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Hallo Sternenfreunde,
seit Mitte März 2012 hatte ich zwei 14-zölligen Dobsons zur Verfügung, und pünktlich zum Liefertermin war auch tatsächlich die erste von insgesamt vier sternklaren Nächten in diesem wundervoll frühsommerlichen März. Von einer Beobachtungsnacht zur nächsten wurden die Transparenzbedingungen zur Deep-Sky-Beobachtung besser, wenngleich der Himmel auch in der vierten Nacht mit 6m1 visueller Grenzgröße etwas hinter den bei mir möglichen Optimalbedingungen zurück blieb. Dafür war das Seeing - vor allem an den ersten beiden Beobachtungsabenden - derart exorbitant gut, dass sogar ich als intensiver Planetenbeobachter mich an kein besseres Seeing in den 15 Jahren meiner aktiven Beobachtungszeit erinnern kann. Da der Astrograph in meiner Kuppel aber parallel mit Deep-Sky-Fotos beschäftigt war, gibt es von diesen Abenden keine Planetenfotos. Dafür aber welche von Galaxien und auch ein paar Zeichnungen. An allen Abenden war auch Norbert mit seinem äquatorialen Zehnzollnewton mit von der Partie. Daß sich meine Frau Bärbel die Gelegenheit, intensiv faint galaxies zu beobachten, nicht entgehen ließ, brauche ich eh nicht extra zu erwähnen. Hier aber erstmal wie gewohnt in tabellarischer Form die technischen Daten der vier Nächte:
Teleskop:
14" - Newton auf azimutaler Dobsonmontierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegeldurchmesser: 356mm
Hauptspiegelbrennweite 1650mm, Öffnungsverhältnis 1:4,63
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 14"-Newton)
24mm Televue Panoptic (68°): 69x bei 1° Feld
18mm Speers Waler (82°): 92x bei 0,9° Feld
13mm Speers Waler (82°): 123x bei 0,66° Feld
10mm Speers Waler (82°): 165x bei 0,5° Feld
7,5mm Speers Waler (82°): 220x bei 0,37° Feld
6mm Televue Radian (60°): 275x bei 13' Feld
5mm Televue Radian (60°): 330x bei 10' Feld
3mm Televue Radian (60°): 550x bei 6' Feld
Sonstiges:
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular: TS 20x80 Triplett
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Zeitpunkt:
15. März 2012, 20. März 2012, 22. März 2012, 26. März 2012
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag2 - 6mag1
Durchsicht:
befriedigend bis gut
Seeing:
extrem gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC2903, NGC2916, NGC3041, NGC3177, NGC3162, NGC3098, NGC3395/3396, NGC3432, NGC3277, NGC3245, NGC3254, NGC3424, NGC3430, NGC3842, NGC3837
NGC3607, NGC3608, NGC3605, NGC3640, NGC3641, NGC4889, NGC4874, NGC4169, NGC4173, NGC4174, NGC4175, NGC4559
M95, NGC3184, NGC3319, NGC3198, NGC3320, NGC3991, NGC3994, NGC3995, NGC3877, NGC3726, NGC3893, NGC3896
M105, NGC3384, NGC3389, NGC3190, NGC3187, NGC3185, NGC3193, NGC3745, NGC3746, NGC3748, NGC3751, NGC3753, NGC3754
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
M42
Reflexionsnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC2392
Sonstiges:
Mars, Saturn
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Mein erstes Mal mit vierzehn Zoll
Am 15. März begann der erste Teil zum Thema Astrostress: Der Paketdienst hatte nachmittags bei Bärbel den ersten von zwei Vierzehnzöllern für einen Vergleichstest in Form dreier Pakete in der Garage deponiert. Da Bärbel mit den drei Kids später unterwegs war, mußte ich nach der Arbeit die drei Packstücke allein ins Haus schaffen, was bei zweien ob des Gewichts und der Sperrigkeit eine wahre Herausforderung war. Der Dobson war dann innerhalb einer Stunde zusammengebaut und - welch Wunder - es war klar und sonnig - wurde er gleich in den Garten rausgeschleppt. Mittlerweile war auch Bärbel mit den Kleinen wieder aufgeschlagen und nach dem gemeinsamen Abendessen landete Norbert bei uns. Während Bärbel die Kids ins Bett brachte, bauten wir seinen Zehnzöller auf und alignten danach bei einsetzender Dämmerung beide Teleskope.
