|
Endlich klares Winterwetter!
Nach wirklich monatelangem Astrofrust - von Mai 2005 bis in den Januar 2006 war wegen des permanent feuchten Wetters immer eine diesige, dunstige Atmosphäre, die Grenzgröße war über Wochen, ja Monate, so schlecht, daß ich schon der Meinung war, so gut ist der Himmel hier in Köfering doch wieder nicht. Endlich aber war es dann im Januar doch drei Tage relativ brauchbar, und so nutzte ich die drei Nächte - von denen ich blöderweise die letzten beiden mit Halsweh und Erkältng zu kämpfen hatte - für visuelle und fotografische Beobachtungen.
Wie gesagt, es war lange icht mehr so schön gewesen, und zum ersten Male seit Ewigkeiten sah ein sonniger Tag nicht milchig, sonder strahlend blau aus:
Der Sonntagnachmittagsspaziergang ließ richtig Lust aufkommen und vor allem die Hoffnung, der wirklich klar blaue Himmel würde sich bis in die späten Abendstunden halten...
Das Land lag unter einen geschlossenen Schneedecke, bis hin zum Horizont zeigte sich kaum Dunst.
Es war ziemlich kalt, unter Tags so um die -6°C, nächtens sank das Thermometer dann auf eisige -10°C. Dies war am ersten der drei Abende insbesondere deshalb relativ unangenehm, weil dazu noch ein ziemlich steifer Ostwind aufkam, der aber alleinig dafür verantwortlich war, daß endlich trockene kontinentale Luft die Feuchtigkeit aus der Atmosphäre putzte. Dinge wie Fokussieren oder Okularwechsel waren bei diesem Wind allerdings schon äußerst unangenehm.
Hier fasse ich ersteinmal alle Details des tollen Beobachtungsabends zusammen...
Da ich einige der besuchten Objekte anderntags fotografiert habe, kann ich diesen Bericht noch mit einigen deep sky Bildern illustrieren.
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
38mm TS WA (32-fache Vergrößerung bei 70°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
18mm Speers Waler (67-fache Vergrößerung bei 82°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
|
Zeitpunkt:
22.01.2006 19:30-22:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3 mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
mäßig
|
Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC1832
Kugelsternhaufen:
M79
Offene Sternhaufen:
NGC2244, NGC1981
Planetarische Nebel:
Gasnebel:
M42, M43, NGC1973, NCG1977
Sonstiges:
Saturn
|
Nun, wohin geht der Blick des ausgehungerten Astronomen im Winter zuerst? Der große Orionnebel war natürlich das erste Ziel der Wahl, aber halt - erst wollte ich noch die Grenzgröße grob bestimmen, immerhin war endlich mal wieder die gesamte Sternenfigur des Lepus am Himmel zu sehen, keine Dunstglocke, nichts. Einfach wunderbar.
Parallel unterhalb des Oriongürtels verläuft noch ein zweiter, sehr viel schwächerer Gürtel, der aus den sternen Sigma, HIP25980 (5m34) sowie 31 Ori (4m71) besteht. Am Himmelsäquator also noch über 5mag Grenzgröße - das ist auf jeden Fall nicht übel. Oberhalb von Beta Monocerotis erkennt man - ebenfalls mit dem bloßen Auge - eindeutg ein verwaschenes Fleckchen: das muß NGC2232 sein! Die Bedingungen waren also endlich mal wieder so, wie man sich das wünscht und so begutachtete ich erstmal M42. Ach ja, zwei neue Okulare warten da ja auch noch auf ein first light: Ein 38mm TS-WA mit 2" Steckdurchmesser und 70 Gesichtsfeld sowie ein 18mm Speers Waler mit 82° Gesichtsfeld in 1,25".
Im 2"-Okular bei 2,2° Bildfeld ist der Orionnebel natürlich atemberaubend schön! Die schwächere Schwinge, die in einen breiten Nebelschleier ausläuft, erstreckt sich fast bis zum untersten Gürtelstern.
