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Hallo Sternenfreunde,
einen Monat ist es schon wieder her, seit ich das letzte mal beobachten konnte. Dieser Sommer lässt sich mit wochenlangem Regen, Hochwasser, Kälte und bedecktem Himmel ja wunderbar an. Anfang Juni die zweite Beobachtungsnacht des Jahres - eine traumhafte Ausbeute.
Trotz alledem gab es dann doch zumindest mal wieder eine sternklare Nacht und die wurde auch konsequent genutzt, um den Vierzehnzöller mit Photonen zu versorgen. Der Astrograph in der Kuppel hatte heute Pause, denn in der zweiten Nachthälfte sollte es - wen wundert es bei der Großwetterlage - schon wieder zuziehen. Wie immer gibt es erstmal eine tabellarische Zusammenfassung der Beobachtungsnacht:
Teleskop:
KLT - Köfering large telescope
14" - Newton auf azimutaler Dobsonmontierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen in Gitterrohrbauweise
Hauptspiegeldurchmesser: 356mm
Hauptspiegelbrennweite 1650mm, Öffnungsverhältnis 1:4,63
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 14"-Newton)
24mm Televue Panoptic (68°): 69x bei 1° Feld
18mm Speers Waler (82°): 92x bei 0,9° Feld
13mm Speers Waler (82°): 123x bei 0,66° Feld
10mm Speers Waler (82°): 165x bei 0,5° Feld
7,5mm Speers Waler (82°): 220x bei 0,37° Feld
6mm Televue Radian (60°): 275x bei 13' Feld
5mm Televue Radian (60°): 330x bei 10' Feld
3mm Televue Radian (60°): 550x bei 6' Feld
Sonstiges:
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
Binokular: TS 20x80 Triplett
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Zeitpunkt:
5.6.2013 - 22:30-0:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag6
Durchsicht:
gut
Seeing:
befriedigend
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
Kugelsternhaufen:
NGC5466, M10, M12, M14, M107, M9
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
Reflexionsnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC6309
Sonstiges:
-
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Schon während der Arbeit war mir klar, heute könnte was gehn. Also, nachdem ich die Kids vom Kindergarten abgeholt und ihnen das Abendessen hergerichtet hatte, bin ich gleich noch raus in den Garten und hab den Dobson aufgebaut - eine Sache von nicht einmal zehn Minuten. Wenn dann die Kinder nach dem Sandmännchen im Bett sind, kann man vielleicht schon an den zwei hellsten Sternen das Alignment machen. Naja, um halb acht wars dafür dann doch noch zu hell, aber so gegen neun waren schnell Arctur und die noch tief im Nordosten stehende Vega angepeilt und die Goto-Steuerung meldete ein vertrauenerweckendes "Alignment succesfull".
Gestartet habe ich dann so nach zehn Uhr, und zwar mit einem Kugelsternhaufen in Bootes: NGC5466. Dieser 9 Magnituden helle Kugelsternhaufen ist im 24mm Panoptic als ganz schwaches Schimmern erkennbar. Steigert man die Vergrößerung auf 92-fach, so blitzen in dem recht locker gestreuten Kugelsternhaufen schon erste Einzelsterne auf. Im 13mm Speers Waler präsentiert sich dieser Kugelsternhaufen als äußerst locker hingestreut, mit einigen helleren, gelblichen eingesprengselten Sternen. Bei 165-facher Vergrößerung scheinen die radial aus diesen helleren Sternchen zusammengesetzten Ketten in etwa die Form eines X zu bilden. Gerade aufgrund seiner niedrigen Konzentration ist dieser Kugelsternhaufen ein absoluter Beobachtungstip!
Ich hatte mir für diesen Abend einige Kugelsternhaufen vorgenommen, und diesmal wollte ich im Ophiuchus den ein oder anderen Globular besuchen, schließlich ist meine letzte Reise zu diesem Sternbild bedingt durch die letzten miesen Frühsommer immer wieder buchstäblich ins Wasser gefallen. Also starte ich mit M10, der mit seinen 6,6 Magnituden im direkten Vergleich blendend hell ist. Er zeigt im 13mm Speers Einzelsterne bis ins Zentrum hinein und auch die schwächeren Haufenmitglieder sind bis ins Innere des Haufens aufgelöst. In direkter Nachbarschaft liegt mit M12 der nächste helle Kugelsternhaufen, mit 6,8 Magnituden nur einen Hauch schwächer und im Okular nicht minder prächtig. Er weist aber im Gegensatz zu seinem Nachbarn deutlich weniger hervorstechende, helle Einzelsterne auf, sondern (bis auf einige wenige Ausnahmen) mehr fast gleichschwache Haufenmitglieder. Im 7,5mm Speers Waler zeigen sich - leicht zum Zentrum versetzt - einige mittelhelle Ausreisser.
Ich fahre mit dem Teleskop nun den Kugelsternhaufen M14 an, und habe vergessen, das Okular zu wechseln, es ist also noch das 7,5mm mit 220-facher Vergrößerung im Okularauszug. Der Kugelsternhaufen ist trotzdem mittig im Okular psoitioniert und was ich da sehe, ist ein wahrhaft phantastischer Anblick! Der Kugelsternhaufen besteht aus ganz feinem Sternenstaub ohne jegliche helligkeitsmäßigen Ausreisser, ähnlich dem offenen Sternhaufen M37 in Auriga. Der Haufen ist darüberhinaus wahnsinnig dicht mit Sternen besiedelt. Ein Traum, an dem man sich schier nicht satt sehen kann. Trotzdem reisse ich mich irgendwann von diesem Wahnsinnsanblick los und mache mich auf den Weg zu M107. Es handelt sich hier um einen relativ schwachen, auffallend asymmetrischen Kugelsternhaufen, der mittig in einem flachen Sternendreieck positioniert ist. Im 10mm Okular - 165-fach ist hier das Maximum, das das Objekt hergibt, lassen sich innerhalb des Clusters einige dunkle Stellen ausmachen.
Zur Abwechlsung geht es nun zu einem planetarischen Nebel, nämlich NGC6309. Es ist ein länglicher Planetary, der mit einem direkt benachbarten Stern eine ausrufezeichenähnliche Figur bildet. Im 6mm Radian bei 275x zeigt sich der Nebel an der Ostseite geradlinig abgeschnitten und zeigt nach Westen hin eine leichte Ausbuchtung. Im 3mm Radian bei 550-facher Vergrößerung wirkt der planetarische Nebel aufgefächert wie eine Feuerzunge.
Ein letztes Objekt gönne ich mir nach dieser anstrengenden Grenzbeobachtung an dem kleinen Planetary, nämlich den Kugelsternhaufen M9. Dieser ist sehr kompakt mit relativ wenig hellen Sternen, bleibt auch im 13mm Speers trotz schon 123-facher Vergrößerung noch sehr kompakt und lediglich grieselig, in keinem Fall aber aufgelöst. Erst ab 165-facher Vergrößerung lassen sich langsam Einzelsterne bis ins Haufenzentrum auflösen.
Müde von einer tollen Beobachtungsnacht baue ich ab und verstaue alles. Was soll ich sagen? Sich nur auf ein Sternbild oder einen überschaubaren Himmelsausschnitt und eine geringe Objektauswahl zu beschränken, ist immer wieder eine erhellende Erfahrung und bietet zumindest mir intensivere Beobachtungserlebnisse als das massenweise abhaken von Katalogobjekten.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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