Der Flextube 14" GoTo Dobson
Als erstes Objekt wurde NGC2903 anvisiert, die im 24er Panoptic als ein längliches, sehr deutliches Oval zu sehen war und im 18er Speers bereits in einen hellen Kern, umgeben von einem ovalen Halo, getrennt werden kann. Im 13er SW erkennt man an der südlichen Spitze des Halo eine etwas hellere Verdickung. Im 10mm SW wird indirekt schon die Spiralarmstruktur erahnbar, aber leider ist der Himmel an diesem Abend relativ feucht und damit diesig. Vor allem aber ist es auch noch nicht hundertprozentig dunkel. NGC2916 (12m1, SB 13m3) ist im Panoptic kaum, im 18er Speers aber dann doch eindeutig zu sehen: Eine runde, schwache Galaxie mit leicht hellerem Zentrum nördlich einer gebogenen Sternenkette. Im 13er Speers ist sie bei indirektem Sehen gar nicht so klein und wirkt leicht unregelmäßig in der Helligkeit. Weiter geht es zu NGC3041. (11m5, SB 13m6) Nördlich an einem Sternchen klebend, zeigt sich im 18er Speers ein runder, blasser Galaxienfleck, der leider kaum mehr an Details offenbart. NGC3177 (12m4, SB 13m9) bildet mit ein paar Sternen eine symmetrische Figur, sie ist rund. Im 18er ist die Galaxie schon recht deutlich, bei 123x im 13er Okular wirkt sie leicht asymmetrisch, dreieckig, zeigt aber nicht wirklich mehr an Details. NGC3162 (11m6, SB 13m8) ist im 13mm Speers sehr groß und rund, aber ansonsten recht schwach definiert, was ihrer niedrigen Flächenhelligkeit geschuldet ist. Interessant ist die edge-on-Galaxie NGC3098. (12m0, SB 12m1). Diese von der Seite zu sehende auffallende Galaxie befindet sich direkt neben einem Sternchen. Für eine edge-on-Galaxie ist NGC3098 relativ klein. Im 18mm Speers läßt sich ein heller, zentraler Balken in der Galaxie erkennen. Im 13mm-Okular wirkt sie stark spindelförmig. Mit rund 60Mio. Lichtjahren ist die Galaxie aber trotzdem sie sehr klein wirkt, relativ nahe.
Ein kleiner Schwenk ins Sternbild Leo minor führt uns weiter zum Galaxienpaar NGC3395/3396. (12m1, SB 12m3 / 12m1, SB 13m6) Die beiden Galaxien berühren sich an den Spitzen V-förmig. Die linke Galaxie ist dicker und heller (NGC3395). Im 10mm-Okular wirkt vor allem NGC3395 leicht gebogen, im 7,5mm-Okular wirken hingegen beide Galaxien leicht bananenförmig. Einen wahrhaft epischen Anblick im 24mm Panoptic bietet die edge-on-Galaxie NGC3432 (11m2, SB 13m9), die an jeder Spitze von einem Stern flankiert wird. Im 18er Speers zeigt sich deutlich, dass die im Okular rechte Spitze der Galaxie über den flankierenden Stern hinaus reicht. Im 13er zeigt sich die Galaxie in ihrer vollen, wunderschönen Pracht, sie ist sehr gross und langgestreckt, ein wahres Showpiece. Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, Diese tolle Galaxie mit Bleistift aufs Papier zu bannen:
NGC3432, Newton, D=356mm, f=1650mm bei 123x im 13mm Speers Waler
NGC3277 (11m7, SB 13m2) ist schon bei der Übersichtsvergrößerung im 24mm Panoptic problemlos als runde Galaxie zu erkennen. Im 18er wirkt sie zwar größer, zeigt aber nicht wirklich mehr an Details. Im 13er Speers wirkt der Halo bei indirektem Betrachten noch etwas grösser. Strukturen werden aber auch hier keine sichtbar.