M42, Komposit aus 3 Bildern a 240sec auf Fujichrome Sensia 400,
FH-Refraktor, D=102mm,f=500mm
Sogar bei dieser niedrigen Vergrößerung konte man die 4 Trapezsterne deutlich trennen! Ein absolut genialer Anblick, der zusammen mit dem offenen Sternhaufen NGC1981 einen sehr sehr plastischen Effekt von "weitem Weltraum" liefert. Zwischen M42 und NGC1981 liegt eine weitere Gaswolke, ine schwace Nebelinsel, NGC1973, die dank des tollen KOntrasts des Sechszöllers wunderbar im Raume schwebt. Bei diesem Nebelkomplex scheint der hellste Lichtknoten um den helleren, westlich liegenden Stern zu sein, der Rest des Nebels ist wohl NGC1977. Höhere Vergrößerungen liefern - mit und ohne UHC - atemberaubende Detailansichten von M42 und M43, die Huygensbucht liegt sattschwarz als Einkerbung des Nebels da, auch M43 ist schön in Form enes etwas dicken Kommas zu erkennen. Für die E-Komponente des Trapez reicht es nur ab und zu blickweise, weil das seeing beihöheren Vergrößerungen einfach grausam ist. Die einströmende Kaltluft zeigt hier eindeutig ihre Wirkung.
Der Flammennebel, NGC2024, ist wie immer visuell eine sehr, sehr flaue Angelegenheit. Immerhin scheint man zu erkennen, daß sich der teilende Dunkelstreifen am Südende des Nebels Y-förmig teilt. Ob dem so ist, wollte ich natürlich auch fotografisch näher erforschen:
NGC2024, Komposit aus 3 Bildern a 240sec auf Fujichrome Sensia 400,
FH-Refraktor, D=102mm,f=500mm
Tja, so ganz war das dann nicht mit der Y-förmigen Verzweigung. Wie gesagt, visuell ist der Flammennebel immer sehr, sehr enttäuschend.
Wenn wir schon beim Thema enttäuschende Nebel sind: Der Rosettennebel war auch bei 2,2° Gesichtsfeld visuell nicht zu sehen - einen 2" UHC hab ich leider nicht. Der in die Rosette eingebettete offene Sternhaufen NGC2244 besteht im Wesentlichen aus zwei parallelen Sternenketten, ist also auch nicht unbedingt spannend. Immerhin war auf dem entsprechenden Foto etwas zu erkennen:
Der Rosettennebel, Einzelbild 240 sec. auf Fujichrome Sensia 400,
FH-Refraktor, D=102mm,f=500mm
Nun ging es noch ein wenig ins Sternbild Lepus, wo ich als erstes die Galaxie NGC1832 aufsuchen wollte, von der allerdings nichts zu sehen war, obschon ich nach Aufsuchkarte genau am richtigen Fleck gelandet sein mußte. Hier ists wohl für schwache Galaxien doch schon zu horizontnah. Ein schöner Erfolg war aber dann noch der Kugelsternhaufen M79, der wunderbar die typische Gestalt eines doch recht weit entfernten Kugelhaufens zeigt. Bei 120x ist er schön in den helleren, grieseligen Kern und die weniger hellen, aber lockerer grieselnden Aussenbereiche zu trennen. Eine Auflösung des Haufens ist allerdings mit dem Sechszöller nicht möglich. Genau südlich von M79 - bei 160x besonders gut erkennbar - steht ein einzelnes Sternchen.
Saturn neben M44 ist im 38mm-2-Zoll-Okular ein wunderbarer Anblick, auch höhere Vergrößerungen zeigen ein wenig Planetendetails, allerdings ist, wie schon erwähnt, das seeing aufgrund der einströmenden kontinentalen Kaltluft derart schlecht, daß die Cassiniteilung sogar nur momentweise sichtbar wird.
Folglich habe ich alles abgebaut, kalt genug wars ja, und mich in die wärmenden Federn gekuschelt.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
|