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Bekanntes, Unbekanntes und Erstaunliches im Löwen
Im Februr ging wieder mal gar nichts, naja, und der März schleppte sich auch Woche für Woche, bis endlich doch am Sonntag mal richtig klares sonniges und zumindest tagsüber schon relativ warmes Wetter mit fast 10°C war. NAchmittags machten wir mit unserer kleinen Tochter Fiona einen Spaziergang in die Regensburger Altstadt, wos ein erstes Eis und einen Espresso zur Stärkung gab. Wieder zu Hause angekommen - es war tatsächlich immer noh klar und versprach, eine vernünftige Nacht zu werden - habe ich erstmal das Teleskop im Garten aufgebaut, die Montierung in der Dämmerung per Polsucher noch etwas genauer eingenordet, und mir die Liste rausgekramt, die ich tags zuvor schon aus dem Night Sky Observer's guide rausgeschrieben hatte, die all die Galaxien umfaßte, die ich in dieser Nacht aufs Korn nehmen wollte. Hier aber wie immer ein tabellarischer Überblick über besagte Beobachtungsnacht:
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
38mm TS WA (32-fache Vergrößerung bei 70°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
18mm Speers Waler (67-fache Vergrößerung bei 82°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
19.03.2006 20:00-00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3 mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
sehr gut
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Doppelsterne:
Algieba, Iota Leonis
Galaxien:
M65, M66, NGC3628, NGC3593, NGC3489, M105, NGC3384, NGC3389, NGC3521
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Saturn, Jupiter
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Bevor es richtig dunkel wurde- dunkel genug für Galaxien - wollte ich erstmal in aller Ruhe wieder Planeten beobachten, Saturn steht ja mittlerweile am frühen Abend recht hoch schon fast im Süden. Die NAcht war sehr transparent, es waren mit bloßem Auge sehr viele Sterne erkennbar, normalerweise ist dies ein Zeichen für eher mäßiges seeing. Aber, Bärbel und ich waren erstaunt und überrascht, Saturn stand ruhig und ohne zu Zittern im Okular. Das roch förmlich danach, die Vergrößerung höher zu schrauben. Bei 171x im 7mm Ortho fällt die Cassiniteilung wohl auch einem Maulwurf auf, der Schatten des Planeten auf der Sonnenabgewandten Ringseite verleiht dem Ganzen einen guten Schuß an Plastizität. Unterhalb des Ringsystems lugt noch die Polkappe hervor - das sit schonmal ein wahnsinns Anblick! DIe ideale Vergrößerung aber liefert das 5mm Eudiascopic mit 240x! Der jetzt nochmals deutlich größere Saturn zeigt die hellolivgrünlichen Wolkenbänder - eines besonders auffallend parallel zum Ring, ein weiteres Richtung Polkappe - einfach phantastisch. Die Cassiniteilung zeigt sich ansatzweise auch vor der Planetenkugel, ein seeing, bei dem man wirklich ins Schwärmen geraten könnte. Kollege Chromacorr II von Aries macht vergessen, daß ich eigentlich mit einem 6" f/8 Fraunhofer beobachte. Probeweise ziehe ich die Vergrößerung noch höher, nehme das 7mm mit der Celestron Ultima Barlow in den Zenithspiegel. 340-fache Vergrößerung am Sechszöller - eigentlich Blödsinn. Trotzdem erstaunt es mich, daß bei dieser Vergrößerung immer noch endeutig die Wolkenbandfärbungen, die Cassiniteilung etc. sichtbar sind, wenn auch natürlich nichtmehr so knackig scharf wie bei 240x. Falschfarbe ist hingegen auch bei 340x nicht im geringsten Umfang erkennbar.
Ein Schwenk zu Algieba, Gamma Leonis, zeigt bereits im 26er Superplössl bei 46x zwei goldgelbe Sterne, im 7er Ortho sind die beiden hellen goldgelben Sterne dann sehr leicht mit viel Zwischenraum zu separieren.