NGC3245 (10m8, SB12m5) ist hell, in etwa 3:1 elongiert. Im 18er wirkt der recht helle Kern zweigeteilt. Das 13er Speers zeigt keine weiteren Details. Erst bei 165x im 10mm-Okular erkennt man den feinen Halo, der den länglichen kern umgibt, noch etwas deutlicher. Weiter geht es zu NGC3254 (11m7, SB 13m7), einer blassen Spindel oberhalb zweier heller Sterne. Im 18er Speers ist die Galaxie zwar recht groß, bleibt aber dennoch blass und ohne Details.
Das ebenfalls in Leo minor gelegene Galaxienpärchen NGC3424 (12m4, SB 13m0) und NGC3430 (11m6, SB 13m8) ist ebenfalls problemlos zu sehen. NGC3424 befindet sich links neben einer V-förmigen Sternenfigur. NGC3424 erscheint leicht länglich. Auch von diesem schönen Galaxienpärchen habe ich eine Zeichnung angefertigt:
NGC3430 und NGC3424, Newton, D=356mm, f=1650mm bei 123x im 13mm Speers Waler
Zurück Im Löwen geht es nun noch in den 400 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen Abell 1367. Die hellste Galaxie, NGC3842 (11m8, SB12m0) ist problemlos als recht große, runde Galaxie zu sehen. Die oberhalb, also südlich, gelegene NGC3837 (13m2, SB 12m5) ist ebenfalls visuell sicher zu halten.
Mittlerweile war die Zeit doch etwas fortgeschritten und Saturn in bester Kulminationsstellung. Natürlich wurde dieser nun im schön ausgekühlten Vierzehner mit dem 6mm Radian ins Visier genommen - und - das seeing war derart ruhig, dass ich sofort das 5mm Radian übersprungen habe und auf das 3mm Radian gewechselt bin, um Saturn bei 550-facher Vergösserung absolut flimmerfrei zu beobachten - ein wahrhaft seltenes Geschenk. Der Planet vermittelte eher den Eindruck, ein Foto zu betrachten als hier wirklich live am Teleskop zu stehn. Da uns aber allen schon etwas kühl war, beschlossen wir, uns zur Stärkung noch einen mitternächtlichen Espresso zu gönnen. Also die Siebträgermaschine auf Druck gebracht, was so in etwa 15 Minuten gedauert hatte, und gemütlich einen Espresso mit ein paar Pralinès genossen und ein wenig über den schönen Galaxienabend gefachsimpelt. So nach insgesamt einer guten halben Stunde haben wir dann den Dobson wieder aufgesucht um festzustellen, dass trotz 550-facher Vergösserung Saturn immer noch ruhig und und unbesonnen exakt mittig im Okular stand. Das Tracking dieses GoTo-Dobson läuft - im übrigen genau wie das Pointing, also das Auffinden von Objekten - mit einer traumhaften Präzision. Eine solch grosse Saturnkugel mit umlaufender Cassiniteilung im Ring und weiteren Helligkeitsminima in den Ringansen ausserhalb der Cassiniteilung visuell im Teleskop vor sich zu haben hat etwas Erhabenes. Garniert war das ganze noch mit einigen sturmzerfetzten Turbulenzen in den äquatornahen Wolkenbändern, deren zwischen vanillegelb und olivgrün changierenden Farben immer wieder aufs Neue faszinieren. Seit Sommer 2000 war dies das beste Saturnseeing und das beste Seeing überhaupt, das ich persönlich jemals erlebt habe.
