helligkeit von 9m4 beziffert. Er liegt auch etwas blöd zu finden in einem wenig charakteristischen Sternfeld einige Grad nordwestlich von M92, aber nach gut einer Viertelstunde konnte ich doch den Erfolg vermelden: NGC6229 im Okular! Schnell Bärbel Bescheid gegeben, das Wohnzimmerlicht wieder zu löschen, zwecks ihrer Adaption, die sie beim Üben von Rheinbergers Orgelsonate Nr. 4 auf dem Klavier generös vergeudet hatte, damit sie dann den neuen Kandidaten begutachten kann. Bereits eben bei 46x fällt östlich zweier nord-südlich übereinanderstehender mittelheller Sterne ein kleiner Nebelball auf, der bei zunehmender Vergrößerung immer mehr Details zeigt! 120x trennt schon den Randbereich vom Kern und zeigt eine gewisse Grieseligkeit, 160x offenbart ihn eindeutig als Kugelsternhaufen, der schon klumpig wirkt - und zwar nicht nur beim indirekten Sehen! Auch Bärbel beschreibt ihn, unabhängig von mir, als eindeutig prickeligen Lichtfleck, nicht einfach nur diffus und verwaschen! NGC 6229 ist also DER Geheimtip im Hercules - Klein aber Oho - und keine schwache Tranfunzel, die beim Vergrößern gleich wegkippt.
Mittlerweile war dann doch die Zeit schon fortgeschritten, morgen muß man wieder früh raus ins Büro. Aber ein Objekt, das geht noch: Die Galaxie NGC6482! Die Galaxie liegt südlich zweier ost-west-ausgerichteter Sternchen und bildet mit diesen ein flaches, symmetrisches Dreieck.
Ihrer Fluchtgeschwindigkeit von 3936 km/sec entspricht eine Entfernung von etwa 173 Mio. Lichtjahren - für mich ein neuer Entfernungsrekord. Wie weit man doch mit 6" blicken kann, einfach faszinierend. Bei 83x steht die ovale Galaxie eindeutig im Okular, bei 120x erkennt man einen sehr hellen, kleinen Kern und einen schwachen umgebenden Halo. 160x offenbart die Galaxie nur mehr bei indirektem Sehen als flächig, bei direktem Anblick sieht man den hellen stellaren Kern, das verhält sich ähnlich wie das "Blinken" mancher planetarischer Nebel.
Das waren zwei wundervolle, gemeinsame Beobachtungsstunden an einem lauen Frühsommerabend, so machts natürlich besonders viel Spaß, vor allem, wenn man derart faszinierende Objekte gefunden und beobachtet hat.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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