|
Hier gibt's ja richtig klaren Himmel!
Hallo Sternfreunde,
am Dienstag war's mal wieder so weit - es kündigte sich eine kristallklare Nacht an, bei der man mal wieder auf deep-sky-Jagd gehen kann und zum anderen feststellen, wie denn die Grenzgröße bei mir im neuen Garten so ist. Also habe ich mir, als es so richtig dunkel war, diverse Himmelsgegenden genauer angeschaut. Nun, die Sternenzahl war schon auf den ersten Blick deutlich imposanter als bei meinem 5m3-Himmel, den ich frühers in Neutraubling hatte. Die schwächsten erkennbaren Sterne waren immerhin im Karkoschka schon nicht mehr explizit nach Helligkeit aufgeschrieben. Also mußte der eine oder andere Blick in Cartes du ciel die nötigen Infos heranschaffen. Der erste intensive Blick galt der Corona Borealis, innerhalb deren Kranz ich, ein symmetrisches Dreieck mit e und d bildend, eindeutig einen Stern sehen konnte - und zwar nicht nur indirekt. Es handelt sich um HIP77442, der in CdC mit 5m89 angegeben ist! Der KArkoschka führt ihn mit R CrB und einer Helligkeit von 5m7 bis 6m3. Im benachbarten hercules waren sowohl 50 Her mit 5m73 als auch 53 Her mit 5m34 gut zu sehen! In Ursa minor war der 5m73 helle Stern mittig zwischen den hinteren Kastensternen ebenfalls zu sehen. Und um den hinteren Kastenstern Eta UMa konnte man zwei Sternchen sehen, mit 5m5 und 6m3!!!! Also denke ich mal, man kann mit Fug und Recht einen 5m7-5m9-Himmel annehmen. Daß der Himmel auch zum Südhorizont hin nicht zu stark degeneriert, kann man daran erkennen, daß im südlichen Teil des Sternbildes Corvus der Stern Hip 60189 etwas oberhalb der Linie Epsilon-Beta eindeutig zu sehen war - das sind immerhin 5m2!!! Und das bei über -22° Deklination!!! Nun aber zu dem, was wir in dieser super klaren - aber mit 7° recht erfrischenden Nacht so alles beobachtet haben...
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
32mm Clestron Plössl (38-fache Vergrößerung bei 52°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
|
Zeitpunkt:
12.05.2005 21:20-00:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,9mag
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
gut
|
Doppelsterne:
Epsilon Bootis
Galaxien:
M104, M51, NGC5195, NGC4038, NGC4039, NGC4027
Kugelsternhaufen:
M5
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Jupiter
|
Als erstes hatte ich - es war noch nicht so perfekt dunkel, Jupiter anvisiert, einfach so, zum Spaß. Na! Das seeing ist eigentlich recht gut und so geh ich vergrößerungsmäßig gleich mal auf 171x. Was fällt mir da sofort ins Auge? Ein dunkler Fleck am Südrand des SEB! Da wird doch nicht ein Mond seinen Schatten?? Kurz in die Bibliothek raufmarschiert, das Himmelsjahr aufgeschlagen - ja tatsächlich, ein Schattendurchgang, Europa war der Knabe. Zufrieden bin ich wieder raus ans Teleskop. Und jetzt? Jetzt hat der Jupiter noch einen silbrigen Pickel direkt an seinem Rand. Ein kurzer Blick zur Uhr - zwölf vor Zehn. Wieder die Treppe hoch in die Bibliothek, wieder im Himmelsjahr nachgeschlagen, aha! Europas Vorbeigang an Jupiter ist um 21:47 MESZ beendet. Alles klar. Nun sollte aber der glasklare Himmel genutzt werden - und was liegt da näher als die grade im Süden kulminierende Sombrerogalaxie M104. Im Sucher schnell zentriert, das 26mm-Okular rein - und fast ein Ohnmachtsanfall! Ja, dunkler Himmel IST definitiv durch NICHTS zu ersetzen, es sei denn, durch noch dunkleren Himmel. Ich holte Bärbel herbei, auch die konnt's kaum glauben. Erster Kommentar von Ihr: Wie aufm Foto! Sowas von klar und deutlich, mit feinstem Pinselstrich hingezeichnet, liegt die Galaxie eingebettet in die sie umgebende Sternenkette, an den Enden fein spitz zulaufend, der Zentralbereich sehr hell und deutlich ausgebuchtet, und etwas asymmetrisch das Dunkelband! Wundervoll zu sehen, der Kontrast dieser Optik macht echt das Eine oder andere Zoll Öffnung wett, so schön hatte ich M104 bis dato noch net einmal im 10"-Newton gesehn, bei ca. 1mag weniger Grenzgröße, also schlechterem Himmel! 83x im Erfle leifert an M104 einen tendenziell noch kontrastreicheren Anblick - so etwas tolles hatten wir beide bis dato noch nicht gesehn - eine Galaxie wie vom Foto, nur eben live am Okular! Und das mit läppischen 6 Zoll! Das machte natürlich Mut und so gings gleich weiter auf Galaxienjagd, die Ringtail-Galaxie im Corvus, NGC4038 & NGC4039 waren das Ziel der Begierde. (NGC4038 vB: 10m5; sb: 13m7 / NGC4039 vB:10m3; sb:13m0). Bei 46x ist ein schwacher, aber direkt eindeutig zu haltender, matter grauer in etwa runder und recht ausgedehnter Schimmer zu erkennen - auch Bärbel hat ihn sofort erkannt - , im NW steht ein hellerer Stern, der mit zwei weiteren weniger hellen ein gleichseitiges Dreieck bildet, das in etwa auf die Galaxie hinzeigt. Auch bei 83x zu halten, allerdings keine weiteren Details erkennbar.