Was ist nun das kurze Fazit meiner ersten Nacht mit einem voll motorisierten 14-Zoll-Dobson? Detailwahrnehmung an Galaxien im speziellen und deep-sky-Objekten im allgemeinen hat eine neue Dimension bekommen. Das Setup steht in einem Viertel der Zeit, die der Aufbau meines äquatorial montierten Zehnzöllers benötigt hatte, die Pointinggenauigkeit ist besser und die Nachführung aufgrund beidachsiger Korrekturen praktisch fehlerfrei - wie dies auch alle weiteren Beobachtungsnächte noch zeigen werden.
Die zweite Nacht
Einige Tage später - am 20. März - war es wieder so weit. Und auch Norbert konnte es nicht lassen und wollte sich den Himmel auch mit 36cm reindröhnen. Und nun gab's gleich die Bestätigung der vorhin im Fazit des 1. Tages so vollmundig beschworenen neuen Dimension der Detailwahrnehmung. Um das Alignment kurz zu überprüfen, bin ich mit dem 6er Radian - also schlapper 275-facher Vergösserung von irgendwo im Löwen auf den Eskimonebel NGC2392 gefahren, nur um zu sehen, wie gut die Elektronik trifft. Nun, die Elektronik hat den Nebel sehr prominent exakt in die Okularmitte gesetzt und was soll ich sagen? Mir zog's fast die Schuhe aus! Die Abgrenzung in innere und äussere Schalenstruktur konnte ich im Zehnzöller nie wirklich visuell nachvollziehen, hier war sie einfach sowas von deutlich zu sehen, und eine Steigerung der Vergößerung auf 550x mit dem 3mm Radian liess sogar Strukturen in der äusseren Hülle dieses planetarischen Nebels zweifelsfrei erkennen! Bärbel, Norbert und ich haben uns an diesem Anblick erstmal berauscht und konnten es alle drei nicht wirklich fassen. Nun war es mittlerweile auch schon relativ dunkel, so dass Bärbel auch noch den Orionnebel M42 sehen wollte. Also hab ich das 24mm Panoptik rein und das Teleskop mal losfahren lassen. Dann hab ich geguckt, alles runtergeschluckt und nix gesagt. Das taten dann sowohl Norbert als auch Bärbel: Der Nebel war nicht nur wie bekannt grünlichgrau, sondern zeigte an den Spitzen der Schwingen eine deutlich (!) von uns allen unabhängig voneinander gesehene rötlichbraune Färbung!!! Von wegen deep sky ist visuell nur farblos! Es gibt wohl durchaus auch mehrfarbige Alternativen da draussen...
Auch wenn uns die Sensationslüsternheit um ein Haar dazu verleitet hätte, nun ein Highlight nach dem anderen in den Goto-Controller einzuggeben, haben wir es dann doch vorgezogen, ein "seriöses" Galaxienprogramm zu absolvieren. NGC3607 (9m9, SB 12m9) so wie NGC3608 (10m8, SB 12m6) sind schon im 24mm Panoptic gut zu sehen. Im 13mm Speers Waler läßt sich auch die schwächere Galaxie NGC3605 (12m3, SB 11m8) sicher lokalisieren, etwas links, oberhalb von NGC3608. Im 10mm Speers bei 165-facher Vergrößerung zeigen alle drei einen runden Halo und einen relativ hellen kern.Bei der mittleren Galaxie zieht sich der Halo mehr nach unten (also nach Norden), der Kern scheint also asymmetrisch zu sitzen.
NGC3640 (10m4, SB 13m5) ist im 18mm Speers schon sehr gut zu sehen. Im 13er ist indirekt und leicht versetzt auf einem Drittel Weg zu dem südlich stehenden Stern NGC3641 (13m1, SB 12m9) zu sehen. Die Galaxie ist zwar klein und schwach, mit 75 Mio. Lichtjahren aber nicht gerade besonders weit von uns entfernt.
