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Hallo Sternenfreunde,
vom 11. -25. September 2008 war ich mit der Familie auf Mallorca, im Südosten der Insel. Nun, mit zwei kleinen Kindern, Fiona ist dreieinhalb, Antonia erst eindreiviertel Jahre alt, ist es eh nix mit abends ausgehen, und so überzeugte ich Bärbel, daß auch der Optimus (70/700mm Lidl-Refraktor) samt äquatorialer Cosmostar-Montierung zwischen die Klamotten weich in den Koffer eingepackt werden muß. Mit 6kg Gesamtgewicht ist der Optimus durchaus ganz brauchbar für die Reise. Der ED80 hätte aufgrund des massiveren Tubus, seines 2"-Okularauszuges und des nötigen, schwereren Gegengewichtes immerhin 10kg auf die Waage gebracht. Optimus I wurde also für zwei Wochen zu Ballermann 70...
Vor dem Urlaub hab ich dem Optimus noch einen dielektrisch beschichteten 1,25"-Zenithspiegel besorgt, schließlich zählt bei 70mm Öffnung jedes(!) Photon. Diverses okularseitiges Zubehör mußte auch noch mit:
26mm Meade 4000er Superplössl
20mm, 17mm, 10mm und 6,3mm Silberplössls, extra als kleine, billige aber sehr gute Reiseokulare angeschafft
14,5mm Erfle (quasi die Weitwinkeldröhnung mit 67° Feld).
Dazu eine Astronomik UHC sowie ein TS OIII-Filter.
Mit dieser Ausrüstung steht der Astrofreude nichts im Wege, aber Bärbel unkte schon: Wenn Du Dein Fernrohr mitnimmst, dann wird das mit dem Wetter eh nix!
Der wolkenverhangene Himmel bei der Landung in Palma de Mallorca schien dann auch prompt Bärbels Unkenrufe wahr werden zu lassen, aber immerhin war's eh vier Tage vor Vollmond und so hatte das Wetter erstmal Zeit, wieder landestypischere Eigenschaften anzunehmen.
Eine unserer ersten Touren führte uns ins nahe Landstädtchen Felanitx, das architektonisch weit hinter vielen anderen mallorquinischen Städten zurückbleibt, aber für uns Anlaufzentrum für diverse Einkäufe war. Das nahe - und vor allem über 500m hoch gelegene - Kloster St. Salvator war natürlich sofort der Traum meiner sternklaren Nächte, trotzig thront der Gebäudekomplex auf der höchsten Erhebung der Serra de Levant.
Der 500m hohe Klosterberg St. Salvator bei Felanitx in der Spätnachmittagssonne
Aber, solange der Mond noch fast voll am Himmel steht, hieß es erstmal kleinere Brötchen Backen. Und so durfte der Optimus bereits am dritten Abend, am 13.9., zum ersten mal in den Garten unseres Feriendomizils, da es wunderbar klar war und zudem auch noch sehr lau. Die Kinder im Bett, das Abendessen im Garten wohl genossen, konnte es jetzt gemütlich losgehen. In der zu Ende gehenden Dämmerung wurde erstmal Jupiter ins Visier genommen. Der Gasriese zeigt bei sehr, sehr ruhigem seeing 2 Bänder, das schwächere Band ist über die Hälfte der Planetenkugel zweigeteilt. Die Polkappen sind etwas dunkler gefärbt. M22 ist trotz des nahe stehenden und fast vollen Mondes im 26er SPL als runder, sprenkeliger und auffallend wenig konzentrierter Kugelsternhaufen zu sehen. Ein besonderes highlight an diesem für deep-sky-Beobachtung eigentlich zu mondhellen Abend war der offene Sternhaufen M25, rund 5° nördlich von M22 gelegen.Der Haufen wirkt H-förmig, wobei der zentrale Querbalken durch zwei parallele Sternketten gebildet wird. Innerhalb einer dieser beiden Sternketten lassen sich rund ein halbes Dutzend Sternchen in enger Nachbarschaft auflösen, vor allem im 17er PL, aber noch einen Tick präsenter im 14,5er Erfle bei ca. 50-facher Vergrößerung. M17 zeigt im 20er PL mit UHC immerhin den langgestreckten Schwanenkörper, wenngleich der nahe stehende Mond doch die Detailwahrnehmbarkeit drastisch reduziert. Aber immerhin, ein viel versprechender Anfang war gemacht.
