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Köfering Starparty - Beobachtung am Limit
Hallo Sternfreunde,
an diesem Sonntag gab es hier bei mir in Köfering mal ein etwas anderes Spechtelerlebnis. Begonnen hatte alles damit, daß sich Norbert, unser Praktikant, nach langen Diskussionen, ob Dobson oder nicht Dobson, sich letztendlich vor zwei Wochen für einen Skywatcher 254mm/1200mm - Newton, äquatorial montiert auf EQ-6 entschieden hat. Natürlich war klar, das Ding werden wir gemeinsam mal ausprobieren. Fürs Wochenende war ja gar nicht mal so schlechtes Wetter angesagt, vielleicht würd's ja was werden. Jedoch, der Sonntag war von ziemlichen Anhäufungen von Quellwolken gespickt, auch wenn es nachmittags immer öfters sonnig wurde. Ein Telefonat: sollen wir, sollen wir nicht? Ich saß grad auf der Terasse, hab am Laptop Cartes du ciel installiert, als Norbert anrief. Wie schaut's bei Dir aus? Bei uns regnets grad! Ernüchterung? Nach langem Disput, Internetrecherche in diversen Wettervorheragen, Bewölungsmodellen etc. und einem Blick aus dem ersten Stock ließ uns zur Einsicht kommen: die Quellwolken könnten in sich zusammenfallen und wir riskieren es. Und in der Tat, es wurde zusehends klarer und klarer, und so konnten wir eineinhalb Stunden später - noch in der zeitigen Dämmerung - gemütlich unsere Rohre aufbauen. Norbert den 10" f/4,7-Newton auf seiner EQ-6, ich den 6" f/8-Refraktor auf meiner EQ-6, schließlich macht es wenig sinn, zwei Zehnzollnewtons nebeneinander aufzubauen. Natürlich haben wir beide Teleskope ans Limit ausgereizt, umso erstaunlicher war, was wir in dieser Nacht trotz - oder gerade wegen - des gut halb vollen Mondes alles zu Gesicht bekamen.
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer, D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
38mm TS WA (32-fache Vergrößerung bei 70°)
32mm TS WA (38-fache Vergrößerung bei 70°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
18mm Speers Waler (67-fache Vergrößerung bei 82°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter 1,25"
TS OIII-Filter, 1,25"
TS UHC-Filter, 2"
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Zeitpunkt:
13.04.2008 21:00-02:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,5 mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
sehr gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M104
Kugelsternhaufen:
M53, M3, M13
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
M57
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Mond, Saturn
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Als erstes wurde also, nachdem Norbert bei mir eingetroffen war, so zwischen halb acht und acht sein Zehnzöller auf der EQ-6 im Garten aufgebaut; meine EQ-6 hatte ich vorher schon aufgestellt, Die Tuben lagerten wir zum Auskühlen im Garten und zogen uns erstmal für ein halbes Stünderl in die Bibliothek zurück, um in diversen Stern- und Mondatlanten zu schmökern. Nachdem es so auf halb neun zuging, war es nun doch dunkel genug, daß der Polarstern im jeweiligen Polsucher gut einzustellen war und nun kamen die Optiken auf ihre jeweilige Montierung, der Newton auf die EQ-6mit Standardstativ in niedrigstmöglicher Höhe, für den Refraktor ist das Achsenkreuz der EQ-6 auf dem schweren Holzstativ in etwa in der Höhe des Okularauszuges des Newtons bei Zenithbeobachtung. Zwei mächtige Geräte, die so direkt