Mit 400 Mio. Lichtjahren liegt da der Coma galaxy cluster schon deutlich weiter in den Tiefen des Alls. Die beiden hellsten Galaxien, NGC4889 (11m5, SB 13m3) und NGC4874 (11m7, SB 13m4) sind sowohl im 18er als auch im 13er Speers gut sichtbar. Wir verweilen ein wenig in diesem Galaxienhaufen, aber etwas Tau auf den Okularen lässt uns eine kurze Pause einlegen. Zeit also, ein Tässchen Tee zu nehmen und die Okulare drinnen etwas anzuwärmen. Während uns der Tee aufwärmt, planen wir, welche Objekte wir als nächstes beobachten sollten.
Norberts Idee war es, mehr in Richtung Hickson-Gruppen zu unternehmen und so wurde also als nächstes Ziel die Galaxiengruppe Hickson 61 ins Visier genommen. Diese Galaxiengruppe wird auch oft als "The Box" bezeichnet und ist im Night Sky Observer's Guide nicht einmal gelistet. Was erwartet uns also? Vier Galaxien ,it den folgenden Kenndaten:
NGC4169 (12m2, SB 12m6)
NGC4173 (13m0, SB 14m3)
NGC4174 (13m3, SB 11m5)
NGC4175 (13m2, SB 12m7)
Puh! Die erste der Galaxien könnte ja gehn, und dann hätte man ja schonmal einen Einstiegspunkt. Also gehen wir es langsam an mit dem 18mm Speers. Hier - und auch im 13er bei 123x ist die edge-on-Galaxie die grösste und hellste erkennbare Welteninsel. Im 13er sind die anderen drei nur bedingt und indirekt zu halten - eher aber nur Blickweise. Erst im 7,5mm-Okular bei 220x ist der Himmel dunkel genug, dass alle vier Galaxien gesehen werden können, die eine Trapezanordnung bilden. Die drei kleineren Galaxien wirken eher rund und mit stellarem Kern. 200 Mio. Lichtjahre trennen uns von dieser Galaxiengruppe.
Als letztes Objekt - langsam macht sich Müdigkeit breit, trotz der Tasse Tee, geht es noch an die irreguläre Galaxie NGC4559 (10m0, SB 14m3). Im 18mm - Übersichtsokular ist sie nur ein grieseliger und relativ grosser Blob, der sich links in ein Sternendreieck schmiegt. Im 13mm Speers wirkt die Galaxie ähnlich, allerdings vom Umriss her etwas rechteckig. Im 10mm wirkt es so, als ob schräg durch das Rechteck eine Art Dunkelstruktur oder Staubband verliefe. Bei noch höheren Vergrösserungen verliert sich der visuelle Eindruck dieser interessanten Galaxie allerdings zusehends. So endet also auch der zweite Abend mit vierzehn Zoll Öffnung in der Gewissheit, dass die Steigerung gegenüber dem Zehnzöller doch signifikant und mehr als deutlich ausfällt! Mit dieser Öffnung lassen sich Galaxien in der 12mag bis 13mag - Klasse relativ problemlos finden und beobachten, Galaxien also, die für den Zehnzöller teils eine nicht zu knackende Herausforderung waren.
Die dritte Nacht
In dieser Nacht zeigte sich der Himmel nochmals deutlich besser als die beiden Abende zuvor. Beispielsweise zeigt NGC2903 - mit der ich das Alignment des Vierzehnzöllers überprüft habe, bereits Ansätze der beiden Spiralarme, die den zentralen Balken umfangen. Aus gegebenem Anlass geht die Reise aber zunächst zu M95, gibt es in dieser Galaxie derzeit doch eine Supernova zu beobachten. Die Galaxie zeigt sich als runde Aufhellung, etwas oberhalb liegt dieSupernova, die im 14er so wirkt, als wäre sie von der Sternfarbe her eher orange.
