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Sternhaufen des Frühsommers
Hallo Sternfreunde,
Anfang Juni haben wir - nachdem wir abends noch gemütlich gegrillt hatten und die beiden Kleinen, Fiona und Antonia, im Bett waren - nach längerer wetter- und zeitmangelbedingter Abstinenz mal wieder zu den Sternen gegriffen.
Zuvor hatte ich am späten Nachmittag im Garten noch einige Makroaufnahmen mit dem Balgengerät gemacht, wie z.B. diese Schwertlilie:
Iris germanica, f=210mm f/16 + Balgen, 1/350 Sek @ ISO200, Pentax *ist DL2
Noch in der Abenddämmerung hab ich den 6" f/8-Refraktor auf seiner EQ-6 im Garten aufgebaut, zwei Liegestühle daneben gestellt und somit stand einem gemütlichen Spechtelabend nichts mehr im Wege. Während langsam die Dämmerung immer mehr den Garten, das Teleskop und uns in ihren Besitz nahm, genossen wir noch einen kleinen, starken, schwarzen Espresso mit einer Kugel Vanilleeis, um für den Abend gestärkt und wach zu sein. Vorab aber erstmal - wie immer - ein kurzer technischer Abriss des Abends:
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
38mm TS WA (32-fache Vergrößerung bei 70°)
32mm TS WA (38-fache Vergrößerung bei 70°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
18mm Speers Waler (67-fache Vergrößerung bei 82°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
08.06.2007 22:00-01:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5 mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
ausreichend
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M92, M13
Offene Sternhaufen:
NGC6633
Planetarische Nebel:
M57, NGC6572
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Jupiter
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Da im Hochsommer die Dämmerung zwar hereinbricht - zumindest noch im Süden Deutschlands auf 48,9° nördlicher Breite - dieses aber trotz alledem mit bisweilen aufreinzender Langsamkeit zelebriert, haben wir den Beobachtungsabend mit Jupiter begonnen, was bei Bärbel nur ein mehr oder weniger gelangweiltes "net schon wieder Jupiter, da gibt's doch nix zu sehn" entlockte. Nun ja, bei den Sichtbedingungen hatte Bärbel wahrlich nichtmal sooo unrecht. Um 22 Uhr steht Jupiter doch noch sehr tief, ist eine im Horizontdunst hängende, gelb-ornage Planetenkugel, kaum Details, nur zwei dunkelrötlichbraune Hauptbänder, davon eines etwas kräftiger (NEB) und dunkler, die südliche Polkalotte zeigt einen Verlauf ins Dunklere.
Nun wurde, als einfacher Einstieg, der Ringnebel in de Leier, M57, anvisiert. Bereits bei 83x ist deutlich die leicht abgeplattete Ringstruktur erkennbar, daneben blitzt ab und an ein kliener Stern an der Schmalseite des Ringovals auf. Bei 120x nimmt der UHC - Filter eher Strukturerkennbarkeit weg, als einen ZUgewinn zu erbringen, im 7,5er Speers Waler - bei nunmehr 160-facher Vergrößerung - erkennt man ohne UHC-Filter bereits unterschiedliche Helligkeiten in der RIngstruktur. Reduziert man die Vergrößerung wieder auf 83x, so sieht man jetzt - aufgrund der mittlerweile erreichten perfekten Hintergrunddunkelheit des Himmels - daß das Innere des Rings nicht so komplett dunkel wie der umgebende Himmel ist, sondern einen nebligen Grauschleier zeigt.
Mittlerweile also ahtte der sehr laue Abend auch seine komplette Nachtschwärze erreicht. Da - ein kurzer Ausruf von Bärbel: Schau mal, Glühwürmchen! Tatsächlich, huschen hier tatsächlich ein paar blaugrün fluoreszierende Pünktchen geräuschlos durchs Arboretum. Irgendwie erinnert deren Farbe an die kleinen planetarischen Nebel, wie den Eskimonebel (brrrr) oder den blue snowball. Gibt's was schöneres, als eine gemütliche, warme Sommerbeobachtungsnacht?