Zugunsten einer höheren Transmission - jetzt gehts an Galaxien - nehme ich den Chromacorr aus dem Strahlengang und schwenke - sozusagen zum Warmsehen - zum berühmten Leotriplett, M65, M66, NGC3628. Im 26er Superplössl bei 46x sind sofort alle drei Galaxien zu erkennen, auch Bärbel ist von dem Anblick recht angetan. Im 2" 38mm TS WA mit 70° Gesichtsfeld (welch ein Brummer) sind die drei Galaxien fast noch deutlciher zu sehen und stehen wunderbar im weiten Sternenfeld. Bei dem verheißungsvollen Gesamtüberblick sind wir natürlich auch scharf auf mehr Details, also kommt das 14,5er Erfle zum Zug und das 18mm Speers Waler, die uns mit 83x bzw. 67x schon genauere Einblicke gewähren. Ja, M65 und M66 sind von der Form her trotz ähnlicher Orientierungslage unterschiedlich! Die östliche Galaxie, die bei den 4 hellen Sternchen (M66) ist rundlicher als M65 und hat einen deutlich vom Kern abgesetzten, etwas diffuseren Halo, wohingegen M65 eher homogen länglich wie aus einem Stück erscheint, hier ist der Unterschied zwischen Kern und Halo deutlich weniger ausgeprägt. NGC3628 wirkt von der Umrandung her fast unregelmäßig, siel liegt zwischen zwei Sternen N der beiden Nachbarn und streckt sich parallel zur Verindungslinie M65-M66. Irgendwie errinnert sie mich an eine lichtschwache Version von M82.
Weiter geht es ein Stück Richtung Westen zu NGC3593. Bereits bei 48x ist diese 10m9 helle Galaxie mit 13m4 Flächenhelligkeit gut zu erkennen: Auf der Nordseite eines Sterndreiecks, parallel zu dessen Hypothenuse ausgerichtet, liegt symmetrisch zur Spitze des Dreiecks, diese Galaxie. Sie hat einen recht stellaren Kern und dünne, feine, spindelförmige Ausläufer, die vor allem bei indirektem Sehen deutlich hervorschimmern. Diese Details sind bis 87x visuell zu halten.
Es erstaunt mich - und auch Bärbel - immer wieder, wieviele Details der 6"-Refraktor an Galaxien ins Auge zu zaubern vermag. Unser 10" Newton bildet zwar heller ab, aber die Feinheiten sind nicht um so viel deutlicher auszumachen. Dieses Fernrohr ist - gemessen an seiner Öffnung - fast schon ein Spezialist für Objekte mit sehr subtilen Helligkeitsunterschieden und Helligkeitsstrukturen wie Galaxien und schwache Gasnebel. Galaxien bis runter ur 12mag-Kategorie sind mit diesem Rohr reproduzierbar in Reichweite.
Die im nächsten Schritt anvisierte 10m3-Galaxie mit 12m2 Flächenhelligkeit ist schon fast als leichtes Objekt zu bezeichnen! Die 2:3 elongierte Galaxie ist erstaunlich hell, bei 83x noch detailreicher zu sehen wie bei 46x. Bei 120x ist an der Spitze der Galaxie, in etwa einer Galaxienlänge Abstand, indirekt ein kleines Sternpünktchen zu sehn. Leider zeigt die Galaxie trotz ihrer Helligkeit keinerlei Details, sondern nur die 2:3 gestreckte elliptische Form, von innen nach aussen schwächer werdend.
M105 und ihre Begleiterin NGC3384 sind ebenfalls gut zu sehen, allerdings nur als runde bzw. ovale Aufhellungen ohne Struktur. Bei 87x Vergrößerung taucht auch die Galaxie NGC3389 auf, die mit ihren 11m9 allerdings keine Details offenbart. Sie ist nur als längliche auf M105 gerichtete Aufhellung - Spindel wäre zuviel gesagt - zu sehen, aber eindeutig zu halten, auch Bärbel sieht die Galaxie, ohne daß ich sie extra darauf aufmerksam mache.
