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Die erste laue Sommernacht
Hallo Sternfreunde,
der Virus im Virus hat zugeschlagen! Gemeint ist der hundsgemeine, aus dem Astrovirus abgeleitete Astro-fotovirus. Er hat das immer schärfer, immer farbreiner, immer mehr Details - Diktat zur Folge, man optimiert an diversen Adaptern, zweifelt an seinen diversen Barlowlinsen, sterntestet, schraubt und optimiert, rennt nachts mit dem Notebook durch den Garten, stackt stundenlang Planeten,- Mond- und Sonnenvideos und kommt eigentlich nicht mehr zu dem, was an unserm Hobby eigentlich das Schönste ist: Beobachten! Schande über mein Haupt! Heut Nacht wird's klar, ein lauer Abend noch dazu, heut wird mal genüßlich visuell gespechtelt. Galaxien sind hauptsächlich angesagt, aber es wurde ein buntes, abwechslungsreiches Programm. Meine beiden Laternenabwehrzypressen, die ich extra gepflanzt habe, machten sich schon durchaus positiv bemerkbar. Hier der Blick nach Südost:
Und hier der Blick nach Süden, wo auch noch eine Laterne steht:
Beide Lampen werden durch die Pflanzen schon leidlich abgeschirmt, wenn sie etwas fülliger sind, wird der beobachterische Bewegungsradius etwas größer werden. Wichtig: Die Laternenabwehrbäume sollten Nadelgehölze sein, sonst haben sie nur halbjährliche Wirkung!
Die Grenzgröße im Zenith lag in dieser Nacht bei gut 5m5 - ab 1Uhr Nachts (gähn) noch besser - da werden nämlich die Straßenlampen AUSGESCHALTET!!! *großer Jubel*
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
32mm Clestron Plössl (38-fache Vergrößerung bei 52°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
01.05.2005 21:00-02:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5 mag - 5,7mag
Durchsicht:
gut bis sehr gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
35 Com
Galaxien:
NGC4565, M64, NGC4274, NGC4278, NGC4245, M100, M104
Kugelsternhaufen:
M13
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Jupiter
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Die erste Galaxie, die Bärbel sehen wollte, war die langgestreckte Nadel NGC4565 in Coma Berenices. Bei 46x erkennt man schon mühelos die längliche Nadel mit einem etwas verdickten Zentrum, bei 83x ist bei indirektem Sehen im inneren Drittel der Galaxie auf etwa ebenfalls 1/3 ihrer Dicke ein dunkler Bereich blickweise erkennbar, der die Galaxie der Länge nach durchläuft - das zentrale Staubband! Unmittelbar NE des Galaxienzentrums erkennt man bei 120x blickweise - aber eindeutig - ein schwaches Sternenfünkchen, laut NSOG hat es 13m5. Es wundert mich sehr, daß das visuell mit 6" überhaupt möglich ist, eine Täuschung ist aber wie gesagt ausgeschlossen, auch Bärbel konnte das Sternchen bei indirektem Sehen immer wieder erkennen.
Ein entspannter und ausgiebiger Blick zum Himmel läßt in dieser wunderbaren, klaren Nacht, hunderte, ja tausende Sterne über uns erstrahlen. UNd das ganze bei wunderbar lauen Temperaturen - es hat immer noch 20°C und das Abends gegen 22 Uhr! Herrlich. Kaum ein Geräusch ist hier draussen zu vernehmen, einige letzte Vögel singen dem Tag ein Gute Nacht, Nächte wie diese können den Erholungswert von einer Woche Urlaub haben!