nebeneinander schon einiges hermachen. Aber - Teleskope sind zum Durchschauen da, nicht zum Anschauen, und so war das erste Ziel der Ringplanet Saturn. Mann, war das ein Seeing! Dafür, daß erst am Spätnachmittag ein frischer Wind die Quellwolken zusammenfallen ließ, war das seeing außerordentlich! Visuell auf jeden Fall über weitere Strecken 9/10! Nur zwischenzeitlich gab es ca. zwei- bis dreiminütige Turbulenzzellen, in denen synchron in beiden Teleskopen das seeing dramatsich nach unten absackte. Aber diese Seeingeinbrüchen fanden nur ca. alle Viertelstunde statt - mehr als genug extrem ruhige Minuten, um das seeing als selten gut zu bezeichnen. Entsprechend war in beiden Teleskopen schon bei 90-facher Vergrößerung der Schatten des Rings auf der Planetenkugel und der Schatten des Planeten auf dem Ring wie fotografiert und dreidimensional plastisch zu sehen. Die ideale Vergrößerung war im Refraktor bei 171x (7mm Ortho) und 240x (5mm Eudiascopic), im Newton arbeiteten wir meist mit 150x bis 240x (Speerrs Waler 5-8mm Zoom). Bei 240x konnte man wunderbar die Wolkenbänder auf der Saturnkugel studieren, sowie deren unterschiedliche Färbung nördlich und südlich des sehr schmal stehenden Ringsystems. Schön die hellelfenbeinfarbene Saturnkugel mit den dunkleren, teils ins grünlichgelbe, teils ins bäuliche changierenden Wolkenstreifen. Die Cassiniteilung war in diesem Vergrößerungsbereich bei beiden Fernrohren in den Ansen bis an die Planetenkugel zu sehen, davor aber definitiv nicht mehr. Ist im chromakorrigierten Refraktor bei 240x das Ende der Fahnenstange erreicht, kann man hingegen im Zehnzollnewton noch eins draufsatteln. Das 5mm Eudiascopic zeichnet doch tendenziell schärfer als das Speers Zoom, das ja eher ein hochvergrößerndes Deepsky-Okular ist, und gepaart mit meiner Celestron Ultima 2x-Barlow gehts am Newton mit 480-facher Vergrößerung auf den Ringplaneten. Hier wird er schon verdammt groß, all die Details fallen natürlich noch etwas deutlicher ins Auge, allerdings war es auch nicht so, daß deutlich mehr Details wahrnehmbar waren. Im Refraktor hingegen wird das Bild bei 480x schon ziemlich flau und deutlich übervergrößert. (Naja, sind halt auch nur 6" Öffnung).
Weiter gings zum Mond, der an diesem Abend einen Tag nach Halbmond stand, und hier wurde es richtig spannend! Wenn er schon so zum Greifen nahe am Himmel prangt, dann wird er auch bespechtelt, und zwar am Limit! So wurde der Terminator, nach einer kurzen Orientierungsphase bei ca. 100x gleich bei 240x und 170x abgegrast. Absolut wahnsinn, welch detaillierte Strukturen man an diesem Abend sehen konnte! Was besonders ins AUge stach, waren die Schatten tief in den Kratern Ptolemäus, Alphonsus und Arzachel. Da die Sonne noch verhältnismäßig tief stand, warfen die umgebenden Wallgebirge zackige und teils tief eingefurchte Schattenfiguren auf den jeweiligen Kraterboden. Derart plastisch ist mir dies noch nicht aufgefallen, aber heute war wohl der Sonnenstand grade so, daß die Krater schön hell waren, aber doch die Schatten das terminatorseitige Drittel der Kraterbasis durchzeichneten. Grade Ptolemäus und Alphonsus zeigten diesen Effekt sehr stark, wobei der größere Ptolemäus einige Berge mit dazwischen liegenden breiten und tiefen Tälern in den Schattenfiguren offenbarte, wohinegen die Zacken des kraterwalls von Alphonsus viel kleiner und näher beinander waren.