Am nächsten Tag - es ist Vollmond - unternehme ich einen kurzen Gang zum Passeig maritim, einem beleuchtungsfreien, bequem begehbaren, in die Steilküste gehauenen Uferweg, der 100m unter unserem Haus beginnt. In kaum fünf Minuten Fußweg Entfernung findet sich - mit einer Bank - ein hervorragender Beobachtungsplatz ohne blendende Lichteinwirkung mit einem Blick von N über O bis S - und zwar mit 0°-Meereshorizont! Ein paar Felsblöcke sind noch ideal geeignet, um seinen Schreibkram und diverse Utensilien abzulegen. Leider sind Dunst und durchziehende Schleierwolken vom Mond sehr stark aufgehellt, so daß dieser Abendspaziergang rein informeller Natur blieb, an Beobachten war beim besten Willen nicht zu denken.
Am 15.9.2008, also einen Tag nach Vollmond, ziehen zwar Wolken durch, aber aus unserem Garten beobachte ich ein wenig Jupiter. Das Seeing ist zwar nicht so gut wie zwei Tage zuvor, aber immerhin gut genug für ein halbes Stündchen Beobachtung. Da ich über unserem Haus die nördlichen Sterne des Ophiuchus ausmachen kann, nehme ich noch schnell IC4665 aufs Korn, auf etwa 1,5° hingestreut etwa 20 Sterne in jeweils rechteckigen Anordnungen. Dieser offenen Sternhaufen ist ein dankbares Objekt auch für derart schlechte Bedingungen wie heute! Im 20er Plössl bei ca. 1,5° Gesichtsfeld füllt der Sternhaufen das Okularbildfeld praktisch komplett aus.
Leider war die darauffolgenden Tage erst einmal wetterbedingte Beobachtungspause angesagt, zwar war es untertags schönes Wetter, gegen Abend zog es aber immer mehr oder weniger zu, wobei sich zwischen den Wolken auch noch Dunst breitmachte, eine alles in allem sehr ungünstige Kombination, bei so manchem Blickl gen Himmel mußte ich an Bärbels Unkenrufe denken. Warum bloß?
Am 19.9.2008 gab es dann einen nachmittäglichen Platzregen, bei dem man wahrhaftig eine geschlagene Stunde keine 50 Meter weit sehen konnte, das Regenwasser schoß in wahren Fontänen über die Asphaltstrassen. Aber nach diesem Spektakel riß es auf, der Dunst war erstmal weg gewaschen; da unsre kleine Antonia an diesem Abend irgendwie gar nicht ins Bettchen wollte, ließ sich Bärbel von der Kleinen breitschlagen, sie mit dem Buggy den Passeig entlang zu schieben, quasi ein Einschlafspaziergang. Diesen wollte sie natürlich auch fotografisch nutzen und schoß ein paar available light - Aufnahmen, allerdings aus der Hand, da das Stativ - kinderspielzeugbedingt - zu Hause bleiben hatte müssen. Hier ein paar Eindrücke davon:
Spaziergänger über der Cala Domingos
Sundown am Passeig Maritim
Als Bärbel dann mit der Kleinen nach einem guten halben Stündchen von ihrer Exkursion zurück kam, marschierte ich, den Optimus samt Montierung unterm Arm, ebenfalls den Passeig hinunter, um meinen neuen Spechtelplatz auszutesten. M28 erscheint als typischer, schöner Kugelsternhaufen, aber leider gibt er irgendwie keine Details preis. Ein Blick zum Himmel erklärt auch, warum: wie aus dem Nichts sind wieder Wolken aufgezogen, nur mittig im Schützen sind noch drei Sterne erkennbar, schnell also auf M22 gezielt, der wenigstens auffällig körnig ist im Okular. Allerdings bleibt auch dieser Kugelsternhaufen weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und für Details viel zu blaß.
Tags darauf, am 20.9.2008 gehe ich trotz dunstigem Himmel wieder mit meiner Ausrüstung die 5 Minuten zum Passeig hinunter, eine Fahrt zum Kloster St. Salvator hätte sich auch heute definitiv nicht gelohnt. Bis 35° Elevation treibt sich also wie gesagt ziemlich viel Dunst rum. Mein heutiges Ziel ist das Westende des Sternbilds Aquarius. M72 säuft vollkommen im Dunst ab, ist praktiscvh nicht auszumachen! M73 hingegen ist wenigstens sichtbar, allerdings sehr, sehr unspektakulär, handelt es sich doch lediglich um eine längliche Gruppe aus 4 Ministernen, also eher Asterismus denn offener Sternhaufen. M7009 läßt sich sowohl im UHC als auch mit OIII_Filter sehr gut identifizieren, ein bei 70x und 11x ausgefranzt wirkender, kleiner runder Nebel; Farbe konnte ich allerdings nicht wahrnehmen. M2 ist deutlich besser erkennbar, bei 70x zeigt sich ein heller, körniger Kugelsternhaufen. Man hat den Eindruck, daß in dem Haufen drei Y-förmig angeordnete "Sternäste" etwas heller wirken, als der übrige Kugelsternhaufen. Dies konnte aber nur bei 70x gesehen werden, bei 48x war die Vergrößerung zu niedrig, bei 111x dern Sternhaufen schon wieder zu blaß, was auch auf den Dunst zurückzuführen war. Da es zusehends immer dunstiger wurde und sich der Himmel darüber hinaus mit immer mehr Wolken durchsetzte, mußte ich auch diesen Abend viel zu früh abbrechen.
