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Ausbeute eines richtig miesen Sommers...
Hallo Sternfreunde,
der Sommer 2005 ist ja wirklich so ziemlich der mieseste Astrosommer, den ich jemals erlebt habe, ein kurzer Beobachtungsversuch am 17.7. und ein - na ja - halbwegs vernünftiger Beobachtungsabend am 27.07. , bei dem im Zenith eine ganz ordentliche Grenzgröße war, in den Bereichen der Sommermilchstraße unterhalb des Sternbilds Scutum aber einfach zu viel Dunst für eine wirklich gute Beobachtung. Und das, wo ich jetzt im Garten bis runter auf -35° Deklination komme...
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
32mm Clestron Plössl (38-fache Vergrößerung bei 52°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
27.07.2005 23:00-00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5mag im Zenith
Durchsicht:
gut bis ausreichend
Seeing:
mittelmäßig
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Doppelsterne:
Epsilon Lyrae
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M22, M56
Offene Sternhaufen:
NGC6940, M11, M16
Planetarische Nebel:
M27
Gasnebel:
M8, M17, IC4703
Sonstiges:
Mond
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Um mal wieder auf den Geschmack zu kommen (wann war eigentlich unsre letzte Spechtelnacht???), habe ich mit etwas Einfachem begonnen, dem Vierfachstern Epsilon Lyrae in der Leier. Im 7mm Ortho bei 171x ist es natürlich kein Problem, den Stern in zwei senkrecht zueinander stehende Sternenpaare mit Zwischenraum zu trennen. Aber auch im 12,5er Ortho bei 96x gelingt diese Übung tadellos.
Aber eigentlich wollte ich ja wieder so richtig deep sky beobachten, und da bot sich der nahegelegene Ringnebel in der Leier, M57, in idealer weise an. Ein kurzer Schwenk, und schon zeigte Segafredo II bei 46x im Übersichtsokular den kleinen Ringel im überreich funkelnden Sternenfeld. Das Innere von M57 ist nicht so schwarz wie der umgebende Himmel, sondern dunkelgrau und somit einen Tick heller.
Bei 83x im Erfle fällt sofort die elliptische Form dieses planetarischen Nebels auf, bei indirektem Sehen blitzt WSW des Nebels ein schwaches Sternchen auf, welches bei 120x noch besser zu halten ist. Bei 120x sind im Ring selbst schon Helligkeitsabstufungen wahrzunehmen! Das NE-Segment des Rings erscheint mir am wenigsten leuchtkräftig.
Weiter geht die kosmische Reise zum nur weniige Grad entfernten Kugelsternhaufen M56. Bei 46x erkennt man einen blassen Nebel, dessen Anblick so typisch ist für einen noch nicht aufgelösten Kugelsternhaufen, andererseits ist er typisch als Vertreter dieser Gattung zu erkennen. Etwa 0,5° nordöstlich steht ein heller, orangegelber Stern.
Bei 83x wirkt M56 etwas bröselig, nach Norden hin leicht spitz zulaufend, wie leicht dreieckig.
NGC6940 ist ein großer offener Sternhaufen, der auf jeden Fall sehenswert ist! Bei 44x füllt er fast das gesamte Gesichtsfeld. Wie ein Rochen mit 2 Augen, Schwanz und weit ausgebreiteten Schwingen, die Umrisse von helleren Sternen markiert, das innere lauter feine, kleine Sterne, so schwebt der fast 1° große Haufen durch das Himmelsmeer. Da Karksochka das Objekt mit nur 25' Durchmesser angibt, scheint wohl nur der feine Sternenstaub innerhalb der Schwingen zum Sternhaufen zu gehören. Bei 83x sieht man erst die unzähligen Sternensprenkel, in Ost-West-Richtung scheint mir ein Dunkelband durch den Sternhaufen zu gehen, hier muß ich in einer mondlosen Nacht mal mit dem Zehnzöller ran.
Und nun der Star des Abends - der Hantelnebel M27: bereits bei 46x zeigt sich ein taillierter Nebelfleck im reichen Sternenumfeld, besser - deutlich besser - geht das Ganze mit UHC. Im 14,5er Erfle + UHC ein traumhafter Anblick, hier ist der breiter wie hoch - ein schwaches Nebeloval erstreckt sich quer zur Ausrichtung der Hantel. Links unten an der Hantel erkenne ich eine Art "Lichthaken". Um diesen Anblick festzuhalten, habe ich mich an einer Zeichnung versucht, leider habe ich einen relativ schlechten "batzaden" Bleistift erwischt. Hier aber trotzdem die Zeichnung:
M27, 6" f/8-Refraktor bei 83x mit UHC
Bei 120x mit UHC im Speers Waler ist im NW-Teil des Nebels ein Stern zu sehen, der Lichthaken im SE-Teil immer noch. Der kontrastreichste Eindruck ist allerdings bei 83x mit UHC im Erfle.
Und nun gings gleich zu einem weiteren Highlight, dem Wildentenhaufen M11 im Scutum. Schon bei 46x bietet sich ein Anblick von zig feinen Einzelternchen, ein Stern im Ostteil des Clusters ist besonders hell. Eine Dunkelstruktur taucht vom Westen her in den nebel und biegt nach Norden ab, am Rand dieser Struktur reihen sich etwas hellere Sterne. 83x zeigt, daß die Dunkelstruktur eher Zickzack- oder Christbaum-förmig ist - und das im Hochsommer... 120x zeigt noch deutlicher den blitzförmigen Riß durch M11, im 7,5er Speers Waler wird der Nebel und die Dunkelgebiete noch plastischer und Eindrucksvoller. Bei immerhin 160x sind unzählige einzelne Sternchen zu sehen, Hintergrundsternwolken der Milchstraße und eben die Dunkelstrukturen, wo nichts ist - so schön habe ich M11 noch nie gesehen. Das Foto auf S. 362 im Night Sky Observer's Guide ist mies im Vergleich zum visuellen Anblick im Sechszollrefraktor.
Bei M16 sieht man gut einen länglichen, y-förmigen Sternenhaufen, der umgebende Gasnebel fällt nur bei Vergrößerungen bis 83x - und da mit UHC - als leichter Lichtschimmer auf. M17, der Schwanennebel, ist bei 46x ohne UHC sehr blaß, mit UHC deutlich besser, ein länglicher Nebelkörper mit einem westlich liegenden, nach Süden weisenden Haken, bei 83x mit UHC erkennt man sogar wolkige Strukturen im geraden, länglichen und hellsten Teil des Nebels. 120x bringt die Wolkenstrukturen zwar größer, aber auch blasse, so daß dies - gegen Süden wird es leider ziemlich dunstig - keinen Informationsgewinn mehr bringt. M8 bestätigt meine EInschätzung, hier ist fast nichts mehr zu holen und ein abschließneder Blick zu M22 offenbart endgültig, wie schlecht der Himmel heute unter 20° Elevation wirklich ist.
Ein Blick auf den mittlerweile aufgehenden Mond zeigt erstaunlich ruhiges seeing, dafür, daß der abnehmende Halbmond nur etwa 10° über dem Osthorizont steht. 240-fache Vergrößerung erweisen sich schon teilweise als gut praktikabel. Trotzdem baue ich mein Graffel ab und stell alles noch in den Wintergarten - demnächst wird das neue Gartenhäuschen fertig, da findet dann auch der Astrokram seinen Platz, wo es nachts schnell raus- und schnell wieder reingeräumt ist.
Viele sternklare Nächte (in diesem Sommer fast schon sarkastisch klingend),
Markus
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