Besonders schön zeigte sich auch eine Menge kleienr Krater innerhalb der gut 130km messenden Wallebene Walter, die allesamt in der 10km-Kategorie liegen und wunderbar zu studieren waren. Das Vallis Alpes zeigte an diesem Abend sehr steil wirkende Abbruchkanten, die grell von der Sonne angestrahlt waren. Die Dorsa und Kleinstkrater, sowie die wunderbaren Gebirgszüge im Mare Imbrium, die beim heutigen Sonnenstand besonders schön zur Geltung kamen, führten mir wieder vor Augen, warum dies meine absolute Lieblingsgegend auf dem Mond ist! Genauer - oder genauestens - haben wir Mons Piton beziehungsweise seine allernächste Gegend unter die Lupe genommen. Bereits der Berg selbst zeigte an seiner Oberfläche verschiedenst relativ zur Sonneneinstrahlung geneigte Flächen, er wirkt aber relativ wenig zerklüftet. Südlich davon stehen die beiden Kleinkrater Piton A und Piton B, jeweils mit rund 5km Durchmesser in beiden Optiken deutlich in den Kraterwall mit nach innen und anch aussen geneigten Abhängen und den Kraterboden auflösbar. Und nun verließ uns - im ersten Ansatz - auch der Rükl'sche Mondatlas: Bildet man nämlich aus Piton A und Piton B ein gleichseitiges Dreieck mit einem Punkt, welcher in Richtung Mons Piton / Montes Alpes weist, so befindet sich an dieser Stelle etwas. Aber was? Norbert mutmaßt, ein kleiner Krater, auch Bärbel ist dieser Meinung. Im Refraktor erscheitn es mir aber wie eine erhabene Struktur, ein kleines "Batzerl". Ich wechsle zum Newton, auch hier erscheint mir persönlich die Struktur eher ein Hügel zu sein denn eine Vertiefung. Im Gegensatz zum Refraktor, in dem diese Kleinststruktur nur blickweise zu sehen ist, ist sie im Zehnzollnewton dauerhaft zu halten. Bei 480x im Newton zeigt sich sich in Richtung Montes Alpes noch eine zusätzliche, länglihce Verteifung abzuzeichnen, die im Refraktor nicht mehr zu erkennen ist.Foto 32 im Rükl zeigt diese Struktur, und auch auf diesem Foto wirkt sie wie ein Hügel. Google Moon beschreibt diese Region lediglich als Scattered Craterlets. Wahrscheinlich ist der "Hügel" nur ein Teil eines ansonsten bereits verfallenen Kraterüberrests. Die Größe dieser Struktur, dieses Hügelchens liegt bei nurmehr ca. 1km! Da der Mond sein Perigäum bereits deutlich hinter sich hat und an diesem Abend bereits auf halbem Weg zum Apogäum war, gehen wir von einer Erdentfernung von ca. 380000km aus. Die besagte Struktur ist also lediglich 0,5" groß! Das ist auch de Grund, warum sie im Sechszöller nur blickweise, im Zehner dagegen dauerhaft zu sehn war, hat der Sechser ja eigentich nur 0,75" Aulösungsvermögen, wohingegen der Zehnzöller 0,45" bringen müßte.
Mittlerweile war das Thermometer auf ca. 8C gesunken und wir hatten genug Eindrücke aus unserem Sonnensystem gesammelt. Langsam verschwand der Mond auch hinter unsrem Hausgiebelund störte nicht mehr so direkt. Noch ein halbes Stünderl in der Küche bei einer heissen Tasse Tee aufgewärmt, die Winterstiefel aus dem Schrank geholt und es konnte weitergehen. Als erstes Objekt fuhr ich, während Norbert mal wieder prüfte, ob seine Beugungsringe immer noch rund sind, die Sombrerogalaxie M104 in der Virgo an. Bei 48x gleich als länglicher Nebelstreifen zu sehen, trotz des wegen de Mondes verdammt hellgrauen Himmelshintergrundes. Also gleich auf 78x hochvergrößert, jetzt erkennt man bereits, daß die Galaxie auf einer Seite sehr scharf begrenzt ist, wie abgeschnitten. Und im 10er Speers Waler bei 120x erkennt man darüberhinaus noch, daß die Galaxie mittig etwas dicker ist. Mehr an Details gab aber der Himmel an diesem Abend nicht her.