Weiter geht es mit dem Doppelstern 35 Comae Berenices. Im 8x50-Sucher ist das Sternchen bald lokalisiert und auch aufgrund der nahen black-eye-Galaxie sofort als der gesuchte Stern identifiziert. Allerdings, er macht es einem nicht leicht. Sofort fällt auf - auch bei 46x - daß man hier eine Art Mini-Albireo vor sich hat, ein hellerer orangefarbener und ein bläßlich violettblauer Stern. Interessant ist aber die orangene Hauptkomponente, soll diese doch selbst wieder ein Doppelstern sein und zwar mit 1,2" Separation bei 5m1 und 7m2. So steht's zumindest im Night Sky Observer's Guide und auch im Karkoschka. Aber selbst bei 240x und auch bei 480x zeigt sich nur eine perfekt runde Airydisk, bestenfalls könnte nördlich "etwas" erkennbar sein, auch mit Solar Continuum Filter (um den Farbfehler eines jeden schnellen FH-Refraktors auszuschließen) konnte wenn, dann nur direkt nördlich eine etwas schwächere Komponente zu sehen sein - aber eher nicht. Auch Sollte laut den beiden vorher angeführten Quellen die südliche Komponente die Schwächere sein. Sehr dubios, den 35 Comae werd ich wohl mal mit dem 10"-Newton nochmals inspizieren müssen.
Um wieder etwas erfolgreicheres zu sehen, kommt nun ein kurzer Schwenk zur benachbarten Galaxie M64. Sie ist gegenüber der vorher besuchten Galaxie NGC4565 bedeutend heller, wirkt im direkten Vergleich blendend weiß. Die Galaxie ist ein etwa 2:3 elongiertes Oval, welches etwa in Ost-West-Richtung liegt. Auf der Westseite scheint eine dunle abrupte Stelle zu sein: nach Süden fällt die Galaxienhelligkeit schlagartig vom Maximalwert zum schwarzen Himmelshintergrund, alle anderen Randbereiche laufen eher diffus, "soft" in den Himmelshintergrund aus. Auch in der Übersichtsvergrößerung von 46x erkennt man, daß der Halo diffus zu einem NE gelegenen Stern ausläuft, hingegen im Südwesten sehr deutlich gegen den Himmel abgegrenzt ist.
Nun geht es auf in galaxienmäßiges Neuland! Nach einigem Rumgeruder mit dem 8x50-Sucher (die Aufsuchkarten im Night Sky Observer's Guide sind eher bescheiden und Aufsuchkarten mit Cartes du Ciel ausdrucken war nicht, weil bei meinem Drucker grade Tintenebbe angesagt ist und ich nicht weiß, in welcher der verbleibenden Umnzugskisten die Nachfüllsets sind) war dann NGC4274 gefunden (vb=10m4, sb=13m3). Sie ist erstaunlich gut als mittelhelle Galaxie zu erkennen, die mit drei umgebenden Sternen eine Art Trapezfigur bildet. Etwa 0,5° exakt weiter südlich springt Bärbel sofort eine weitere, kreisrunde Galaxie ins Auge, die eigentlich nicht zu übersehen ist: es ahndelt sich um NGC4278. (vb=10m2, vb=12m7). Bereits an den Helligkeitsangaben kann man ersehen, daß die letztere Galaxie fast noch deutlicher zu sehn sit wie die etwa 1:3 elliptische NGC4274. Bei 83-facher Vergrößerung habe ich eine Zeichnung des wunderschönen und recht lohnenswerten Galaxienpärchens angefertigt:
NGC 4274 und NGC4278, FH-Refraktor 6" f/8 bei 83x
Etwas östlich von NGC4274 findet man die Galaxie NGC4245, die ebenfalls deutlich als kleine längliche Zigarre auszumachen ist. (vb=11m4, sb=13m7). Trotz der scheinbar schwachen Helligkeitsdaten kann man schön erkennen, wie die Galaxie nach einer Viererkette von Sternen in leichter Kantenlage daliegt. Meine Zeichnung stimmt verdächtig mit dem Foto im Night Sky Observer's Guide überein. Elfeinhalb-Magnitudengalaxien sit doch schon was, da sag nochmal wer, mit 6" Öffnung würde deep sky - Beobachtung noch keinen Spaß machen... Ach ja, hier natürlich die Zeichnung:
NGC 4245, FH-Refraktor 6" f/8 bei 46x
UNd was sagt man dazu: Eine 11m5-Galaxie ist mit das Lichtschwächste, was wir bis dato mit 6" beobachten konnten, eine Galaxie im Hercules - NGC6482 - letzten Sommer mit fast identischen Helligkeitswerten konnten wir ähnlich gut sichten - insofern scheint die Erkennbarkeit dieser Galaxienklasse mit 6" doch reproduzierbar zu sein.
