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Herbstliche Tour durch offene Sternhaufen
Hallo Sternfreunde,
Am Mittwoch, dem 5. November zeigte sich schon nachmittags, daß das Wetter schön werden mußte und so habe ich nach der arbeit gleich die Gelegenheit ergriffen, den 6"-Refraktor in die klare Halbmondnacht zu stellen. Der Mond zeigte kienen Hof, und auch die Himmelsaufhellung des recht tief stehenden Halbmondes war äußerst gering, und im zenithnahen Zielgebniet des Sternbildes Eidechse war es locker dunkel genug für einige offene Sternhaufen. Durch die Fönwetterlage war es aussergewöhnlich warm und mild, so daß eineleichte Fleecejacke überm TSHirt zur Beobachtung reichte, eine bequeme Angelegenheit also. Wegen der Wärme und bis zum Horizont dunstfreien Atmosphäre erwartete ich auch keine Tauprobleme, aber sicherheitshalber kam doch zwischen den Beobachtungen immer der Deckel aufs Objektiv, was sich im Nachhinein als Retter des Abends herauskristallisierte. Aber der Reihe nach, erstmal eine Übersicht, was es so alles zu sehen gab:
Teleskop:
TS 15212, Seriennummer 040202 001, semiapochromatischer Refraktor (Fraunhofer mit Chromacorr II), D=152mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 93% Strehl über 152mm Öffnung;
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, >80kg Tragkraft,
Montierung EQ-6
Okulare:
38mm TS WA (32-fache Vergrößerung bei 70°)
32mm TS WA (38-fache Vergrößerung bei 70°)
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung bei 52°)
18mm Speers Waler (67-fache Vergrößerung bei 82°)
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung bei 67°)
12,5mm-Vixen Ortho (96-fache Vergrößerung bei 42°)
10mm Speers-Waler SW (120-fache Vergrößerung,bei 82°)
7,5mm Speers-Waler SW (160-fache Vergrößerung,bei 82°)
7mm Ortho von Celestron (171-fache Vergrößerung bei 42°)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache Vergrößerung bei 45°)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung bei 50°)
Sonstiges:
William Optics 2" DeLuxe Zenithspiegel mit 99% Reflexionsgrad
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter 1,25"
TS OIII-Filter, 1,25"
TS UHC-Filter, 2"
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Zeitpunkt:
04.11.2008 20:00-22:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5 mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
mäßig
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Doppelsterne:
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Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
M39, NGC7209, NGC7243, NGC7296, NGC7293
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
-
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Angeregt durch einen Artikel in der letzten Interstellarum begann ich mich auf eine dort angegebene sehr interessante Sternhaufenreise; auch von der Stadt mit 4" beobachtbar, so deren sinngemäßer Titel, müßte unter meinen Himmelsbedingungen mit 6" einiges an Details zu erreichen sein. Als Einstieg wurde im Cygnus der offene Sternhaufen M39 angesteuert. Auf ca. ein halbes Grad Feld verteilen sich in etwa 30 Sterne. Höhere Vergrößerungen wie die 46-fache bringen an diesem ausgedehnten Obejkt nichts. Die Sterne des Haufens sind zwar hell, aber eher gelblich, ich schätze den Sternhaufen also schon als etwas älter ein. Das Log-Age dieses Haufens wird mit log(age)=8,445 angegeben, was ein Alter von 280 Mio. Jahren ergibt, immerhin doppelt so alt wie die noch jungen Plejaden. Bärbels Kommentar zu M39 ist kurz und prägnant und trifft es auf den Punkt: "Groß und unspekatakulär!"
Der nächste offene Cluster, NGC7209, ist deutlich kleiner, die Sterne sind insgesamt nicht so hell wie bei M39, der Haufen ist aber deutlich dichter gedrängt. Bei 46x erscheint das Zentrum des Haufens relativ sternarm. Bei 78x erkennt man, daß sich die Haufensterne eher U-förmig um das sternarme Zentrum angeordnet haben, wobei das U sich nach Westen öffnet. Wirkt auf Bärbel wie ein sitzender Hirsch. Für mich jedoch ist diese Sternfigur trotz mehrerer Erklärungsversuche nicht nachvollziehbar. Bei 120x wirkt der Sternhaufen schön plastisch, ich zähle in etwa 60 Einzelsterne. NGC7209 ist der älteste der an diesem Abend beobachteten offenen Sternhaufen, mit einem log(age) von 8,617 erreicht er somit ein Alter von 414 Mio. Jahren! Ich überlege, ob das Fehlen der Sterne im Zentrum wohl auf die getriggerte Sternentstehung zurückzuführen sein könnte, nach der der Strahlungsdruck der ersten entstandenen Sterne die weiteren Sternentstehungsgebiete an den Rand eine Gasblase drückt, wo durch Schockfronten genügend hohe Materiedichte zur weiteren Sternentstehung vorherrscht.
NGC7243 ist ein recht heller, dreieckiger Sternhaufen, der mittig durch eine längliche Dunkelstruktur geteilt zu sein scheint. Im breiteren Teil, also der Basis des Dreiecks, bilden die hellsten Sterne eine W-förmige Kettenstruktur, ähnlich dem Sternbild Cassiopeia. Im Zentrum von NGC7243 fällt ein honigfarbener Doppelstern mit auffallend gleich hellen Komponenten ins Auge. Auch hier tippe ich aufgrund der eher gelblich-orangen Sternfarben auf einen eher älteren offenen Sternhaufen. Allerdings sagt das Alter von 114 Mio. Jahren grade das Gegenteil aus!
0,5° östlich des orangenen Sterns b Lacertae fällt mir direkt östlich eines auffallenden Sternchens ein kleiner Schwarm Sterne auf. Es könnte sich um einen schwachen offenen Sternhaufen handeln, also im Night Sky Observer's Guide nachgeschlagen, und siehe da, tatsächlich: NGC7296. Bei 78x bliutzt schon das erste halbe Dutzend Einzelsterne auf. Bei 120x erkennt man zwei V-förmige Sternketten, die knapp an dem benachbarten Einzelstern vorbei zeigen.
NGC7235, in etwa ein halbes Grad nordwestlich von e Cephei gelegen, bildet mit einem unmittelbar benachbarten Stern eine drachenartige Struktur, die bei indirektem Sehen mit Sternenstaub ausgefüllt zu sein scheint. Bei 120x zähle ich inklusive des orangefarbenen Hauptsterns 10 Sterne, im 7,5mm Speers Waler bei 160x tauchen knapp 20 Sterne unterschiedlichster Helligkeiten auf.
Leider war - trotz regelmäßigem Schließen der Taukappe - mittlerweile die Linse derart komplett zu, und auch am Tubus tropfte bereits das Kondenswasser runter, daß ich die zwar seh schöne, aber auch sehr feuchte Nacht viel zu früh abbrechen mußte.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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