Mittlerweile hatte Nobert auch genug de Beugungsringe und so wurde das erste gemiensame Deep-Sky-Ziel, der KUgelsternhaufen M53 in Coma Berenices angefahren. In beiden Fernrohren beginnt die Auflösbarkeit des mittelhellen Kugelsternhaufens so ab ca. 80-facher Vergrößerung, wobei die hellsten Einzelsterne im Zehnzöller etwas deutlicher hervorsprenkeln. Bei 171x im Refraktor beginnt M53 aber dann doch verwaschen zu wirken, hier fehlt das Licht. Doch auch im Zehnzöller läßt bei 170x die Detailwahrnehmbarkeit dramatisch nach. Ein ganz anderes Kaliber ist das schon der globular cluster M3 in den Canes venatici. Da fallen schon bei 48x die ersten Einzelsterne auf und der ganze Haufen wirkt sehr körnig. Dieser Eindruck verstärkt sich mit zunehmender Vergrößerung, und bei 170x zeigen beide Optiken einen bis in die zentralen Bereiche körnigen, aufgelösten Kugelsternhaufen. Keine Frage, der Zehnzöller zeigt alles natürlich mit einem Plus an Deutlichkeit, aber der Sechszöller zeigt im Wesentlichen die selben Details, nur eben nicht so hell. Ähnliche Verhältnisse auch an M13, dessen radiale Sternketten in beiden Optiken einen wundervoll plastischen Effekt geben. Die Galxie neben M13 konnte auch im Zehnzöller nicht ausgemacht werden, da einfach der Himmel - trotz der mittlerweile abgeschalteten Straßenbeleuchtung - zu hell war. Immerhin stand der Ond noch halbhoch im Südwesten und verteilte generös sein strahlendes Licht. In noch größerem Abstand zum Mond zeigte sich bereits Lyra halbhoch im Norosten, ein gefundenes Fressen für ein first light des 1,25" OIII-Filters. Der Ringnebel M57 war flugs eingestellt. Im OIII präsentierte sich in beiden Teleskopen der Ringnebel wie wenn zwei hellere schmale Nebelringe ähnlich einem Möbius'schen Band ineinander verschlungen wären. Es scheint so zu sein, wie man bei höheren Vergrößerungen erkennt, daß die inneren und äußeren Randbereiche des Torus wohl etwas intensiver leuchten und diesen visuellen Effekt generieren. Der Inennbereich von M57 ist in beiden Teleskopen nachvollziehbar heller als der umgebende Himmelshintergrund. An den schmaleren Enden wirkt der Nebel fast - um mit Norberts Worten zu sprechen - kaffeebohnenartig unterbrochen. Bis 170x Vergrößerung, im Newton 240x, zeigt der Nebel im OIII wunderbar diese hellen Säume um seine innere und äußere Berandung, welche aber leicht gegeneinander versetzt scheinen. Ohne OIII sieht man dann erst wirklich, wie brachial hell M57 eigentlich ist, auch wenn die hellen Säume dadurch kaum mehr sichtbar sind. Anscheinend strahlen diese besonders stark auf der OIII-Linie.
Mittlerweile schlug die Kirchturmuhr dreiviertel zwei, und so wurde es an der Zeit, abzubauen und einen wundervollen Sternenabend zu beenden.
Fazit: Es bestätigt sich im Vergleich mit dem 10"-Newton das, was ich in mehreren Beobachtungssessions mit einem Kollegen und seinem 8" Dobson und meinem 6"-Refraktor konstatiert habe: Der Sechszöller erreicht die Details des 8er Dobsons mit minimal weniger BIldhelligkeit. Im Vergleich zum 4,5"- und 5" - Newton ein signifikanter Hub. Betrachten wir das Quadrat der Zollzahl als Maß für die Abbildungsleistung, dan liegt der 4,5"-Newton bei 20, der Sechszollrefraktor nominell bei 36, der 8er Dob bei 64 und der 10er Newton bei 100. Wir würden den Hub des 6ers gegenüber dem 4,5er als deutlich mehr wie 36 zu 20 beurteilenund im Vergleich zum Zehner in der 60% Liga einstufen. Das käme auch hin, da der Sechser in früheren Vergleichen fast die Perfomance des 8ers mit 64 erreicht. Rechnen wir die 60, welche wir dem Refraktor zubilligen, wieder auf Öffnung zurück, so läge der Sechszollrefraktor in etwa bei einem gut 7,5-zölligen Newton, also bei etwa 190mm Öffnung. Dies wäre auch eine Erklärung, warum der Sechszöller in der Detailfülle nicht so dramatisch hinter den Zehnzöller zurückfällt, als es von der Papierform her sein müßte. Ich möchte hier noch betonen, daß ich selber einen äquatorial montierten Zehnzollnewton besitze und daher den Sechszollrefraktor in keiner Weise mir schönreden zu brauche, sondern dies als neutrale Performancebewertung schreibe, um ein Gefühl für die Leistungsfähigkeit beider Geräte rüberzubringen.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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