Ein letztes Objekt will Bärbel noch inspizieren, die Galaxie M100. Nun, sie ist recht schnell gefunden, diese blasse face-on-Galaxie. Bei 46x scheint der skyglow-Filter eine minimale Kontrastverbesserung zu bringen, der runde Halo der Galaxie wirkt von der Hellikeitsverteilung leicht unruhig, die Galaxie hat noch einen punktförmigen, hellen stellaren Kern im Zentrum.
Bärbel brachte nun - es war 00:30 - unser Töchterchen Fiona und sich selbst ins Bett, während ich die immer noch laue Nacht, weiter nutzte. Um 1:00 werden die Straßenlampen ausgeschaltet, um die halbe Stunde zu überbrücken, hielt ich nochmal schnell mit der Webcam auf den Planeten Jupiter, der, wie meistens, wenn ich ihn fotografiere, den großen roten Fleck auf seiner uns abgewandten Seite versteckt. Trotzdem möchte ich das Foto hier kurz herzeigen, gehört es doch auch zu dieser wunderbaren Frühsommernacht:
Jupiter, 6" f/8-refraktor mit Aries Chromacorr II, ca. 4m Äquivalentbrennweite, 25% von 1000 Bildern mit Giotto überlagert
Um schlag 1 Uhr gingen dann die Lichter aus und es war stockdunkel im Garten! Sanft hörte man den Wind in den Bäumen rascheln, im Nordosten erhob sich schon das Band der Milchstraße über den Horizont - aber was für eine Milchstraße! Kein verschämtes graues Dunstschleierchen, keine Milchstraße mit ein paar Dunkelstrukturen, nein: Ein Himmelsstreif übergossen mit lauter körnig wirkenden Einzelsternchen, ein Anblick, den ich von heimischen Gärten so nicht kenne! Unter diesen Bedingungen - ich werde das noch genauer verifizieren - dürfte man sich im Zenith der 6mag-Marke für die Grenzhelligkeit schon verdächtig annähern! Und da Regensburg mit all seinen Gewerbegebieten nun einige Kilometer nordöstlich liegt, ist auch die Sicht zum Südhorizont deutlich besser, erreichte ich bei -20° Deklination in Neutraubling bestenfalls 2m5, so sind es hier eher 4m bis 4m5! Entsprechend schnell war die Sombrerogalaxie M104 eingestellt und auch gleich gefunden, bei 46x eine längliche quer im Okular leigende Galaxie mit einer deutlcihen Zentrumsverdickung. Allerdings war ich für das Staubband dann doch schon etwas zu ermüdet, so daß ich als letztes Objekt noch den Kugelsternhaufen M13 als Highlight besuchen wollte, der schon 45° über den Horizont geklettert war. Den zu finden, erwies sich aber angesichts der enormen Anzahl sichtbarer Sterne gar nicht so einfach: Wo zum Teufel in dem Gewirr ist den der Hercules gleich wieder??? Geil, wenn man die Sternbildumrisse nicht deswegen kaum erkennt, weils so diesig oder lichtverseucht ist, sondern weil da oben so viele Sterne rumhängen! Umso gigantischer war dann der blendend helle Haufen selbst, bei 120x konnte dieser schon deutlich in helle auf radialen Armen angeordnete Sterne aufgelöst werden, die sich vor unendlich hingezuckertem Sternenhintergrund tummeln. Wer sagt, so ein 6"-Fraunhofer tauge nicht, um die hellen Kugelsternhaufen prickelnd teilweise aufzulösen, sollte sich mal einen vernünftigen Zenithspiegel holen und dann mal durchgucken! Bei 120x im Speers Waler einfach eine überbordende Sternenfülle! Was soll man dazu noch sagen, eine solch schöne Sternennacht ist einem in unsren Breiten zwar eher selten beschieden, dafür ist ein solches Erlebnis dann umso schöner. Gutgelaunt hab ich das ganze Graffel in den Wintergarten getragen und bin zu Bärbel und Fiona in die warme Heia, wo ich bei offener Balkontür in die immer noch laue Sternenluft entschlummert bin...
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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