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Wintererlebnisse
Hallo Sternfreunde,
es ist geschafft! Der Umzug ins neue Haus ist abgeschlossen und die gröbsten Innenarbeiten - wie Lampen und Spiegel aufhängen, Möbel zusammenbauen, die Bibliothek einräumen und so weiter und so fort - sind weitgehend erledigt. Oder zumindest nicht mehr so zeitlich drängend. Die alte Wohnung ist auch an den Nachmieter übergeben und siehe da - endlich hätte man mal wieder zeit zum Spechteln, wenn, ja wenn da nicht ein großes Hindernis wäre: der Garten, oder sagen wir besser, das, was irgendwann mal zu einem Garten werden soll, ist bis dato nur eine umgeackerte Fläche aus relativ schwerem Humus. Klebt perfekt an jeglicher Art von Schuhwerk und verteilt sich besonders gerne auf Terracottafliesen und Jatobaparkett... Folglich sind die diversen recht ozeansich und mild angehauchten Winternächte einfach nicht zur Beobachtung zu gebrauchen. Aber an diesem Wochenende wurde es so richtig kalt, in der Nacht vom Freitag auf Samstag fiel das Thermometer auf -19°C und entsprechend knochenhart war der Boden gefroren. Endlich sturmfreier Acker! An diesem Samstag Abend hatte es um 18 Uhr schon wieder -9°C, es konnte also losgehen - mit dem Zusammensuchen der Teile, die man zwar zum Spechteln brauchen würde, sich aber noch in diversen Umzugskartons verstecken - nur, in welchen??? Aber auch diese Hürde wurde gekonnt umschifft und so konnte ich alles durch den Wintergarten auf die Terasse stellen. Nur - die Terasse steht noch in Form von Steinpaletten im Vorgarten und entsprechend tief ist der erste Schritt vom Wintergarten raus - gut ein dreiviertel Meter Höhe muß da mit diversem Equipment vom sperrigen Buchenholzstativ über die EQ-6 bis hin zum nicht gerade kurzen 1200mm-Refraktor jeweils mit einem Schritt überwunden werden. Aber, ein hardcore-Albireo schafft auch dies mit Leichtigkeit und irgendwann stand dann tatsächlich alles - die Montierung sogar per Polsucher bestmöglich ausgenordet - bei -9°C auf dem Acker im Garten.
Es konnte also losgehen. Hier erstmal tabellarisch alles an technischen Daten:
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
32mm Clestron Plössl (38-fache Vergrößerung bei 52°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
07.02.2005 19:30-00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3 mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
extrem gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC1832, M81, M82
Kugelsternhaufen:
M79
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
M42, M43
Sonstiges:
Saturn
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Angefangen haben wir, Bärbel und ich, erstmal mit dem Versuch, NGC1832, eine Galaxie im Lepus zu finden. Genau an der Stelle, an der in meinem Ausdruck aus Cartes du Ciel diese Galaxie eingezeichnet ist, sehe ich - auch bei höheren Vergrößerungen - lediglich ein Sternchen. Der Galaxienkern? Das würde sich aber wiederum nicht mit der Zeichnung im Night Sky Observer's Guide decken. Das ganze erscheint mir relativ seltsam, denn ich bin mir absolut sicher - auch den Sternenmustern des CdC-Ausdrucks nach, an der korrekten Stelle zu suchen.
Nun ja, dann muß als nächstes ein Erfolgserlebnis her. Der schöne Kugelsternhaufen M79 im Lepus steht auf Bärbels Wunschzettel. Bereits bei 46x ist er mittig zwischen zwei Sternen als rundlicher Nebel zu sehen, der nach aussen zu den Rändern hin schwächer, blasser, wird. Bei 92x wird der kleine Kugelsternhaufen schon deutlich grieselig.
Dann ging es als nächstes zu M42, dem allseits bekannten und beliebten Orionnebel. Den hatten wir letztes Jahr vor lauter schlechtem Wetter so gut wie gar nicht gesehen und umso mehr freuten wir beide uns natürlich in diesem Winter auf ein Wiedersehen! Bei 78x ist der Nebel - ohne UHC-Filter wohlgemerkt - eindeutig grünlich, das fällt auch Bärbel deutlich auf, dieses geisterhafte silbrige graugrün, das sich da ins Weltall ergießt. Die Schwingen des Nebels greifen bis an den Rand des fast 1° messenden Gesichtsfeldes. Steigert man die Vergrößerung auf 120x, so sind die Nebelstrukturen noch viel deutlicher zu sehen, die Huygensbucht steht rabenschwarz im Okular, umgeben von grünlich fluoreszierendem Nebelgewölk, das aussieht wie aufwallende Milch in einer Tasse Tee, so zumindest Bärbels Assoziation. An der Schmalseite des Trapez erkennt Bärbel sehr dicht bei einem der Trapezsterne, etwas nach aussen versetzt, einen kleinen Stern, es handelt sich hier um die E-Komponente. Natürlich probieren wir jetzt noch im 7,5er Speers Waler die 160-fache Vergrößerung aus, die immer noch mehr als 0,5° Gesichtsfeld am Himmel liefert. Ja, die E-Komponente ist jetzt auch eindeutig bei direktem(!) sehen als deutlich von einem der Trapezsterne abgesetztes Pünktchen zu halten! Ein absolut gigantischer Anblick, der wieder einmal mehr zeigt, daß der Sprung vom 130/900er sphärischen Newton zum 152/1200er Refraktor ein Quantensprung ist. Ich bin schon gespannt, wenn ich mal den äquatorialen Zehnzollnewton aus seinen Umzugskartons befreie... Der Himmel hier in Köfering ist wirklich nochmals eine gute Ecke besser als zuvor in Neutraubling. Zeta Canis majoris mit -30° Deklination und 3mag0 ist auch in leicht dunstigen Nächten mit bloßem Auge kein Thema. Im Zenith gehts in guten Nächten schon mal auf knappe 6 Magnituden Grenzgröße, für einen Gartenspechtelplatz schon nicht ganz übel.