Der 21.9. sollte dann auch schon die letzte Beobachtungsmöglichkeit sein, denn unsere letzten drei Urlaubstage zeichneten sich durch stark bewöltes, windiges und kühles Regenwetter aus. Aber auch an diesem Abend war es sehr dunstig, so daß der Optimus wieder nicht zu Hochform auflaufen konnte, aber immerhin hat es wieder für ein paar Objekte gereicht:
Begonnen habe ich mit dem Kugelsternhaufen M28, ein dreieckig wirkender Kugelsternhaufen mit konzentriertem Zentrum und leicht grieseligen Außenbereichen, relativ blaß. Der offene Sternhaufen M25 ist heute super zu sehen, bei 27x erkennt man einige Dutzend Sterne, die hellsten der Sterne sind orangegelb, im 17er Plössl sind immerhin 35 Einzelsterne zählbar. Da der Sternhaufen sehr detailreich im Okular steht, beschließe ich, eine Zeichnung zu machen, damit ich Skizzenblock und Bleistifte wenigstens nicht ganz umsonst mit in den Urlaub genommen habe.
M25,70mm FH-Refraktor, f=700mm bei 41x
Dieser M25 gefällt mir immer mehr, ist echt einer meiner Lieblingssternhaufen und auf jeden Fall einen Besuch wert, zeigt er doch auch bereits bei wenig Öffnung wundervolle Details. Ebenfalls wunderschön war der kleine, aber helle planetarische Nebel NGC6818; ab 70x erscheint er als kleiner, verwaschenenr Nebel, gleich einem nicht scharfstellbaren Stern. Erstaunli9ch, wie der kleine Nebel gifitg durch den OIII_Filter durchstrahlt! Indirekt meine ich, im Zentrum des planetarischen Nebels einen Helligkeitspeak wahrzunehmen.
Als nächstes ist NGC7293, der Helixnebel dran. Bei 27x mit UHC ist deutlich ein relativ großer, grauer runder, aber von der Helligkeitsverteilung sehr homogener Nebelfleck zu sehen. Er liegt südlich einer kerzengeraden 3er-Sternenkette. MIt OIII wird er aber schon ein wenig blass, auch hier sind keine weiteren Details erkennbar. Trotzdem bin ich erfreut über diese Sichtung und erstelle ebenfalls eine Skizze:
NGC7293,70mm FH-Refraktor, f=700mm bei 27x mit UHC
Auch 35-fache Vergrößerung bringt nicht mehr, hier kippt der Nebel visuell bereits weg, der relativ starke Dunst macht sich auch hier wieder mal sehr negativ bemerkbar. Auch die Zwerggalaxie im Schützen, Barnard's dwarf galaxy, ein Mitglied der lokalen Gruppe, fällt dem Dunst zum Opfer, wobei ich denek, für 70mm Öffnung wäre diese Galaxie von Hause aus zu ambitioniert.
Leider begannen auch jetzt wieder, immer mehr Wolken aufzuziehen, so daß ich auch diese letzte Beobachtungsmöglichkeit nach einem gemütlichen Stündchen beenden mußte.
Man sieht also, auch eine Reise in den Süden ist nicht unbedingt ein Garant für astronomisch gut nutzbaren Himmel. Weder auf Milos, noch auf Lanzarote noch hier auf Mallorca hatte ich vernünftige Bedingungen für teleskopische Beobachtung. In Dänemark jedoch, auf Bornholm, hatte ich einige wirklich kristallklare Nächte, wer hätt's gedacht? Leider hatte Bärbel mal wieder recht behalten, bleibt zu hoffen, daß der nächste Sommerurlaub uns einen besseren Himmel beschert.
Nachtrag:
Nach unserem Urlaub erfuhr Bärbel von einer Arbeitskollegin, deren Bekannte eine Immobilie auf Mallorca besitzt und dort jeden Sommer mehrere Wochen verbringt, daß diese sich nicht erinner könne, die letzten 20 Jahre einen solch schlechten Sommer auf Mallorca erlebt zu haben. War der Optimus schuld daran?
Zum Abschluß hier noch ein paar Eindrücke von der Insel:
Pollencia
Sineu
Mittwochsmarkt in Sineu
Bucht von Alcudia
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