Direkt in der Nähe fahre ich zu NGC4027. (vB: 11m2, sb:13m4). Auch diese Galaxie ist als schwacher, runder Schimmer zu sehen, der genau mittig zwischen zwei NE und SW gelegenen Sternen liegt! Auch die Position dieser Galaxie konnte ich nachträglich mit CdC eindeutig anhand des Sternenumfeldes verifizieren!
Nun gings mal - sozusagen als Abwechslung - zu einem Doppelstern, Epsilon Bootis. 171-fache vergrößerung sollte eigentlich reichen. Ja! Es zeigt sich ziemlich genau im N ein etwa 2mag schwächerer, deutlich abgegrenzt sitzender Begleiter, der Hauptstern ist orangerot, der Begleiter eher grünlichblau.
Bärbel und ich genießen draussen einfach so den Blick zum funkelnd übersähten Firmament, obschon es heute Nacht relativ kühl ist. Da Im Zenith, da ist es besonders funklend! Ja, dort am Ende der Deichsel des großen Wagen, dort wäre die Jagdhundgalaxie... Kaum ausgesprochen, verschwand Bärbel und kam flugs mit dem Übersichtsokular zurück. Wenn schon M104 so tief stehend so gut war, müßte doch...
Gesagt, getan. Doch das getan war in diesem speziellen Fall nicht ganz trivial, ein Einmeterzwanzig-Refraktor senkrecht zum Himmel gerichtet, der Blick von irgendwie halsverdreht unten in den Sucher, immer wieder rumgerührt und dann endlich gefunden. Na, wenigstens gibts fürs Okular nen Zenithspiegel! Das 26er rein und - WOW!!! Ich hatte nicht gewußt, daß auch NGC5195 so einen großen Halo hat. Und daß man das gewundene Spiralarmgegriesel von M51 so deutlcih erkennen könnte, bei 6" Öffnung, das hätten wir beide nicht geglaubt. Eindeutig unsere beste Whirlpoolgalaxie! Die besten Vergrößerungen waren 83x im Erfle und 120x im Speers Waler, wobei 83x fast der idealste Kompromiss war zwischen Bildgröße, Kontrast und Detailreichtum in den - Spiralarmen. Fast trau ich's mir nicht zu schreiben, Spiralarme bei M51 im Sechszöller. Ich hoffe zumindest, daß diejenigen, die schon mehr Berichte von uns gelesen haben, gemerkt haben, daß wir schon auf Objektivität bedacht sind und eigentlich eher mal nen Mißerfolg beschreiben wie etwas hinzu zu dichten - aber diese Nacht war einfach hammermäßig!
Trotzdem gabs nur noch ein Objekt zum Abschluß, weil ich von der Arbeit recht müde war, und zwar den Kugelsternhaufen M5. Ein brutal helles Teil! Schon bei 46x grieselig bis in die Mitte. Also haben wir die Vergrößerung gleich mal auf 120x hochgezogen. Tja, da schwebt er, der Sternenstaub, körnig bis in das weiß strahlende Zentrum. Auch vor dem hellen zentrum blitzen hier besonders helle Einzelsterne auf, die Randbereiche mühelos aufgelöst. Also das 7,5er Speers Waler rein, 160-fache Vergrößerung bei einem halben Grad Gesichtsfeld. Wie plastisch schwebt die Sternenpracht in diesem Bullauge, die Randbereiche hingezuckert, das Zentrum stark grieselig bis schon zu einem Gutteil aufgelöst. Der Sternhaufen ist nach osten hin weit ausgreifend und nach Westen hin auffallend abgeflacht - bei diesem traumhaften Kontrast hat man keine Mühe, all diese wunderschönen Details in aller Ruhe genüßlich zu studieren.
Ja, dann hab ich alles abgebaut und bin schnell ab ins Bett, morgen wird's wieder ein anstrengender Tag, ein neues Musterlayout muß gefixed und bestellt werden. Aber diese so befriedigende Sternennacht verspricht einen tiefen entspannten Schlaf. Der Himmel war im Übrigen so toll, daß wir ganz vergessen haben, irgendwas zu zeichnen, oder gar zu fotografieren... Vielleicht war aber gerade das auch der Schlüssel zu einem besonders unmittelbaren Sternentraum, wer weiß?
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
|