Bärbel wollte nun noch unbedingt die Galaxien M81 und M82 in Ursa major sehen. Ein kräftiger Schwenk über den halben Himmel, nochmal im Karkoschka nachgeschaut und siehe da, auf Anhieb im 26mm Superplössl bei 46x zu sehen. Sie haben zu zweit grade so im Gesichtsfeld Platz. Nein, das 32er Plössl hol' ich jetzt nicht raus, vielmehr begutachten wir die beiden Galaxien einzeln mit höheren Vergrößerungen. M81 ist eine sehr helle elliptische Galaxie mit großem Halo, die bis 160x schön zu beobachten ist. M82 ist im Gegensatz zu M81 langgestreckt, sie liegt im Wesentlichen in E-W-Richtung, wirkt laut Bärbel wie von den Rändern her leicht angenagt. Ich kann bei M82 drei Helligkeitszentren erkennen, bei 165x erkennt man, daß sich im östlichen Drittel von Süden her ein Dunkelbereich in die Galaxie schiebt. Es ist immer wieder faszinierend, welche Details diese nur sechs Zoll große Optik aus dem Dunkel der Nacht hervorzaubern kann.
Als nächstes Kapitel des Abends ist Saturn an der Reihe. Bei 171x steht der Ringplanet dank sehr guten seeings absolut ruhig im Okular. Ich mach mir's im Gartenstuhl bequem und beobachte Saturn eine ganze Zeit lang entspannt im Sitzen. So kristallisieren sich immer mehr an Details heraus. Natürlich springt als erstes die Cassiniteilung ins Auge, die man auch deutlcih vor der Planetenkugel erkennen kann. Mittlerweile wirft die Saturnkugel schon einen deutlichen Schatten auf das Ringsystem. Vor einem Monat, bei der Opposition, war das noch nicht so, klar, scheint doch dann die Sonne frontal auf den Planeten. Auf dem Planetenkörper selbst erkennt man eine schlammgraue runde Polkappe, darunter ein etwas ausgeprägteres schmales goldgelbes Wolkenband, zwischen diesem und dem Äquatorialband befindet sich ein hellgelber Bereich, der aber nicht konstant gefärbt ist, sondern ebenfalls "quergestreift" ist, und zwar in ganz feinen Nuancen, wie angedeutete Pinselstriche. Unter dem Äquatorialband kommt dann bald der dunkelgruae Schatten des RIngsystems auf der Saturnkugel. Dieser plastische Anblick ist wirklich ein Hochgenuß.
Da juckts natürlich den Fotografen in den Fingern, also beschließe ich, die ToUCam anzuschmeissen und ein paar Sequenzen aufzunehmen. Also das Notebook hochgefahren, ToUCam dran, alle Parameter wie framerate, Stopkriterium etc in Virtualdub schonmal eingestellt im warmen Wohnzimmer und dann draußen ans Teleskop angedost, mal probiert mit maximaler Brennweite von 5,5m zu fahren. Ja, wunderbar steht Saturn am Bildschirm. Klick - das Video läuft.
Mittlerweile kommen unsre Nachbarn nach Hause, waren wohl ausgegangen, kommen neugierig rüber auf unsern Acker und sind bass erstaunt, daß man von Saturn im Laptop sogar die Ringe mit nem Strich drin auf dem Monitor erkennen kann. Wobei Christian meint, naja, das is aber auch schon ein ganz schön mächtiges Gerät.
Nunja, mittlerweile ist das erste Video fertig. Also noch eins. Und dann noch eins. Irgendwann ist auch das im Kasten und ich schaff erstmal auf dem gleichen umständlichen Weg, auf dem ich vorher alles rausgeschafft hatte, alles wieder rein. Und dann die Ernüchterung: Nur ein Video auf der Festplatte! Und blöderweise das letzte, wo nimmer gscheit scharf war, weil mir die Linse vereist war. Mist! Ich hab vergessen, die "increment file name" Option zu setzen, so wurde das Video (ohne Nachfrage der Software!!! - grrrrr) immer wieder überschrieben.
Ich hab das Ding trotzdem gestackt und hier ist das leider nicht ganz scharfe Resultat:
Alles in allem war das wieder mal eine richtig schöne und abwechslungsreiche Astronacht, die mal wieder gezeigt hat, daß wir uns doch das richtige Hobby ausgesucht haben :-)
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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