Ich drehe weiter an der EQ-6 und stelle den Refraktor auf M13, den Kugelsternhaufen im Hercules ein. Dieser wirkt -so Bärbels O-Ton - bereits bei 46x britzelig. Bei 78x steigert sich der körnige Anblick bereits bis ins Sternhaufenzentrum. Im 7,5er bei 160x und 1/2° Himmelsbildfeld steht der bis ins Zentrum körnige, prachtvolle Sternahufen mit seinen nach aussen um sich greifenden Sternenketten richtiggehend dreidimensional und plastisch im Okular. Eigentlich sollte man sowas zeichnen. Aber an Kugelsternahufen hab ich mich zeichnerisch noch nicht rangetraut, zu diffizil erscheint es mir, die granuläre Körnigkeit mit Bleistift auch nur annähernd realistisch aufs Papier zu bringen. Daher entscheiden wir uns für den vollkommen unromantischen und technischen Weg, unsere digitale Spiegelreflexkamera, die wir uns im Frühsommer zugelegt hatten, heranzuziehen und direkt an den Refraktor anzuklemmen. Und in der Tat, das Ergebnis sieht sogar aus wie M13:

M13 (30 Sek. @ ISO 1600, Semiapo 152/1200, Pentax *ist DL2, 33% size)
Zum Vergleich haben wir dann den zweiten hellen Kugelsternhaufen im Hercules, nämlich M92, beobachtet. Dieser ist zwar etwas kompakter wie M13, wirkt aber - zumindest bei 46x - nach unserer beider Überzeugung deutlich heller und strahlender. Bei 78x offenbart sich ein ins Zentrum zwar granularer, jedoch nicht so deutlich aufgelöster Kugelsternahufen wie M13. Im Gegensatz zu diesem ist M92 aber von einem Halo niedrigerer Sterndichte umgeben, in dem besonders viele Einzelsternfünkchen visuell trennbar sind. Das Foto von M92, welches wir uns nicht entgehen lassen wollten, ist uns allerdings nicht ganz so gut gelungen:
M92 (30 Sek. @ ISO 1600, Semiapo 152/1200, Pentax *ist DL2, 25% size)
Zumindest erkennt man, daß M92 im Zentrum heller, dichter und in der Ausdehnung kleiner als M13 ist, da Brennweite, Kameraempfindlichkeit und Belichtungszeit konstant gehalten wurden .
Leider zogen mittlerweile sommerliche Dunstbänke durch, und so versuchten wir lediglich, die beiden Objekte der Saison aus Interstellarum vor die Linse zu kriegen. Als erstes ist hier der kleine planetarische Nebel NGC6572 zu nennen, der im dichten Sternfeld kaum auffällt. Nur mit UHC bei 46x erkennt man durch den typischen Blinkeffekt (der Nebel zieht sich bei direktem Ansehen quasi zusammen und wird größer und heller, wenn man im Feld einen anderen Stern ansieht) seine Gestalt als planetarischen Nebel. Bei 83x mit UHC vertsärkt sich der Blinkeffekt, der Nebel selbst bleibt aber nahezu stellar. Auch bei 120x und 160x bleibt es ein türkis leuchtender, diffuser kleiner Nebelball mit tendenziell etwas ausgefranstem Rand. Weitere Strukturen sind nicht erkennbar, wohl auch ein Tribut an den aufziehenden Dunst.
Weiters ist der recht große offenen Sternhaufen NGC6633 als Objekt der Saison ausgeschrieben. Der recht längliche Haufen besteht aus locker gestreuten, helleren Sternen, dazwischen das Gewimmel kleinerer Sterne des reichen Milchstraßenfeldes, so daß der Sternahufen nur aufgrund des Dutzend heller Sterne überhaupt auffällt. Ich vermute, daß NGC6633 nur aus diesen hellen Gerüststernen besteht, die kleinen Sterne dazwischen sind - wenn man sich die hellen Gerüststerne wegdenkt - genauso homogen verteilt wie in der gesamten Umgebung von NGC6633. Auch hier haben wir wieder ein Foto geschossen.
NGC6633 (30 Sek. @ ISO 1600, Semiapo 152/1200, Pentax *ist DL2, 25% size)
Ein abschließender Blick auf Jupiter zeigte uns noch, daß die Woklenstrukturen jetzt, da der Riesenplanet doch um Einiges höher steht, deutlicher, schärfer und detaillierter hervortereten, aber leider immer noch größtenteils Opfer des heute sehr unruhigen seeings bleiben, welches heute kein Flirren der Luft ist, sondern den Planeten sich immer wieder zu einem unscharfen Klecks aufblasen läßt, also eine besonders störende Ausprägung von Seeing.
Nun, auch die Dunstschleier wurden zunehmends offensichtlicher, und so verstaute ich alles wieder an seinem Platz und eine besonders schöne Sommersternennacht ging zu ende.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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