NGC3184 (9m8, SB 14m0) oberhalb eines Sterns entpuppt sich als face-on-Galaxie, die im 24mm Panoptik bei indirektem Sehen fast schon spiralig wirkt, und das trotz ihrer für face-on-Galaxien typischen, niedrigen Flächenhelligkeit. Im 18er zeigt sich der Galaxienkern etwas heller und der Halo leicht unruhig strukturiert. Der Eindruck manifestiert sich im 13mm Speers, jedoch wird bei diesen Vergrösserungen die Galaxie doch langsam arg blass, so dass keine weiteren Details mehr hervortreten. NGC3319 (11m1, SB 14m5) ist oberhalb zweier Sternchen bei 92-facher Vergrößerung gerade eben so erkennbar, sie ist länglich und senkrecht zu den beiden Sternen elongiert. Im 13er wird die Galaxie grenzwertig, blitzt nur bei indirektem Sehen ab und an als länglicher Streak durch, was aber angesichts einer Flächenhelligkeit von nur 14m5 nicht wirklich verwundert. Schön, dass sowas bequem vom Garten aus überhaupt beobachtbar ist. NGC3198 (10m3, SB 13m9) ist im 24mm Panoptik bei 69x wunderbar als lang gestrecktes Oval mit deutlichem zum Zentrum hin verlaufenden Helligkeitsanstieg zu sehen. Steigert man die Vergösserung auf 92x, sieht man, wie richtig groß der Halo eigentlich ist. Dieser wirkt bei der Vergrösserung fast "durchsichtig", wie ein transparenter Gazestoff. Ob das daran liegt, dass das ein oder andere Sternchen oder gar ein Helligkeitsknoten durch den Galaxienschleier blitzt? Zumindest ist diese Galaxie unbedingt einen Abstecher wert.
Die Reise im Ursa major geht weiter zu der Spindel NGC3320 (12m3, SB 12m8). Wie gesagt, eine kleine Spindel nahe eines kleinen Sterns. Bei indirektem Sehen zeigt sich ein stellarer Kern. Sowohl im 18er, als auch im 13er Speers zeigt sich eine asymmetrische Helligkeitsverteilung der Galaxie, deren Schwerpunkt in Richtung des schwachen Nachbarsterns hin verschoben ist.
Die Galaxiengruppe NGC3991 (13m1, SB 11m9) / NGC3994 (12m7, SB 12m0) / NGC 3995 (12m4, SB 13m2) sind zwei lang gestreckte und eine runde Galaxie. Die hellste - NGC3995- ist etwas breiter, die andre langgestreckte4 Galaxie schmäler. Die dritte Galaxie ist rund mit stellarem Kern im 18mm Speers. Im 13er ist das helle Zentrum der runden Galaxie (NGC3994) richtiggehend prominent. Da es sich um eine sehr interessante Galaxiengruppe handelt, habe ich mich wieder an einer Skizze versucht:
NGC3991, NGC3994 und NGC3995, Newton, D=356mm, f=1650mm bei 92x im 18mm Speers Waler
NGC3877 (11m0, SB 12m7) fällt bereits im 18mm-Okular als große, recht helle edge-on-Galaxie auf. Im 13er scheint das Zentrum der Galaxie zwei bis drei Helligkeitsknoten zu haben. Im 10mm Speers geht dieser Eindruck etwas verloren, hier ist die Vergrößerung schon etwas zu hoch. Die nächste Galaxie in Ursa major, NGC3726 (10m4, SB 13m6) erscheint bei Übersichtsvergrösserung recht groß und rund, aber wenig flächenhell. Im 13er erscheint sie elliptisch mit hellem, kleinen Zentrum. Bei 165x tritt ein deutlich stellarer Kern hervor und man hat den Eindruck, als wäre der Halo der Galaxie schon im Ansatz strukturiert. Zum Abschluss dieser schönen Frühlingsnacht zu dem Galaxienpaar NGC3893 (10m5, SB 12m8) und NGC3896 (12m9, SB 13m1). NGC3893 ist im 18mm-Okular recht hell, daneben bei einem Sternchen liegt die viel blassere NGC3896. Der Halo von NGC3893 wirkt fast schon strukturiert. Steigert man die Vergößerung mit dem 13mm-Okular auf 123-fach, wirkt der Kern dieser Galaxie so, als wäre ein heller Balken einer typischen Balkenspiralgalaxie vorhanden.