Als Entspannung bei Rotlicht im Wintergarten ein Tässchen Tee, dazu Musik von Olivier Messiaen aus dem Radio, mit Bärbels Kommentar: Zu dem Anlass sollte man ihn glatt in Olivier Messier umtaufen.
Rotlicht im Wintergarten? Ja, um eine Säule im Wohnzimmer rankt sich eine Kletterpflanze, die normalerweise von einem 40W-Halogenspot angestrahlt wird. Zu Spechtelsessions wird dieser rausgedreht und es kommt ein roter Spot rein. Zur Nachahmung empfohlen! Das gerichtete Licht stört kaum, im Rotlichtkegel selbst steht mein Notenständer mit Karkoschka oder Himmelskarte, so ist das ideal lesbar. Der Spot ist ein Paulmann "Disco" mit nur 25W! Dies war der einzige verfügbare 25W-Spot, der gleich noch den Vorteil hat, daß das Rot ein besonders tiefer langwelliger Farbton ist, der nicht ins orange changiert.
Und der 25W Spot ist gegenüber den meist erhältlichen 40W-Spots um einiges moderater von der Helligkeit.
Als nächstes gabs mal wieder einen Doppelstern, und zwar Iota Leonis. Dieser ist trotz guten seeings schon eine bös harte Nuß (4m0, 6m7, 1,7"). Fast 3mag Helligkeitsunterschied bei 1,7" ist nicht so easy. Aber bei 240x erkennt man doch SSE des Hauptsterns im zweiten Beugungsring den hellen Punkt des Begleiters, wenn auch schwach, so doch recht eindeutig.
Als letztes Objekt kam dann noch eine Galaxie, die recht südlich im Löwen steht und nicht ganz einfach zu finden ist. Das heißt, zumindest ich hab ein halbes Dutzend Anläufe gebraucht, bis ich mir schnell einen Ausdruck mit Cartes du Ciel machte und aufgrund dieses dann nach weiterne drei Anläufen doch noch den Richtigen Startstern für den Starhop erwischt habe. Konkret geht es um NGC3521, die ich als DEN Geheimtip im Löwen und als erstaunliche Entdeckung bezeichnen möchte. Die Galaxie ist nicht im Karkoschka, aber mit 9m0 bei einer Flächenhelligkeit von 13m6 recht vielversprechend von der Papierform. Und in der Praxis? Besser noch wie die Papierform! Ein Gerät, das eher in der M65/M66-LIga spielt wie in der NGC3628-Klasse! Westlich eines Sterns liegt die N-S elongierte Galaxie mit einem sehr hellen (!) stellaren Kern, umgeben von einem weiten, indirekt gut zu sehenden Halo, ideale Vergrößerung ist 87x, aber auch bei 120x ist die Galaxie noch gut zu beobachten! Diese helle Galxie mit schöner Kern/Halo-Struktur ist auch im nicht so großen Fernrohr ein mehr als nur lohnenswertes Objekt!
Eine wunderbare Sternennacht neigt sich ihrem Ende zu, aber den Ausklang soll der König der Planeten Jupiter bilden, der sich schon über den Horizont gearbeitet hat. Es ist mit -3°C zwar frisch, aber das gute seeing wollte ich noch ausnutzen. Bereits bei 171x zeigt sich - es ist 00:30 Uhr Montag früh - daß sich der große rote Fleck genau im Zentralmeridian, also mittig auf der Planetenkugel befindet. Einige Strukturen in den Wolkenbändern, ein schöner Anblick. Allerdings merke ich, daß meine Augen vom vielen Galaxienbeobachten (gerade viele Details an wenig Objekten strengen sehr an!) doch reichlich ermüdet sind, und so verstaue ich meine ganzen Sachen und es geht ab in die Heia...
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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