Auch diese recht schöne und klare Nacht zeigte, wie viele Details man doch mit 14 Zoll auch an schwächeren Galaxien erkennen kann, wenn man sich die entsprechende Zeit nimmt. Man hat den Eindruck, dass es im kompletten Night Sky Observer's Guide wohl nur noch sehr wenige Galaxien gibt, die mit dem 14er unter 6mag-Gartenhimmel nicht erreichbar wären.
Die vierte Nacht
Heute ist fast die klarste der vier Nächte dieses Berichts und so haben wir spontan während der Beobachtungsnacht auch etwas "fortgeschrittenere" Ziele nicht ohne Erfolg ansteuern können, was nur noch einmal verdeutlicht: der Unterschied von 10" zu 14" ist durchaus gravierend.
Begonnen haben wir aber wieder - wie in der dritten Nacht - mit NGC2903, eigentlich nur, um das alignment zu überprüfen, das - genauso wie das Tracking- auch in der vierten Nacht perfekt und ohne jegliche Mißweisung oder Nachführfehler war. Nun, NGC2903 wirkt heute fast schon spiralig, der zentrale "Balken" ist deutlichst zu sehen! Im 13mm Speers erstreckt sich der Halo der Galaxie in der Breite bis zu dem benachbarten Sternchen hin, zu einer Stelle also, wo auch auf lang belichteten Aufnahmen die Galaxie endet. Dieser Anblick ist einfach nur gigantisch und man muß wirklich ein paar Minuten am Okular verweilen, um alle Eindrücke in sich aufnehmen zu können. M105 bildet im 24mm Panoptic mit NGC3384 (9m9, SB 12m8) und NGC 3389 (11m9, SB 12m9) eine schöne Dreiergruppe. Im 13er zeigt M105 einen runden, hellen stellaren Kern umgeben von einem runden Halo, wohingegen NGC3384 einen stellaren Kern in einem länglich-linsenförmigen Lichthof zeigt. NGC3389 ist eine leicht irreguläre, längliche Galaxie ohne hellen Kernbereich. Die beiden NGCs sind jeweils in Richtung zu M105 hin elongiert. Als nächstes geht es zu der Galaxiengruppe Hickson 44 im Hals des Löwen. An diesem Abend ist sogar die vierte der Galaxiengruppe, NGC3187 (13m4, SB 14m9) sowohl im 13er als auch im 10er Speers zu halten. Im 10er wirkt sie blass und linsenförmig. NGC3190 (11m2, SB 13m0) wirkt sogar leicht strukturiert und die linsenförmige NGC3187 offenbart bei indirektem Sehen und genauer Beobachtung sogar einen Gradienten zum Zentrum hin!
Der Knaller ist der planetarische Nebel NGC3242 in der Hydra! Im 24er Panoptic ist der Nebel blendend quietschgrün. Der Rand ist etwas dunkler, wirkt minimal oval elongiert nach oben und unten.Im 6mm Radian: ein helles Zentrum, umgeben von einer dunkleren Schale, dann folgt wiederum ein etwas hellerer Ring und eine dunklere (halbhelle) Aussenschale. Die hellere Schale läuft nach unten kinnförmig spitz zu. Im 5mm Radian - bei 350-facher Vergrößerung wirkt der Planetary fast blütenförmig. Mit dem OIII-Filter im 3mm Radian bei 550-facher Vergrößerung wirkt der äussere, halbhelle Halo blasig wie grobporiger Schaumstoff. Ein solch beeindruckendes Erlebnis musste ich natürlich zeichnerisch festhalten, also kramte ich mein Büchlein sowie die Bleistifte her und machte mich ans Werk, welches ich dann noch nachcoloriert habe, um den gesehenen Farbeindruck wiederzugeben:
NGC3242, Newton, D=356mm, f=1650mm bei 550x im 3mm Radian
Nachdem ich diesen fantastisch detailreichen planetarischen Nebel gezeichnet hatte, gab es erstmal eine Espressopause zum Aufwärmen, und da der Himmel doch extrem kristallklar war, beschlossen wir, nach dem Espresso Copeland's Septett zu versuchen. Diese Galaxiengruppe ist auch unter der Bezeichnung Hickson 57 bekannt und ist mit 480 Mio. Lichtjahren doch schon ziemlich weit entfernt. Konkret handelt es sich um folgende Galaxien:
NGC3745 (15m2, SB 12m0)
NGC3746 (14m2, SB 13m6)
NGC3748 (14m8, SB 13m4)
NGC3750 (13m9, SB 12m8)
NGC3751 (13m9, SB 13m1)
NGC3753 (13m6, SB 13m4)
NGC3754 (14m3, SB 12m4)
Oberhalb eines Sernchens zeigt sich im 24mm Panoptic ansatzweise eine minimale Aufhellung. Diese läßt sich 13mm Speers in zwei "Helligkeitszentren" auflösen. Indirekt tauchen links neben dem Sternchen ebenfalls ein paar tanzende, ab und an aufblitzende Helligkeitsknötchen auf. Diese sind bei 220x dann sogar recht eindeutig. Die beiden Helligkeitszentren oberhalb des Sterns sind NGC3751 sowie die Dreiergruppe NGC3750/3753/3754. Die Knötchen links neben dem Sternchen sind NGC3746, NGC3745 sowie NGC3748. Man muss aber ganz klar sagen: Diese Kategorie an Galaxien ist für den Vierzehnzöller schon eine grenzwertige Herausforderung, zumindest bei meinem 6m1-Himmel.
Als nächstes geht es in den Galaxienhaufen Abell Abell 1367, einem weiterne, ebenfalls immerhin 400Mio Lichtjahre entfernten Galaxiencluster. In diesem Cluster konnten wir die Galaxien NGC3842, NGC3844, NGC3861 sowie NGC2862 erkennen. Detailwahrnehmung ist an diesen entfernten Welteninseln naturgemäß nicht mehr gegeben.
Die Galaxie NGC3395 (12m1, SB 12m1) liegt benachbart zu drei spindelförmigen Galaxien, alle vier Galaxien liegen im 24mm Panoptic innerhalb eines Bildfelds. Im 10mm Speers wirkt NGC3395 wie ein Engelsflügel, daneben befindet sich auf Tuchfühlung die 90° zu ihr versetzte NGC 3396 (12m1, SB 13m6), die ein wenig blasser und zierlicher ist, aber von ähnlicher Form. Bei den beiden anderen Spindeln handelt es sich um NGC 3430 und NGC3424. Zum Abschluss kehren wir nochmals zu einer irregulären Galaxie zurück, die wir schon am zweiten Abend besucht hatten: NGC4559. Sie ist im 18er Speers groß und hell und auf einer Seite von drei Sternen eingerahmt. Im 13er Speers erkennt man, abgewandt von den drei Sternchen, einen hellen Fleck im Galaxienzentrum.
Mittlerweile waren wir müde, haben noch kur Hickson 61 angefahren, und grenzwertig vier Galaxien erkennen können, aber für Details waren wir einfach zu platt und mittlerweile auch durchgefroren.
So ging die vierte von vier tollen Frühlingsnächten zuende. Und als Fazit bleibt ein hervorragendes Gefühl, mit 14 Zoll auf wirklich hohem Niveau detaillierte Beobachtungen von Deep-Sky-Objekten durchführen zu können.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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